Reiseland Tschechien Pilger, Papst und Paradies: Basilika in Velehrad
Velehrad gilt als der bekannteste Wallfahrtsort in Mähren. Tausende von Pilgern strömen vor allem am 5. Juli in die mährische Gemeinde. An diesem Tag wird der beiden Slawenapostel, der heiligen Kyrill und Method gedacht. Sie kamen 863 nach Mähren, um das Land zu missionieren. Das Zentrum des damaligen Großmährischen Reichs befand sich höchstwahrscheinlich unweit des heutigen Wallfahrtsortes. Mit der Geschichte von Velehrad haben wir uns in unserer Sendung am Kyrill- und Method-Tag ausführlich befasst. Eine Dominante des Ortes stellt die Basilika dar, die Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, jedoch später einen Umbau im Barockstil erfahren hat.
Basilika in Velehrad (Foto: Martina Schneibergová)
Velehrad liegt etwa sechs Kilometer nordwestlich der Stadt Uherské
Hradište und ist von dort aus am besten mit Bus zu erreichen. Die Türme
der Kirche sind gut zu sehen, noch lange bevor der Bus in Velehrad hält.
Von der Bushaltestelle sind es nur noch ein paar Schritte zum so genannten
Pilgerhof, dem früheren Areal des Zisterzienserklosters. Es ist zu sehen,
dass die Kirche und ihre Umgebung in Stand gesetzt werden. Die Basilika
mache eine Verjüngungskur durch, sagt der Kirchenhistoriker von der
Pfarrei Velehrad, Petr Hudec lächelnd. Sie wird nicht nur von außen,
sondern vor allem im Interieur restauriert. Bei den Renovierungsarbeiten
haben die Archäologen interessante Funde gemacht:
„Im Rahmen der archäologischen Forschungen wurden hier Fragmente einer mittelalterlichen Mauer gefunden, die Bestandteil der Befestigung des Klosters war. Die Basilika war ursprünglich um zehn Meter länger als heutzutage. Die ursprüngliche romanische Stirnwand ist vor der Kirche im Pflaster gekennzeichnet, sodass sich die Besucher eine Vorstellung davon machen können, wie der Pilgerhof ausgesehen hat.“
Päpstliches Kreuz
Den Pilgerhof dominiert das päpstliche Kreuz. Dieses erinnert an den
Besuch von Johannes Paul II. von 1990, erzählt Petr Hudec. Es handele sich
um kein architektonisches Juwel, aber es sei ein authentisches Andenken an
die Papstvisite, sagt der Historiker. Einige Meter vor der Basilika bleibt
Petr Hudec stehen:
„Wenn wir noch etwa zwei Schritte machen, betreten wir das Paradies. Denn vor der Klosterkirche befand sich ursprünglich ein Vorraum, das so genannte ´paradisium´, also Paradies. Es war eine Art Vorbereitungsraum, in dem sich die Mönche und alle Besucher auf das Betreten des heiligsten Raums des Klosters vorbereiteten. Zudem schützte dieser Vorraum das herrliche romanische Portal, von dem leider nur ein Sockelfragment erhalten geblieben ist.“
Petr Hudec (Foto: Zdeněk Skalička, Slovácký deník)
Die spätromanische Kirche weihten die Zisterzienser der Mariä
Himmelfahrt. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche jedoch im Barockstil
gründlich umgebaut. Nicht jeder Sakralbau kann als Basilika bezeichnet
werden, sagt Petr Hudec. Denn Basilika bedeutet einerseits den Bautyp einer
Kirche mit mehreren Schiffen. Basilika ist jedoch auch ein katholischer
Ehrentitel, der nur besonders bedeutenden Kirchen verliehen wurde, erklärt
der Experte:
„Im Falle der Kirche von Velehrad geht es nicht nur um Basilika als Bautyp. 1928 wurde der Kirche der Ehrentitel der Basilika verliehen. Damit wurde die Bedeutung des Ortes für die slawischen Völker unterstrichen, die hier traditionell ihre Beziehung zu den Slawenaposteln Kyrill und Method demonstrieren.“
In der Zeit, als hier die Zisterzienser lebten, war die Basilika eine Konventskirche, die nur den Ordensmitgliedern diente. Später durften zweimal jährlich auch andere Gläubige die Kirche besuchen. Für sie war jedoch nur der hintere Teil der Basilika zugänglich. Petr Hudec dazu:
Foto: Martina Schneibergová
„Bis heute ist eine kleine Treppenstufe inmitten der Kirche erhalten
geblieben. Gemeinsam mit einem Gitter trennte sie einst den vorderen Teil
der Kirche von dem hinteren Teil. Die Kanzel befindet sich im hinteren Teil
der Kirche, da es notwendig war, dass nicht nur die Mönche, sondern auch
alle andere Besucher die Predigt hören konnten. Inmitten der Basilika
befinden sich herrliche Chorbänke, die für den Höhepunkt der mährischen
Holzschnitzerkunst der Barockzeit gehalten werden.“
Bei der inneren Ausschmückung der Kirche fallen die Malereien auf dem Gewölbe der Kirche auf. Dargestellt wird hier die Plünderung der Kirche durch die Hussitentruppen:
Foto: Martina Schneibergová
„1421 wurde auf den Altarstufen sogar der Abt des Klosters Jan mit vier
weiteren Mönchen verbrannt. In der Barockzeit wurden diese ermordeten
Zisterzienser als Heilige verehrt. Hinter dem Gerüst verbirgt sich noch
eine wichtige Freske, die den großmährischen Fürsten Svatopluk
darstellt, der von den heiligen Kyrill und Method getauft wurde.“
Die großen Statuen der beiden Slawenapostel sind auf rechter Seite vor dem Presbyterium nicht zu übersehen. In der Basilika stehen die Slawenapostel seit dem 19. Jahrhundert, sagt Petr Hudec.
„Im Rahmen der historisch-kritischen Methode befasste man sich im 19.
Jahrhundert sehr genau damit, was bestimmte historische Persönlichkeiten
höchstwahrscheinlich getragen hatten und wie beispielsweise ihre Frisur
aussehen konnte. Auch Kyrill und Method gerieten unter diese Lupe. Das
Resultat dieser Forschungen waren zwei Statuen, die der Bildhauer Emanuel
Max für die Theynkirche in Prag schuf. Ein Gipsmodell der Statuen wurde
für die Basilika bestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts musste eine treue
Kopie des Gipsmodells hergestellt werden, weil die Gipsplastiken schon sehr
beschädigt waren. Diese Statuen sind deswegen bedeutend, weil sie das
Aussehen von Kyrill und Method geprägt hatten.“
Im Sarkophag ist Tomáš Kardinal Špidlík bestattet (Foto: Martina Schneibergová)
Wenn hierzulande die Rede von den Slawenaposteln ist, stellen die meisten
Leute sie sich so wie die beiden Statuen von Velehrad vor.
Petr Hudec macht noch auf den Sarkophag aufmerksam, der sich hinter dem Altar befindet. Dort ist der namhafte Theologe Kardinal Tomáš Špidlík bestattet, der als international anerkannter Experte für orthodoxe Kirchen galt. Špidlík, der 2010 in Rom starb, hatte sein ganzes Leben lang eine enge Beziehung zu Velehrad. Denn dort begann er sich einst, auf den Priesterberuf vorzubereiten. Petr Hudec zufolge hat der verstorbene Kardinal, der seit 1950 in Rom lebte, sehr viel für die tschechische Kultur geleistet.
Ivan Marko Rupnik
„Er inspirierte zudem die Entstehung des Künstlerateliers Centro Aletti
in Rom, wo Künstler aus der ganzen Welt unter der Leitung von Ivan Marko
Rupnik arbeiten. Die Künstler von Centro Aletti schmückten auch den
Sarkophag aus, in dem Kardinál Špidlík bestattet wurde. Aus Tausenden
kleinen Steinen schufen sie kleine Mosaiken, die acht Bilder aus der Bibel
darstellen. Es handelt sich beispielsweise um die Szene der Begegnung von
Josef von Ägypten mit seinen Brüdern, um die Mariä Verkündigung oder
die Kreuzigung.“
Die Basilika in Velehrad ist täglich geöffnet. Die Besichtigung der Kirche ist trotz der Renovierungsarbeiten im Interieur möglich. Die Führungen dürfen nur nicht während der Gottesdienste stattfinden. Mehr über die Öffnungszeigen erfahren Sie unter www.farnostvelehrad.cz.





