Reiseland Tschechien "Nacht der Burgen und Schösser": Loučeň lädt in die 1980er Jahre ein
Ein einzigartiges Erlebnis bieten in der Nacht vom 3. auf den 4. September fast 80 tschechische Burgen und Schlösser ihren Besuchern. In dieser Nacht, die als „Hradozámecká noc“ bezeichnet wird, kann man weitaus mehr als eine Besichtigung einer historischen Sehenswürdigkeit bei Kerzenlicht erleben.
Schloss Loučeň (Foto: Schlossarchiv Loučeň)
Die „Hradozámecká noc“, zu Deutsch etwa die „Nacht der Burgen und
Schlösser“, wurde im vorigen Jahr zum ersten Mal veranstaltet. Damals
war das Zentrum des Geschehens im Schloss Hořovice. Der Veranstaltung
schlossen sich insgesamt 30 Burgen und Schlösser an. Rund 11.000 Menschen
haben während dieser Nacht die verschiedenen Sehenswürdigkeiten besucht.
Die Burgennacht sei ein Magnet der ganzen Saison gewesen, erzählt die
Leiterin des staatlichen Denkmalschutzamtes, Naděžda Goryczková. Nach
dem Erfolg der Veranstaltung im vorigen Jahr entschied sie sich mit ihren
Mitarbeitern, die Burgennacht in diesem Jahr zu wiederholen. Die Verwalter
der Sehenswürdigkeiten bereiten ein abwechslungsreiches Programm für die
Samstagnacht vor:
Naděžda Goryczková
„Neben Besichtigungen bei Kerzenlicht, die während der Hauptsaison
auf
einigen Burgen und Schlössern bereits angeboten werden, können die
Besucher am kommenden Samstag an mehreren Orten Führungen in historischen
Kostümen erleben. Im Inneren der Sehenswürdigkeiten werden zudem
Theaterstücke aufgeführt, die mit der Geschichte des Ortes
zusammenhängen. So kann man beispielsweise im nordböhmischen Duchcov /
Dux dem berühmtesten Bewohner des Schlosses, Giacomo Casanova, begegnen.
Eine Audienz beim Heerführer Albrecht von Waldstein gibt es hingegen im
nordböhmischen Schloss Frýdlant / Friedland. Die Veranstalter haben auch
an die kleinen Besucher gedacht, die voriges Jahr bei der Burgennacht
stark
vertreten waren. Für sie sind beispielsweise Führungen mit
märchenhaften
Wesen vorbereitet.“
Petr Svoboda (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Die Initiatoren der „Nacht der Burgen und Schlösser“ fanden
Inspiration bei der Museumsnacht. Die Burgen und Schlösser seien jedoch
keine typischen Museen, sagt der stellvertretende Leiter des
Denkmalschutzamtes, Petr Svoboda. Es gebe nämlich Unterschiede zwischen
einer Museumsausstellung und den Ausstellungen in einem Schloss, so der
Experte.
„Der Hauptgrund, warum wir die Nacht der Burgen und Schlösser bereits zum zweiten Mal veranstalten, ist, dass wir versuchen, die falschen Vorstellungen über die Sehenswürdigkeiten zu korrigieren. In Teilen der Öffentlichkeit ist die Vorstellung verbreitet, dass eine Burg wie die andere ist, und wenn jemand etwa schon Karlstein gesehen hat, bräuchte er keine andere Burg mehr zu besichtigen. Im Rahmen des Projektes ´Belebte Baudenkmäler´ organisieren wir während eines Jahres rund 2.500 Veranstaltungen an den Burgen und Schlössern, die vom Denkmalschutzamt verwaltet werden. Und die bevorstehende Burgennacht stellt einen Höhepunkt dieser Veranstaltungen dar. Wir bemühen uns, eine Beziehung zu den Besuchern herzustellen, ihnen die Baudenkmäler zu einer ungewöhnlichen Zeit und mit einem untraditionellen Programm zu zeigen. In diesem Jahr schlossen sich 78 Burgen und Schlösser der Burgennacht an. In jeder Region haben die Interessenten die Möglichkeit, einige Sehenswürdigkeiten in der Samstagnacht zu besuchen, sodass sie nicht weit zu reisen brauchen.“
Schloss Loučeň
Der bevorstehenden „Nacht der Burgen und Schlösser“ haben sich auch
mehrere Burgen und Schlösser angeschlossen, die nicht vom staatlichen
Denkmalschutzamt verwaltet werden, wie beispielsweise das Schloss Loučeň
in Mittelböhmen. Kateřina Šrámková von der Verwaltung des Schlosses
begrüßt die bevorstehende Veranstaltung und hofft, dass sie regelmäßig
stattfinden wird.
„Wir erwarten, dass daraus eine lange Tradition wird. Die Baudenkmäler, die wie wir von Loučeň in Privathänden sind, bemühen sich, zwei Sorten von Besuchern anzusprechen. Erstens wollen wir am Samstag Menschen zu uns einladen, die das Schloss möglicherweise schon mehrmals besucht haben. Dieses Mal werden sie aber etwas wirklich Neues erleben können. Und wir möchten auch diejenigen ansprechen, die davon überzeugt sind, dass der Besuch eines Schlosses langweilig ist. Ich hoffe, dass unser Programm für beide Sorten von Besuchern attraktiv ist.“
Kateřina Šrámková (Foto: Schlossarchiv Loučeň)
Schloss Loučeň wird den Besuchern die Möglichkeit bieten, in die nicht
weit entfernte kommunistische Vergangenheit zurückzukehren, sagt
Kateřina
Šrámková:
„Es handelt sich um die Rückkehr in die 1980er Jahre, als hierzulande die so genannte Spartakiade stattfand. Es erklingen Pop-Lieder aus den 1980er Jahren. Man kann an einem Wettbewerb mit dem damals populären Zauberwürfel teilnehmen. Zudem werden einige Autos aus dieser Zeit zu bewundern sein. Es geht um die Rückkehr in eine Vergangenheit, als das Schloss als Schulungszentrum des Verkehrsministeriums diente. Am Samstag werden Führungen angeboten, bei denen die Besucher zu fiktiven Teilnehmern dieser Schulungen aus sozialistischen Zeiten werden. Während der Nacht wird die Palette an Führungen breiter. Für Kinder bieten wir Besichtigungen des Schlosses mit einem Märchenonkel oder Führungen im Zeichen der Schokoladenherstellung. Zudem gibt es auch Führungen zu astronomischen oder aristokratische Themen. Interessenten können diesmal bei uns auch übernachten, und zwar nicht nur im Hotel, sonder auch in einem Zeltlager in unserem Schlosspark.“
Labyrinth im Schlosspark Loučeň (Foto: Martina Schneibergová)
Die Liebhaber von Rätseln können natürlich auch während der
Burgennacht versuchen, den Weg durch eines der Labyrinthe zu finden, durch
die das Schloss bekannt geworden ist. Die Führungen durch das Schloss
werden jede Stunde angeboten. Beendet wird die Nacht der Burgen und
Schlösser in Loučeň mit einer Führung durch das Schloss mit dem
Märchenonkel am Sonntag um 9 Uhr morgens.
Es scheint, als wäre bei der Nacht der Burgen und Schlösser für fast jeden Geschmack etwas dabei. Mehr Informationen findet man unter www.hradozameckanoc.cz.







