Reiseland Tschechien Mit Wein im Wappen: Moravska Nova Ves
Der 11. November, der St. Martinstag, ist in Tschechien mit der Tradition verbunden, junge Weine zu verkosten. In der südmährischen Winzergemeinde Moravska Nova Ves haben die Winzer bereits einen Tag zuvor ihre Weinkeller geöffnet, um ihre neuen Weine vorzustellen.
Podluzi ist eine Region in der so genannten Mährischen Slowakei, in der
die Folklore wirklich noch lebt. Im Herzen von Podluzi, nur zwei
Bahnhaltestellen von der Grenzstadt Breclav entfernt, liegt Moravska Nova
Ves / Mährisch Neudorf. Schon im historischen Siegel der Gemeinde wurde
ein Winzersymbol benutzt – ein Weinstock mit zwei Winzermessern auf den
Seiten. Winzersymbole findet man auch auf dem neuzeitlichen Wappen der
Gemeinde, das Moravska Nova Ves 1999 vom tschechischen Parlament gegeben
wurde.
Weinkeller in Moravska Nova Ves
In zwei schmalen Gässchen unweit des Bahnhofs, die die Namen
Vymoli
und Zatisi tragen, verbirgt sich der offensichtlich größte Schatz der
Gemeinde. In kleinen Ziegelhäusern ohne Putz sind die Weinkeller
untergebracht.
Der Winzerverein von Moravska Nova Ves hat am 10. November hier den Tag
der offenen Weinkeller veranstaltet. Der Weg Richtung Vymoli und Zatisi,
wo
man elf geöffnete Keller finden konnte, war ausgeschildert. Wenn man sich
dem Viertel näherte, konnte man sich bald nach den Tönen der typischen
Volksmusik orientieren. Im Weinkeller Nr. 5 bot eine junge energische Dame
Weinproben aus eigener Produktion an. Die Winzerin Ivana Tomanova ist im
Vorstand des Winzervereins von Moravska Nova Ves, der von ihrem Vater
geleitet wird. Zum ersten Mal hat sich der Verein entschieden, im Herbst
die Weinkeller für einen Tag zu öffnen, sagt die Winzerin.
Ivana Tomanova
„Wir veranstalten immer im Juli den Tag der offenen Weinkeller. Wir wissen aber, dass die Kunden auch junge Weine verkosten wollen, um zu erfahren, in welchem Stadium sich die Weine befinden und um abzuschätzen, wie sie sich entwickeln werden. Ich gehöre zu den jüngeren Mitgliedern unseres Vereins und beteilige mich an der Veranstaltung etwas aktiver als die anderen. Wie ich es hier so beobachte, sind die Keller ganz voll. Draußen ist zwar sehr schlechtes Wetter, aber das hat die Leute nicht davon abgehalten, nach Moravska Nova Ves zu kommen und Weine zu verkosten. Im Sommer ist ein solches Weinfest vielleicht noch angenehmer, aber ich meine, dass man so eine Weinverkostung auch im Herbst genießen kann.“
Ziegelhäuser ohne Putz
Natürlich kennen auch die Winzer in Moravska Nova Ves den Brauch, dass
neue Weine erst am 11. November, dem St. Martinstag, zum ersten Mal
verkostet werden sollen. Sie haben den Tag der offenen Weinkeller mit
jungen Weinen absichtlich schon am Samstag, dem 10. November, organisiert
– aus dem einfachen Grund, damit auch Besucher aus entfernten Regionen
länger bleiben können. Denn allein bei Ivana Tomanova konnten sie
Mährischen Muskat, Grünen Veltliner, Müller Thurgau, Zweigeltrebe oder
den Blauen Portugieser verkosten. Auch die Winzerin hat ihre
Lieblingsweinsorten.
Svatopluk Lano
„Ich mag Rotweine. Zu meinen Lieblingsweinen gehört beispielsweise
Cabernet Moravia, denn das ist eine Rebsorte, die vom berühmten hiesigen
Winzer Lubomir Glos gezüchtet wurde. Ich habe an einer Winzerschule
Abitur
gemacht und studiere jetzt Gartenbau. Cabernet Moravia ist übrigens auch
das Thema meiner Diplomarbeit. Ich befasse mich damit, wie Weine mit einem
höheren Zuckergehalt gezüchtet werden können. Das erforsche ich hier in
meinem eigenen Weinberg. Ich bin auf das Resultat meiner Forschungen schon
neugierig.“
Zum jungen Wein servierten alle Winzer einige Kleinigkeiten wie Häppchen, Schinken oder Käse. Ivana Tomanova bot den Weinliebhabern aber Süßes an – kleine Ingwerplätzchen, die sie „zazvorky“ nennt.
Moravska Nova Ves
„Sie werden zum Rotwein serviert. Mein Urgroßvater, der Winzer
war, hat
immer einige dieser Ingwerplätzchen in seiner Hosentasche gehabt. Die
Frauen haben diese Plätzchen damals gebacken, denn der Mann sollte im
Keller nicht nur Wein, sondern auch etwas Ausgiebiges dazu essen.“
In einem der Weinkeller konnte man neben Müller Thurgau, St. Laurent und dem Blauen Portugieser auch Schärferes und Deftigeres verkosten.
„Merunkovice, orechovka, vinovica – also Branntweine aus Aprikosen und Nüssen und schließlich Vinovica, die aus Weintreber hergestellt wird“, dies hat Svatopluk Lano in seinem Weinkeller angeboten. Zum Essen gab es Grieben und Schmalzbrote, alles hausgemacht. Familie Lano kann auch auf eine längere Weinbautradition zurückblicken.
Weinkeller in Vymoli
„Ich stamme aus einer Winzerfamilie. Mein Urgroßvater überreichte
das
Winzerhandwerk meinem Vater und er wiederum mir und meinem Bruder. Für
mich ist der Weinbau nur ein Hobby, es ist nicht mein Beruf. Wein
produzieren wir für den eigenen Verbrauch sowie für unsere Bekannten.
Und
bei Veranstaltungen wie heute öffnen wir den Weinkeller für die
Öffentlichkeit.“
Durch die schmalen Gassen Vymoli und Zatisi pilgerten kleine Gruppen von Weintouristen, oft tauschten sie Informationen darüber aus, in welchem der Keller es einen besonders wohlschmeckenden Jungwein gibt. Neben Slowakisch hörte man oft auch die Mundart aus der Hana-Region.
„Wir sind aus Mohelnice gekommen. Über die Veranstaltung haben wir im Internet erfahren. Da wir gute Weine mögen, haben wir uns entschieden, diese hier zu testen. Wir waren in diesem Jahr schon in Velke Bilovice und in Velke Pavlovice, dies ist die dritte Winzergemeinde, die wir besuchen. Es macht uns Spaß, neue Orte kennen zu lernen.“
Das unweit von Olomouc / Olmütz gelegene Mohelnice ist bestimmt kein
Winzerparadies, aber Weinkenner gibt es dort trotzdem, wie es scheint:
„Meistens kaufen wir bei ähnlichen Veranstaltungen auch etwas ein: vor allem Barrique Weine, Weine mit höherem Zuckergehalt, Auslesen oder Beerenauslesen – einfach das, was wir Sahnehäupchen nennen.“
Im heutigen Reiseland haben wir unter anderem die nächste größere Stadt erwähnt, die unweit von Moravska Nova Ves liegt – die Grenzstadt Breclav. Falls Sie die deutsche Bezeichnung von Breclav kennen, dann schreiben Sie es uns, denn so lautet die heutige Quizfrage, für deren richtige Beantwortung Sie eine CD mit südmährischer Zimbalmusik gewinnen können. Ihre Zuschriften richten Sie bitte an Radio Prag, Vinohradska 12, PLZ 120 99 Prag 2.
In der letzten Oktoberausgabe des Reiselands haben wir Sie nach dem Heiligen gefragt, der Patron der Winzer ist – es ist der heilige Urban. Eine CD mit der Gruppe Rivus geht diesmal an Werner Hoffmann aus Güstrow.






