Reiseland Tschechien Kloster Doksany
Rund 50 Kilometer nördlich von Prag liegt Doksany / Doxan. Die Dominante der Gemeinde ist ein Kloster dar, das fast zur selben Zeit wie das Prager Prämonstratenserstift Strahov entstanden ist.
Kloster Doksany
Doksany liegt an einem Flussarm der Eger, südlich von Litoměřice /
Leitmeritz. Wenn man von Prag mit dem Auto kommt, ist das große
Klosterareal auf der linken Straßenseite nicht zu verfehlen. Das
Eingangstor aus der Renaissancezeit befindet sich jedoch nicht mehr im
besten Zustand. Adrián Zemek ist Prämonstratenser und verwaltet die
Pfarrei von Doksany:
„Leute, die mit dem Auto vorbeifahren, können beim Anblick des beschädigten Tors den falschen Eindruck gewinnen, dass es auf dem Klosterareal nichts zu sehen gibt. Das stimmt aber nicht. Von Ostern bis in den späten Herbst hängt vor dem Tor ein Plakat, das auf die Möglichkeit aufmerksam macht, die Barockkirche und die romanische Krypta zu besichtigen. Oft sind die Touristen, die vorbeifahren oder vorbeiwandern, angenehm überrascht, wenn sie dann hineinkommen und die Jungfrau-Maria-Kirche besuchen.“
Mariensäule
Durch das Renaissancetor gelangt man aber zunächst auf den ersten Hof, in
dessen Mitte eine Mariensäule steht. Die Säule wurde nach einer großen
Pestepidemie im 17. Jahrhundert errichtet. Das Barockgebäude der Pfarrei
wurde vor kurzem in Stand gesetzt. Es stammt von Octavian Broggio, einem
tschechischen Architekten mit italienischen Vorfahren, der auch einige
Häuser in der Umgebung des Doms in Litoměřice gebaut hat. Im krassen
Widerspruch zum frisch renovierten Pfarrhaus stehen die verfallenen
Gebäude neben dem Eingangstor. Oben auf einem bizarren Haus ohne Fenster
wachsen mittlerweile schon Bäume, über die sich noch ein Schornstein
erhebt. Dies sei eine Brauerei gewesen, sagt Adrián Zemek:
Brauerei
„Die Brauerei steht seit Jahrzehnten leer. Die Dächer der Gebäude sind
inzwischen zum Teil eingestürzt. Die Ruinen werden von Regisseuren
genutzt, die hier historische Filme drehen. So wurde hier ein Film über
das englische Mittelalter gedreht, aber die ehemalige Brauerei hat oft auch
schon als Kulisse für die Geschichte aus der Zeit kurz nach dem Zweiten
Weltkrieg gedient.“
Durch ein weiteres Tor, auf dem die Jahreszahl 1692 noch gut zu erkennen ist, geht es auf den zweiten Hof. Von hieraus kann man die Mariä-Geburt-Kirche betreten. Wenn man die Kirche von außen betrachtet, entdeckt man im Querschiff ein inzwischen eingemauertes romanisches Fenster. Dies ist Zeugnis aus der Gründungszeit des Klosters. Am Gebäude des ehemaligen Konvents der Ordensschwestern sieht man eine reich geschmückte Fassade. Mehrere Barockstatuen stellen die Patrone des Klosters dar. Adrián Zemek macht auf die auffallende Überschrift über dem Konventeingang aufmerksam:
„Es ist der lateinische Satz ‚Veni, sponsa Christi’. Das bedeutet in
etwa ‚Braut Christi, komm herein’. Damit wurden Frauen begrüßt, die
dem Orden beitreten wollten. Sie hatten die Möglichkeit, das Leben einer
Prämonstratenserin erst einmal auszuprobieren. Wenn sie wollten und sich
bewährten, blieben sie für ihr ganzes Leben hier. Die ersten
Ordensschwestern sind 1144 aus Dünnwald bei Köln hierhergekommen. Die
Ordensgemeinschaft wuchs schnell an, sodass noch im 12. Jahrhundert von
Doksany aus ein neues Stift in Krakau in Polen gegründet werden konnte.“
Neben dem ehemaligen Konvent befand sich früher das Refektorium, also der Speisesaal. Dort sind Barockfresken erhalten geblieben. Und in der ehemaligen Prälatur, dem wichtigsten Verwaltungsgebäude, gab es einst die Möglichkeit, Gäste unterzubringen. Adrián Zemek:
„In der Zeit, als das Kloster erbaut wurde sowie während des ganzen
Mittelalters diente das Stift auch als Asyl für Pilger. Bevor das
Klostertor am Abend geschlossen wurde, eilten Pilger und andere Leute, die
unterwegs waren, hierher, um im Kloster zu übernachten.“
1782 löste Kaiser Josef II. das Kloster wie so viele andere auf. Das Areal wurde zuerst als Spital und dann als Kaserne genutzt. Später wurde das Kloster zu einem Schloss umgebaut. Von Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1945 gehörte das ganze Anwesen den Herren von Aehrenthal.
Krypta
„Danach wurden in einem Teil des Klosters Wohnungen eingerichtet, einige
davon gibt es bis heute. Im Areal hatten verschiedene Institutionen ihren
Sitz. In den 1970er Jahren wurde der historische Gebäudekomplex an das
Denkmalschutzamt in Ústí überführt. Auch nachdem das Kloster 1782
aufgelöst wurde, dienten die Marienkirche und das erste Pfarrhaus
weiterhin kirchlichen Zwecken. Früher befand sich das Pfarrhaus sogar
außerhalb des Klostergeländes, damit der Pfarrer den Gläubigen zu jeder
Zeit zur Verfügung stehen konnte. Im Pfarrhaus befindet sich heutzutage
das Postamt.“
Vom dritten Schlosshof gelangt man in die ältesten Klosterräumlichkeiten, die Krypta. Den Eingang in die Krypta ließen die Herren von Aehrenthal im pseudoromanischen Stil errichten.
Über einige Treppenstufen gelangt man in die Krypta, die sich nicht unter
der Kirche, sondern auf der Ebene der einstigen romanischen Basilika
befindet. Über der Krypta befindet sich der Chorraum der Kirche, in dem
Platz für 49 Ordensschwestern war. Da es kontemplative Klausurschwestern
waren, mussten sie in der Kirche getrennt von den anderen Gläubigen
sitzen. Adrián Zemek erläutert weitere Details:
„Aus dem 21. Jahrhundert kommt man durch den pseudoromanischen Raum, den
die Aehrenthals erbauen ließen, in den romanischen Teil des Klosters. Mit
dem Bau des Klosters wurde 1144 begonnen. Beendet wurde der Kirchenbau
1197. Das Kloster wurde von Gertrude gegründet, der Frau des böhmischen
Königs Vladislav II., an die Gründerin erinnern mehrere Gemälde in der
Barockkirche. Beachtenswert an dem ältesten Klosterraum ist, dass jede der
romanischen Säulen anders aussieht. Die ältesten der rund 20 Säulen
wurden in die romanische Mauer eingefügt. Die mächtigsten Säulen tragen
das Gewicht von einem der Türme.“
Durch die Marienkirche von Doksany werden wir Sie in einer der nächsten Ausgaben von „Reiseland Tschechien“ führen.
Fotos: Autorin







