Reiseland Tschechien Hustopece: Im Schatten der Weinhefe
Die Stadt wird in den Reiseführern als "Stadt des guten Weins" bezeichnet. Sie kann nämlich an eine sehr lange Weinbautradition zurückblicken. Im 18. Jahrhundert war sie - gemessen an der Ausdehnung der Weinberge - die größte Weinbaugemeinde Südmährens überhaupt. Heute gehört Hustopece nach der neuen Gliederung zur Weinbauregion von Velke Pavlovice, das vor allem durch seine Rotweine bekannt geworden ist.
Die heute etwa 6.000 Einwohner zählende Stadt Hustopece ist Mitte des 13.
Jahrhunderts als Marktgemeinde anstelle einer Siedlung entstanden, die
Ceska ves, also etwa "Böhmischdorf" hieß. Seit dem Mittelalter
war Hustopece ein bedeutendes Handelszentrum.
Die wichtigste historische
Dominante der Stadt - die St. Wenzelskirche aus dem 16. Jahrhundert, die
auf dem Marktplatz stand, ist leider nicht erhalten geblieben, sie stürzte
1961 ein. Auf den Bau einer neuen Kirche musste die Stadt mehr als dreißig
Jahre warten. Erst nach der Wende - 1994 - wurde eine moderne Kirche
erbaut, die dem heiligen Wenzel und der heiligen Agnes von Böhmen geweiht
wurde. Der Charakter der Stadt wird vor allem durch den Renaissancestil
geprägt. Eines der wertvollsten Häuser - das Haus "U Synku"
zeigte mir der Vizebürgermeister Jiri Teply.
Das Stadtmuseum
"Hier haben wir ein gut erhaltenes Baudenkmal in Hustopece. Es ist
das Renaissancehaus ´U Synku´. Das Haus, das um das Jahr 1570 erbaut wurde,
wurde nach dessen letztem Besitzer genannt. Als das Haus auf die Stadt
übertragen wurde, war es in einem sehr erbärmlichen Zustand. Während der
letzten sechzehn Jahre wurde das Gebäude schrittweise mit Unterstützung vom
Landkreis und vom Kulturministerium renoviert. Heute ist hier das
Stadtmuseum untergebracht. Außerdem gibt es hier Ausstellungssäle. Im
Erdgeschoss wurde ein Infozentrum eingerichtet. Und in den 500 Jahre alten
Kellerräumen wurde schließlich eine ständige Ausstellung über den Weinbau
eröffnet. Dieses Museum dient den Winzern aus der Region von Hustopece. Die
Besucher der Ausstellung können sich hier ein Bild davon machen, was für
gute Weine es bei uns gibt. Ich habe hier schon von einigen
österreichischen Weinexperten gehört, dass sie vor unserer Konkurrenz keine
große Angst haben. Nach der Weinverkostung haben sie aber ihre Meinung hier
geändert."
Weinhefedenkmal in Hustopece
Bevor die Besucher die hiesigen Weine verkosten, können Sie sich eine
Weile in die stille Betrachtung eines einzigartigen Denkmals vertiefen. In
Stein gemeißelt steht da eine 70.000-fach vergrößerte Weinhefe. Das Denkmal
wurde auf Initiative von Vizebürgermeister Teply im Frühjahr errichtet. Die
seltsame Statue ist höchstwahrscheinlich auch im internationalen Maßstab
einzigartig.
"Wir haben da einen herrlichen Hof, der für verschiedene Festivitäten
sehr gut geeignet ist. Der hiesige Amateurkünstler Jiri Merlicek hat vor
etwa zwölf Jahren die Federweißfeste gestartet, die bis heute veranstaltet
werden. Kurz nach der Wende war er in Klobouky bei Brno dabei, als ein
kommunistisches Denkmal beseitigt wurde. Damals kam er auf die Idee, dass
es gar nicht schlecht wäre, anstelle eines totalitären Monuments ein
Denkmal für die Weinhefe aufzustellen. Aber erst nach mehreren Jahren
gelang es ihm hier in seiner Heimatstadt Hustopece diese Idee in die Tat
umzusetzen. Die Plastik passt hervorragend in den Hof und natürlich auch zu
den Winzerfesten, die da stattfinden. Wir erhielten inzwischen ein
Zertifikat dafür, dass es sich um einen tschechischen Rekord handelt: Denn
es gelang uns einen Organismus 70.000-fach zu vergrößern."
Als Vorlage für das Bildhauerwerk dienten mehrere Bilder, die eine hiesige Malerin anhand mikroskopischer Fotografien der Weinhefe gemalt hatte.
Nach der Besichtigung des Weinhefemonuments führt der Weg in die
Kellerräume, wo die ständige Ausstellung über den Weinbau zu sehen ist. Das
Weinbaumuseum wird von etwa 2500 Touristen im Jahr besucht, berichtet
Mitarbeiter Radek Sedlacek. Die meisten der Besucher kommen im Sommer,
viele davon sind Radfahrer. In der Sommersaison kann man im Keller auch
Wein verkosten. Angeboten werden Weine von insgesamt 37 Winzern aus der
Region von Hustopece. Die Ausstellung wird aus dem Haushalt der Gemeinde
gefördert, sagt Radek Sedlacek:
Hustopece
"Hustopece hat eine so reiche Weinbautradition wie kaum eine andere
Stadt in Südmähren. Denn 200 Jahre lang war Hustopece die Gemeinde, die die
meisten Weinberge in Mähren besaß. Die ersten Erwähnungen über den Weinbau
in dieser Region stammen aus dem 12. Jahrhundert. Zu einem großen
Aufschwung der Weinproduktion kam es erst später - im 15. und 16.
Jahrhundert. Damals gehörte Hustopece dem Altbrünner Kloster Aula Regia.
Eine der besten Weinrieden ist die Flur, die sich heutzutage über der
Autobahn befindet. Der südwestliche Abhang ist für Weinanbau sehr gut
geeignet. Viele Brünner Bürger haben hier damals Weinberge gekauft.
Hustopece ist als Winzergemeinde berühmt geworden."
Zur Stadt wurde Hustopece 1572 von Kaiser Maxmilian erhoben. Der Kaiser erteilte der Stadt ein Wappen, das bis heute unverändert geblieben ist. Im Stadtwappen sind einige Weinattribute enthalten - ein Weinrebe-Zweig mit einer Weintraube sowie ein Winzermesser.
Eine wichtige juristische Instanz für Weinbergangelegenheiten war das
Berggericht von Hustopece. Es war die Vollstreckungsinstanz für alle
Winzer, an der Spitze stand der Bergmeister - oder wie man tschechisch zu
sagen pflegte der "perkmistr". Dieser wurde durch die Obrigkeit
ernannt oder gewählt. Bei der Einführung ins Amt musste er vor allen
versammelten Winzern einen Eid leisten. Der Bergmeister war mit der
Aufsicht über Weinberge beauftragt. Ein steinernes Wappen des Berggerichts
befindet sich heute am Gebäude der Tschechischen Sparkasse. Das Bergrecht
von Hustopece, dessen Fassung nicht erhalten geblieben ist, war im
Unterschied zum Bergrecht von Mikulov / Nikolsburg sehr hart. Den
Verurteilten drohten oft grausame Strafen wie beispielsweise
Verstümmelungen. Radek Sedlacek erinnert an einen Fall aus der Geschichte
des Berggerichts von Hustopece:
"Man sagt, dass das Berggericht von Hustopece am grausamsten war. Aus
der Chronik wissen wir, dass am 9. September 1610 auf einem Sandhaufen -
dort, wo sich heute die Tschechische Sparkasse befindet - der Seifensieder
Konrad Koblitsch geköpft wurde. In der Nacht habe er, so die historischen
Quellen, Weintrauben auf den Weinbergen gestohlen. In den böhmischen
Ländern ist es wahrscheinlich die einzige Hinrichtung für ein solches
Vergehen. Gegen das Urteil des Berggerichts gab es keine Berufung. Die
Berggerichte haben Jahrhunderte lang gewirkt, was beachtenswert ist.
Heutzutage gibt es das Winzergesetz, mit dem alles rund um den Weinbau
geregelt wird."
Hof des Hauses "U Synku"
Die ständige Ausstellung im Haus "U Synku" ist in der
Sommersaison täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Es ist außerdem möglich,
eine Besichtigung der Ausstellung auch zu einer anderen Zeit zu bestellen.
Die Stadt Hustopece hatte natürlich auch einen deutschen Namen. Falls Sie wissen, wie Hustopece auf Deutsch hieß, können Sie es uns schreiben, denn so lautet die heutige Quizfrage, für deren richtige Beantwortung Sie eine CD mit mährischen Liedern gewinnen können. Ihre Zuschriften richten Sie bitte an Radio Prag, Vinohradska 12, PLZ 120 99 Prag 2. Aus den richtigen Antworten werden wir in vier Wochen einen Gewinner oder eine Gewinnerin auslosen.
Vor vier Wochen fragten wir Sie nach dem Namen des Flusses, nach dem der
Nationalpark Podyji benannt wurde: Es ist Dyje / Thaya. Eine CD geht
diesmal an Martina Pohl aus Überlingen am Bodensee.
Fotos: Autorin






