Durch Klostermann inspiriert: Hauswaldkapelle wird wieder belebt

Die Böhmerwald-Besucher, die noch vor etwa einem Jahr auf dem Wanderweg am Chinitz-Tettauer Schwemmkanal / Vchynicko-Tetovsky plavebni kanal spazierten, ahnten nicht, dass sie ganz nahe an einem einst international berühmten Wallfahrtsort vorbeigingen. Denn keine der Kapellen, die an der dortigen Heilquelle in den vergangenen Jahrhunderten erbaut worden waren, überlebte das kommunistische Regime. Nach fast fünfzig Jahren Verwüstung wurde der Ort, an dem früher die Hauswaldkapelle stand, wieder belebt. Mehr erfahren Sie von Martina Schneibergova und Gerald Schubert im folgenden "Reiseland Tschechien".

Fundamente der HauswaldkapelleFundamente der Hauswaldkapelle Der Ort ist von vielen Legenden umwoben. Eine von ihnen beschreibt folgendes Ereignis: Zwei Bäuerinnen sind hierher gekommen, um Gras zu mähen. Auf einmal tauchte ein Bär vor den Frauen auf. Sie fingen an zur Jungfrau Maria um ihre Rettung zu beten. Der Bär ist angeblich plötzlich wie lahm geworden und kroch mit Geknurre in den Wald zurück. Die Bäuerinnen haben danach als Zeichen ihrer Dankbarkeit ein Marienbild gekauft und es an den Ort gehängt, an dem sie gerettet wurden.

Es ist belegt, dass zu der Heilquelle im Böhmerwald sogar Pilger aus Italien gekommen sind. Sie wollten die Kraft der Quelle ausprobieren. Besonders positiv wirkte sich die Quelle auf Augenerkrankungen aus, wie sich heute noch einige ältere Leute erinnern. Die nächstgelegene Gemeinde Srni / Rehberg ließ bei der Wunderquelle 1820 eine Kapelle erbauten, in der Wallfahrtsgottesdienste gefeiert wurden. Später wurde hier ein größeres Gotteshaus errichtet, das 1902 umgebaut wurde. Von einer dritten Kapelle sind noch ein paar Fotos erhalten.

Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde in der Grenzregion ein breites Militärsperrgebiet eingerichtet, in dem bis auf einige Ausnahmen sämtliche Bauten dem Erdboden gleich gemacht wurden. Hier, wie auch in an deren Teilen der Region sind ganze Dörfer von der Landkarte verschwunden. Das Wasser fließt durch handgemachte HolzrinnenDas Wasser fließt durch handgemachte Holzrinnen Die Hauswaldkapelle befand sich innerhalb des Militärsperrgebietes. 1957 wurde sie von der tschechoslowakischen Armee in die Luft gesprengt. Die vertriebenen Bewohner hinterließen damals in ihrer Kapelle alles, was wertvoll war und was sie nicht mitnehmen durften. Mehrere Kruzifixe, Heiligenstatuen sowie Glasmalereien wurden zurück gelassen und mit dem Gebäude zerstört. Eine Marienstatue überstand jedoch die starke Explosion. Sie wird bis heute in der Kirche in Srni aufbewahrt.

Im verhältnismäßig dichten Wald über dem Schwemmkanal erinnerte nur noch ein Haufen von Steinen daran, dass dort einst ein Gebäude gestanden hat. Der Bürgerverein, der den Namen des tschechischen Böhmerwald-Dichters Karel Klostermann trägt, entschied sich vor einem Jahr, den einst international berühmten Wallfahrtsort zu beleben. In seinem Bemühen wurde der Verein von der Verwaltung des Nationalparks Böhmerwald unterstützt. Der Vorsitzende des Klostermann-Vereins, Vaclav Sklenar, beschreibt das Vorhaben:

"Auf die Idee kamen wir dank Karel Klostermann. Denn er schrieb in seinem Roman ´Das rote Herz´ darüber, wie er von der alten Kapelle aus die neue beobachtete, die er sehr gern hatte. Ich lebe in Srni und kenne die Geschichte dieses Ortes, der nach unserer Meinung für die Öffentlichkeit wichtig ist. Aus dem Grund beschlossen wir, etwas damit zu machen."

Vaclav Sklenar, Willi Steger u. Alois Pavlicko (ganz rechts)Vaclav Sklenar, Willi Steger u. Alois Pavlicko (ganz rechts) Vaclav Sklenar kennt Deutsche, die aus dieser Region stammen und die vertrieben wurden und sich an das wundertätige Wasser erinnerten. Es war von Anfang an klar, dass hier keine neue Kapelle erbaut wird. Die Künstler sollten eine neue Lösung finden, um den spirituellen Charakter des Ortes hervorzuheben. Wie sah es hier noch vor einem Jahr aus? Vaclav Sklenar dazu:

"Ich kann mich noch daran erinnern, dass die Kapellenteile verschüttet waren. Es wuchsen Bäume darauf. Wer nicht gewusst hat, dass hier früher etwas stand, konnte es nicht erkennen oder wiederfinden."

Bildhauer Vaclav Fiala ließ sich bei der Gestaltung der Quelle von einem Rosenkranz inspirieren. Das Wasser fließt durch handgemachte Holzrinnen. Es stelle symbolisch, so der Künstler, einen in den Wald gelegten Rosenkranz dar, an dem anstatt der Perlen runde Steine aus den Flüssen des Böhmerwaldes, und anstelle der Schnur das fließende Wasser seien. Die Quelle wurde zu den Umrissen der ursprünglichen Sakralbauten hingeführt. An der Verwirklichung des Vorhabens beteiligte sich auch die Verwaltung des Nationalparks Böhmerwald. Sein Leiter Alois Pavlicko bezeichnete es als sein persönliches Ziel, den Böhmerwald auch geistig zu erneuern.

Vaclav Sklenar begrüßt die GästeVaclav Sklenar begrüßt die Gäste "Es gibt hier mehrere Quellen. Die Hauptquelle wurde eben hierher zur Kapelle geführt. Es handelt sich um Quellen, die Energie enthalten. Wir sagen, dass es Heilquellen sind. Wenn ein Mensch in der Lage ist, diese Energie zu empfangen, dann kann das Wunder der Stärkung oder Genesung des Organismus geschehen. Aber das soll jeder selbst ausprobieren."

An der Wiedereinweihung der Heilquelle nahmen auch Vertreter des deutschen Klostermann-Vereins teil. Der Leiter der Bürgerinitiative Willi Steger beschrieb ihre Entstehung:

"Ich war vor acht Jahren mit meiner Frau im Hotel `Srni´ bei Herrn Sklenar. Ich kenne ihn seit fünfzehn Jahren. Er hatte da die Klostermann-Büste aufgestellt. Ich fragte ihn: ´Was willst du mit der Büste ´ ´Ich sammle heute Geld und möchte ein Denkmal für Klostermann aufstellen. Da habe ich gesagt: ´Da müssen wir einen Verein gründen und die Klostermann-Werke übersetzen.´ So ist unsere Freundschaft entstanden. Wir haben einen Klostermann-Verein gegründet - eine bayerische und eine tschechische Sektion. Wir arbeiten jetzt zusammen. Wir sind eine rein private Gesellschaft und versuchen eine gute Partnerschaft zwischen den tschechischen und den bayerischen Freunden zu pflegen."

Wie oft treffen Sie zusammen?

"Wir treffen zweimal jährlich im großen Rahmen zusammen, aber auch oft einzeln. Wir haben acht Klostermann-Bücher ins Deutsche übersetzt. Dieses Jahr wird wieder ein Buch herausgegeben. Wir bereiten gemeinsame Veranstaltungen vor."

In wie weit ist Karel Klostermann heute noch in Bayern bekannt?

"In Bayern wohnen viele Ururenkel von Klostermann und viele seine Verwandte. Deshalb ist Klostermann bekannt. Aber man kannte seine Werke nicht. Erst mit unseren Übersetzungen ist Klostermann bei uns wieder bekannt geworden und damit auch der Böhmerwald. Denn Karel Klostermann ist der Dichter des Böhmerwaldes. Es gibt keinen Dichter, der den zentralen Böhmerwald so gut beschrieben hat wie Klostermann."

Kann man in seinen Werken auch ein wenig Lehre für die heutige Zeit finden?

"Unbedingt! Karel Klostermann hat immer Freundschaft gepredigt - Freundschaft zwischen beiden Völkern. Er hat jeden Hass von den Deutschen sowie von den Tschechen verurteilt. Er hat immer gesagt: ´Wir leben so lange in diesem schönen Wald und wir müssen den Wald, die Freundschaft und die Menschen hier erhalten.´"

Hier stand eine der Kapellen Hier stand eine der Kapellen Sie nehmen jetzt en der Wiedereinweihung der Fundamente der Hauswaldkapelle teil. Sie haben aus Bayern ein Geschenk mitgebracht, das einen besonderen Wert hat. Können Sie es näher beschreiben?

"Ich habe einen Rosenkranz mit böhmischen Rubinperlen mitgebracht. Diesen Rosenkranz hat eine Frau vor sechzig Jahren, als sie den Böhmerwald verlassen mussten, nach Bayern mitgebracht. Sie hat den Rosenkranz immer wieder gebetet und dafür gebetet, dass sie in ihre Heimat zurückkehren kann. Aber sie ist leider vor zwanzig Jahren gestorben und konnte nicht mehr nach Rehberg, in die Hauswaldkapelle zurückkehren. Sie hat uns diesen Rosenkranz gegeben und gesagt, dass wir diesen Rosenkranz bei einer Gelegenheit einem Menschen schenken sollen, der die Heimat - den Böhmerwald genauso liebt wie sie ihn geliebt hatte. Nach unserer Meinung musste das heute geschehen, und zwar an den Vorsitzenden des Klostermann-Vereins in Rehberg, an Vaclav Sklenar. Denn er ist in den Böhmerwald verliebt und er hat auch die gesamte Quellenfassung und Wiederbelebung der Hauswaldkapelle organisiert. Er ist der Initiator."

Mit dem Lied "Sumavo, Sumavo" zu deutsch "Tief drin im Böhmerwald" haben sich die Teilnehmer des kleinen Festes verabschiedet, das anlässlich der Wiederbelebung des Wallfahrtsortes veranstaltet wurde.

Foto: Autorin