Tagesecho Zeman: Sozialdemokraten erleben Existenzkrise
Die Einberufung eines Sonderparteitages, der Wechsel an der Parteispitze sowie die Kündigung des Koalitionsvertrags und die Bildung einer Minderheitsregierung: All das fordert der ehemalige Premier und Parteichef der Sozialdemokraten Milos Zeman.
Milos Zeman im nordböhmischen Most/Brüx (Foto: CTK)
Nach langen Monaten, in denen er seine politischen Mahnungen von seinem
Landhaus aus an die Prager Politik richtete, ist er am vergangenen
Wochenende wieder öffentlich aufgetreten. Anlass dazu gab ihm ein
Wählertreffen mit Bürgern im nordböhmischen Most/Brüx. Zeman erhielt somit
die Möglichkeit, öffentlich Kritik an der heutigen Parteiführung zu üben.
Die Existenz der sozialdemokratischen Partei Tschechiens sei durch einen
Verrat am Wahlprogramm bedroht, sagte er. Die Abkehr vom Wahlprogramm sei,
so der Ex-Politiker, durch die Unfähigkeit einiger Spitzenrepräsentanten
der Partei bzw. durch das Weichen vor dem Druck der Koalitionspartner
verursacht worden. Er kritisierte offen seinen Nachfolger Vladimir Spidla
und bezeichnete dessen Wahl zum Parteivorsitzenden als einen Fehler.
Applaus für Milos Zeman (Foto: CTK)
Milos Zeman stellte seine Rückkehr in die Politik in Aussicht. Dies jedoch
nur zu seinen Bedingungen, zu denen u. a. die Einberufung eines
Sonderparteitages gehört: "Ein ordentlicher Parteitag soll im Jahre
2005, d.h. ein Jahr vor den Parlamentswahlen stattfinden. Dies ist für
Änderungen und für eine Besserung zu spät", erklärte Zeman. Der von
Zeman geforderte Sonderparteitag in den nächsten Monaten gilt jedoch nicht
als wahrscheinlich, räumen selbst Zemans Anhänger ein. Sein Einfluss in
der Partei scheint eher abzunehmen, in Most trafen sich allerdings seine
Getreuen. Nach den Schlussworten seiner Rede - in jeder Partei sei ab und
zu eine "Entwesung" erforderlich - erntete er Applaus.







