Tagesecho Zeichnungen von Pavel Schmidt - der Kafka-Zyklus in Prag
Das Goethe-Institut und die Franz-Kafka-Gesellschaft zeigen bis zum 15. Juli Zeichnungen von Pavel Schmidt. In der Ausstellung „Franz Kafka – Verschrieben und Verzeichnet“ steht, wie der Name schon sagt, Franz Kafka im Mittelpunkt. Die Serie über den berühmten Prager Schriftsteller ist eine Komposition aus Bild und Text. Pavel Schmidt thematisiert hier die verworrene Welt des Autors und zeigt so neue Aspekte.
Kafka-Zyklus von Pavel Schmidt
Seltsame Formen, geschnörkelte Linien, dazwischen menschliche Silhouetten
oder Geschlechtsteile – Pavel Schmidts Zeichnungen lassen sich auf den
ersten Blick nicht zuordnen. Innerhalb von vier Jahren fertigte der
Künstler die Zeichnungen an, die er als Kafka-Zyklus bezeichnet. Schmidt
erstellte seine Zeichnungen ohne ein konkretes Thema. Die Idee der
Kafka-Serie entstand erst später, in Zusammenarbeit mit dem
Stroemfeld-Verlag. Die Bilder existierten und Schmidt ordnete ihnen
nachträglich bestimmte Charaktere aus Kafkas Texten und seinem Leben zu.
„Ich habe einerseits die wichtigsten Figuren aus Kafkas Schriften und andererseits die wichtigsten Personen aus seiner realen Umgebung gewählt. Insgesamt komme ich dann ungefähr auf 49. Die Serie besteht aus 49 Bildern, die diesem Kanon folgen: Titel, Bild und anschließender Text.“
Pavel Schmidt (Foto: Petr Vorel, www.franzkafka-soc.cz)
Neben den Titeln wies er jedem Bild ein bisher unveröffentlichtes
Textfragment zu. Der Künstler sagt selbst, er sei seit seiner Jugend von
Kafka und dessen Texten infiziert. Pavel Schmidt las zum ersten Mal die
Romane und Erzählungen, als er 16 war und schwänzte dafür eine Woche
lang die Schule. Damals lebte er schon in der Schweiz. Schmidt wurde 1956
in Bratislava geboren. Zehn Jahre später emigrierten seine Eltern mit ihm
aus der damaligen Tschechoslowakischen Republik. Heute wohnt er im
Schweizer Kanton Bern und widmet sich weiterhin der Kunst. 2006 beendete er
seine Arbeit an der Kafka-Serie. Seine Zeichnungen wurden ausgestellt und
in dem Buch „f.k.“ veröffentlicht. Erst jetzt, vier Jahre später,
werden sie auch in Prag gezeigt.
„Es ist für mich eine besondere Situation. Ganz sicher gehört diese Arbeit auch nach Prag, um hier gesehen zu werden - in der Stadt, die Kafkas Leben ausmachte.“
Ausstellungsplakat
Pavel Schmidt hat seine Bilder mit Bleistift, Ölfarbe und Tusche
gezeichnet. Die abstrakten Formen und skizzenhaften Silhouetten lassen viel
Raum für Interpretationen. Der Künstler verbildlicht die Verworrenheit
und die Zweideutigkeit von Kafkas Werken. Seine Zeichnungen eröffnen neue
Perspektiven. Sie sind genauso komplex und vieldeutig wie Kafkas Werke
selbst. Schmidt erklärt, welchen Zweck der Kafka-Zyklus verfolgt:
„Es ist eine Ergänzung. Für einen Laien oder für jemanden, der Kafka nicht kennt, ist es eine Art Schuhlöffel. Vielleicht bekommt er Lust Kafka zu lesen. Ein Fachmann kann hier natürlich noch Hinweise und Ergänzungen finden. Die Ausstellung soll ein ganz breites Publikum ansprechen. Wer die Bereitschaft hat, sich darauf einzulassen, kann etwas davon mitnehmen.“








