Wir sind alle Menschen: In Prag wird gegen Antisemitismus demonstriert

Der Yom ha-Shoah – der jüdische Tag der Shoah und des Heldentums – fällt in diesem Jahr auf den 21. April. Auf Initiative einiger christlicher Organisationen wird seit 2004 um diesen Gedenktag herum in Prag eine Versammlung gegen Rassismus und Antisemitismus organisiert. Unter dem Motto „Wir sind alle Menschen“ werden am kommenden Wochenende in Prag gleich einige Veranstaltungen stattfinden, die auf antijüdische Tendenzen in Europa hinweisen wollen. Martina Schneibergová sprach mit Mojmír Kallus, einem der Organisatoren der Veranstaltungsreihe. Kallus leitet die tschechische Zweigstelle der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem.

Mojmír Kallus (Foto: Autorin)Mojmír Kallus (Foto: Autorin) Herr Kallus, die Versammlung gegen Antisemitismus findet im Waldsteingarten bereits zum 6. Mal statt, dieses Jahr wird jedoch noch eine internationale Konferenz zu diesem Thema veranstaltet. Worauf wird sie sich konzentrieren?

„Die Konferenz, die am Freitag im Gebäude des Prager Magistrats veranstaltet wird, wird sich mit dem Antisemitismus von heute befassen. Zu Wort kommen Experten aus Tschechien sowie aus dem Ausland. Unter den Rednern sind der israelische Botschafter in Tschechien Jakov Levy, die Leiterin der christlichen Abteilung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Susanna Kokkonen oder Manfred Gerstenfeld aus Jerusalem. Sie werden alle über die neuen Formen des Antisemitismus sprechen.“

Auf der Einladung zur Konferenz findet man ein Foto von der Synagoge im mährischen Třebíč. An der Wand dieses Unesco-Baudenkmals ist ein antijüdischer Aufruf zu lesen, der höchstwahrscheinlich im Januar dieses Jahres entstanden ist. Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Foto für die Einladung zu benutzen?

Foto: www.vsichnijsmelidi.czFoto: www.vsichnijsmelidi.cz „Dieses Bild illustriert meiner Meinung nach sehr gut die neuen Trends, über die wir berichten wollen, und zwar, dass die Ereignisse im Nahen Osten einen direkten Einfluss auf die antijüdischen Ausschreitungen und Krawallen in Europa haben. Denn was sonst hätten die Juden aus Třebíč mit dem Gaza-Streifen gemeinsam, auf den in der antijüdischen Überschrift aufmerksam gemacht wird.“

Es wird erwartet, dass dann auf der Versammlung am Sonntag ein Aufruf gegen Antisemitismus vorgestellt wird und zudem eine Petition unter der tschechischen Öffentlichkeit verbreitet wird. Im Voraus soll man den Inhalt nicht verraten, aber könnten Sie trotzdem andeuten, worum es gehen wird?

„Der Prager Aufruf wird jetzt während des tschechischen EU-Vorsitzes von der tschechischen Hauptstadt ausgehen und soll an die Uno, an die Regierungen sowie die Parlamente der europäischen Länder gerichtet werden. Er wird auf die wichtigsten Punkte reagieren, über die wir auf der Konferenz sprechen werden. Wir werden die Gefahr erwähnen, die aus dem Iran kommt. Wir werden auf die Bedingungen hinweisen, die die internationale Gemeinschaft für die Voraussetzungen für den Friedensprozess im Nahen Ost hält. Und nicht zuletzt wollen wir die Antirassismuskonferenz, die in Genf stattfinden wird, erwähnen.“