Wiedergeburt eines versunkenen Ortes

In der Böhmerwaldgemeinde Vatětice wurde eine neu erbaute Kapelle geweiht.

Kapelle in Vatětice (Foto: Martina Schneibergová)Kapelle in Vatětice (Foto: Martina Schneibergová) Wie Phönix aus der Asche sind in den letzten Jahren im Böhmerwald einige halb zerstörte Kirchen und Kapellen aufgestiegen. Dank Freiwilligen werden historische Sakralbauten allmählich in Stand gesetzt, aber nicht nur das. Eine neue Kapelle wurde neulich in der Gemeinde Vatětice / Watetitz erbaut – am Ort, wo früher eine Marienkapelle stand. Am vergangenen Sonntag wurde der Sakralbau feierlich geweiht.

Der vergangene Sonntag war ein besonders festlicher Tag für Vatětice. Auf der Wiese um die neue Marienkapelle wimmelte es von Menschen. Der Weihbischof von Budweis, Pavel Posád, sprach die versammelten Pilger an:

„Ich bin mit großer Freude gekommen, um diesen Bau zu segnen. Wir sprechen von einer Kapelle, aber es ist eher eine kleine Kirche. Ich wünsche euch allen, dass ihr diesen Ort gern besucht, um hier dem Gott zu begegnen.“

Pavel Valdman (links). Foto: Martina SchneibergováPavel Valdman (links). Foto: Martina Schneibergová Die Kapelle wurde der Schmerzensreichen Jungfrau Maria geweiht. Pavel Valdman ist Bürgermeister des Städtchens Hartmanice / Hartmanitz, zu dem Vatětice gehört.

„Ich freue mich sehr darüber, dass es Familie Vinčálek gelungen ist, die Kapelle zu erbauen. Vielleicht wird irgendjemand einmal die Frage stellen, warum sie hier nicht für sich ein schönes Haus mit einem Schwimmbecken und einem zwei Meter hohen Zaun errichtet hat. Ich bin davon überzeugt, dass ihre Entscheidung für die Gemeinde richtig war. Ich wäre froh, wenn wir an diesem Ort künftig zusammentreffen und dass die Kapelle eine Dominante in dieser Landschaft bleibt.“

Dort, wo nun der neue Sakralbau steht, befand sich ursprünglich eine Kapelle aus dem frühen 18. Jahrhundert. Diese wurde aber in den 1970er Jahren abgerissen. Es sei ein Fachwerkbau gewesen, sagte Jakub Vinčálek:

Jakub Vinčálek (Foto: Martina Schneibergová)Jakub Vinčálek (Foto: Martina Schneibergová) „Anhand historischer Fotos hat Martin Volejník, der sich mit Sakralarchitektur beschäftigt, den Bau entworfen. In alten Landkarten haben wir gefunden, dass hier eine kleine Kapelle stand. Die Idee war, das wieder aufzubauen, was in diese Landschaft gehört und was die Menschen brauchen.“

Jakub Vinčálek besuchte seinen Worten zufolge den Böhmerwald oft schon als kleiner Junge.

„Aber konkret zu dieser Gemeinde hatte ich früher keine Beziehung, ich habe auch keine Verwandtschaft hier. Dieser herrliche Ort fesselt jedoch jeden. Als ich 2011 mit der Idee der Kapelle kam, haben mich viele für verrückt gehalten. Es brauchte viel Geduld, es waren fünf Jahre Arbeit. Ein Teil der Steine, aus denen die Kapelle erbaut wurde, stammt von der ursprünglichen Kapelle. Diese war von den Kommunisten abgerissen worden. Die Steine befanden sich im hiesigen Teich. Ein anderer Teil der Steine stammt von dem Bauernhof, der hier früher stand. Dank des historischen Baumaterials handelt es sich eigentlich um die Wiedergeburt eines versunkenen Ortes, also eine Art Auferstehung.“

Renate Roither (Foto: Martina Schneibergová)Renate Roither (Foto: Martina Schneibergová) Jakub Vinčálek hat vor, nächstes Jahr eine Glocke in den Turm der Kapelle zu hängen. An der feierlichen Weihe der Kapelle nahm auch Renate Roither teil. Sie ist die Tochter des letzten Gutsbesitzers von Vatětice. Heute lebt sie in Österreich, kommt aber immer wieder in den Böhmerwald zu Besuch.

„Ich war ein Jahr alt, als wir vertrieben worden sind. Ich kann mich natürlich nicht daran erinnern, aber aus den Erzählungen meiner Eltern habe ich hier fast jeden Stein kennengelernt. Wir sind 1990 zum ersten Mal wieder hergekommen. Da hat mir mein Vater unsere Güter gezeigt: Palvínov, Vatětice und Štěpanice. Seit dieser Zeit bin ich immer wieder gekommen. Ich freue mich wirklich darüber, dass hier eine neue wunderschöne Kapelle erbaut wurde. Sie ist mit sehr viel Liebe gestaltet. Ich freue mich, dass Gott wieder zurückgekehrt ist. Auch wenn ich in Österreich wohne, habe ich meine Wurzeln hier.“