Tagesecho Wie süß schmeckt Europa?

27-06-2006 16:26 | Gerald Schubert, Filip Cerny

Eine Konditorei im niederösterreichischen Waidhofen an der Ybbs wurde vergangenen Freitag zur nachbarschaftlichen Begegnungsstätte: Schüler - einige von ihnen waren extra aus Südböhmen angereist - diskutierten mit dem österreichischen Europastaatssekretär Hans Winkler über die Zukunft der Europäischen Union. Unser Mitarbeiter Filip Cerny hat vor Ort Stimmen eingefangen, Gerald Schubert hat den folgenden Beitrag gestaltet.

Anhören RealAudio: 16kbps 32kbps
Download: MP3

Konditor Karl PiatyKonditor Karl Piaty Karl Piaty aus Waidhofen an der Ybbs ist Konditor von Beruf. Teile seiner Internetseite sehen aber eher aus wie eine europapolitische Diskussionsplattform. EU-Politik und grenzüberschreitende Zusammenarbeit liegen Herrn Piaty am Herzen, und so organisiert er manchmal nachbarschaftliche Treffen - zum Kennlernen und zum Debattieren. Vor allem die jüngere Generation will er für die Idee Europas begeistern:

"Es ist heute ganz wichtig, etwas für die Jugend zu machen. Die Jugend muss wieder zusammenwachsen! Viele Probleme in der EU sind in erster Linie Probleme der älteren Generation, die viel Schweres erlebt und kein Vertrauen mehr hat. Wir müssen im Kleinen versuchen, dieses Vertrauen neu herzustellen. Das geht nur mit der Jugend und mit wirklich menschlichen Veranstaltungen. Nur so können wir in Europa etwas weiterbringen."

Vergangenen Freitag lud Piaty mehrere Schülergruppen zu einer Diskussion mit Staatssekretär Hans Winkler nach Waidhofen an der Ybbs. Was erwarten die Jugendlichen sich von der EU?

"Ich rechne vor allem mit Vorteilen fürs künftige Studium und möchte gerne einmal eine Universität im Ausland besuchen", sagt eine Schülerin aus dem südböhmischen Ceske Budejovice / Budweis.

Europastaatssekretär Hans Winkler (Foto: www.eu2006.at)Europastaatssekretär Hans Winkler (Foto: www.eu2006.at) "Insbesondere ökonomische Vorteile bringt die EU", meint ihr Kollege. "Die EU hilft dabei, die Lücke zwischen Tschechien und seinen westlichen Nachbarländern zu schließen, die in der kommunistischen Zeit entstanden ist."

"Ich finde es gut, dass ich später einmal ohne Probleme im europäischen Ausland arbeiten kann. Aber zu viele Normen werden in Brüssel aufgestellt", sagt ein anderer Schüler aus Budweis. Und eine vierte Kollegin betrachtet die Sache eher außenpolitisch: Die Kommunikation zwischen den Ländern habe sich verbessert, glaubt sie.

Überwiegend Aufgeschlossenheit und Neugierde also vonseiten der tschechischen Schülerinnen und Schüler. Hans Winkler, Staatssekretär im österreichischen Außenministerium, meint trotzdem, dass es zwischen der Bevölkerung und den Institutionen der EU noch beträchtliche Kommunikationsdefizite gibt:

"Ich unterhalte mich oft mit Leuten, die die Europäische Union für alles verantwortlich machen - auch für Dinge, die mit der Europäischen Union gar nichts zu tun haben. Nach dem Motto: Alles Schlechte kommt aus Brüssel, alles Gute wird zu Hause gemacht. Hier müssen auch wir Politiker mit den Bürgern besser kommunizieren. Die Europäische Union bringt den Bürgerinnen und Bürgern sehr viel. Sie wissen es oft nur nicht - und auch nicht, worin der Mehrwert dieses Europas besteht. Hier besser zu kommunizieren, das müssen wir alle lernen!"

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Koalition ohne Regierungsmehrheit

Silja Schultheis

Eine Koalition ohne Regierungsmehrheit - so lässt sich drei Wochen nach den Parlamentswahlen der politische Status quo in Tschechien...mehr...

27. Juni - Gedenktag der Opfer des kommunistischen Regimes

Jitka Mládková

Milada Horakova Als eines der bekanntesten Opfer des kommunistischen Regimes hierzulande gilt die engagierte tschechische Politikerin der nationalsozialen...mehr...

Erhebung: In Bratislava ist das Leben gegenwärtig teurer als in Prag

Lothar Martin

Das Leben wird immer teurer. Vor allem in den von Business, Verkehr, Kultur und Sport geprägten Großstädten ist das normal. Doch alles...mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Themenarchiv: Europäische Union

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch

Mehr von Radio Prag