Wie alles begann – der Rundfunk wird 95

Viel Improvisation steckte dahinter, als der Tschechoslowakische Rundfunk am 18. Mai 1923 den Betrieb aufnahm. Wie sah damals die Radiotechnik aus? Und wie feiert der heutige Tschechische Rundfunk seinen 95. Geburtstag?

Foto: Zdeňka KuchyňováFoto: Zdeňka Kuchyňová Vom Sendebeginn des Tschechoslowakischen Rundfunks vor 95 Jahren ist nichts erhalten. Kein Wunder, denn damals wurde zwar live übertragen, aber noch nicht aufgezeichnet. In der ersten Zeit produzierte man jeweils ein einstündiges Programm in einem Zelt am Rande von Prag. Zuzana Foglarová aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Tschechischen Rundfunks:

„Das Zelt hatte man sogar geliehen, und zwar von den Pfadfindern. Es stand vor der Sendestation. Im Zelt lag eine Bodenmatte, auf der ein Piano und ein Stuhl standen. Zudem war ein Tisch für die Techniker aufgestellt, die übrigens zugleich Moderatoren waren. Es gab allerdings nur ein Mikrophon. Das hatte man aus einem Telefonhörer herausgeschraubt, deshalb war es ziemlich schwach. Dazu haben sich lustige Geschichten erhalten. So musste der Sänger unter dem Flügel sitzen, damit das Mikrophon sowohl Gesang als auch die Begleitmusik einfangen konnte.“

Foto: Zdeňka KuchyňováFoto: Zdeňka Kuchyňová Viele Menschen ließen sich damals per Radiosendungen noch nicht erreichen. Am Anfang glaubten längst nicht alle, dass eine drahtlose Übertragung überhaupt möglich sei. Aber vor allem waren die Radioempfänger relativ teuer, und man brauchte für sie eine Konzession.

„Dafür musste man eine Bestätigung über seinen Wohnsitz und seine Unbescholtenheit vorlegen. Auf die Konzession musste man dann lange warten. Und am Anfang war in der Konzession auch genau beschrieben, welchen Empfängertyp man verwenden durfte“, so Foglarová.

Das war entweder ein sogenanntes Detektorradio, mit dem nur der stärkste Sender empfangen werden konnte, oder ein Röhrenempfänger. Der Vertrieb der Geräte und die Wartung übernahm die Firma „Radiojournal“, das waren die Rundfunkbetreiber selbst. Dahinter verbarg sich eine Gruppe von Radio-Begeisterten. Dank ihrer gehöre der Tschechische Rundfunk (früher: Tschechoslowakischer Rundfunk) zu den ältesten Stationen in Europa, sagt Zuzana Foglerová:

Ausstellung im Tschechischen Rundfunk (Foto: Zdeňka Kuchyňová)Ausstellung im Tschechischen Rundfunk (Foto: Zdeňka Kuchyňová) „Ohne Zweifel hat die BBC im Oktober 1922 als erster Sender den Betrieb aufgenommen. Einige nordeuropäische Staaten behaupten, die Zweiten gewesen zu sein, aber das ist nicht geklärt. Wir waren also mindestens Dritte, die mit regelmäßigen Radiosendungen begonnen haben.“

All das lässt sich auch in einer Ausstellung erfahren, die am Donnerstag im Hauptgebäude des Rundfunks in Prag eröffnet wurde. Leider sind die Texte dort nur Tschechisch. Traditionell aber gibt es zum Geburtstag einen Tag der offenen Tür. An diesem Samstag lassen sich dabei Studios und Räume besichtigen, das Programm ist bunt und bietet unter anderem Einblicke in die Tätigkeit von Radiojournalisten. Auch Radio Prag präsentiert sich dabei. Chefredakteurin Klára Stejskalová:

„Radio Prag hat für die Besucher ein Ratespiel entworfen. Dabei geht es darum, bekannte und berühmte Persönlichkeiten an ihrer Stimme zu erkennen. Es sind alles Personen, die wir für unsere Sendungen interviewt haben. Außerdem gibt es an unserem Stand unsere beliebten QSL-Karten zum Anschauen und Mitnehmen.“

Park „Riegrovy sady“ (Foto: Ian Willoughby)Park „Riegrovy sady“ (Foto: Ian Willoughby) Der Stand von Radio Prag befindet sich am Tag der offenen Tür im ersten Stock des Hauptgebäudes an der Vinohradská-Straße. Dort können die Besucher selbstverständlich auch Mitarbeiter des Senders treffen.

Gefeiert wird am Samstag zudem im Park „Riegrovy sady“, nur wenige Minuten Fußmarsch vom Rundfunk entfernt. Und zwar mit einem Programm für Kinder, das um 11 Uhr startet, Auftritten beliebter tschechischer Bands und Künstler sowie gutem Essen und Trinken.