Weltall-Brocken in Tschechien: 23. Bolid mit bekannter Herkunft bestätigt

Einen besonders hellen Meteor, einen sogenannten Bolid, konnten die Menschen Anfang Dezember über der Tschechischen Republik beobachten. Er stürzte ab, und seitdem läuft die Suche nach seinen Überresten. In zwei Fällen war sie auch schon erfolgreich.

Bolid (Foto: Archiv des Astronomischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften)Bolid (Foto: Archiv des Astronomischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften) Am 9. Dezember um 17.16 Uhr Ortszeit bot sich zahlreichen Beobachtern im Osten Tschechiens ein ungewöhnliches Schauspiel: Ein Feuerball flog über den Himmel und tauchte die Landschaft für zehn Sekunden in helles Licht. Gleichzeitig war ein Knall zu hören.

Ursache für den Lärm war der Zerfall eines Meteoriten mit dem Gewicht von etwa 200 Kilogramm und einem Durchmesser von einem halben Meter. Der Bolid, wie die besonders hellen Meteore bezeichnet werden, war in die Atmosphäre eingedrungen. Mit einer Geschwindigkeit von 22 Kilometern pro Sekunde flog der Himmelskörper Richtung Südwesten. Die Atmosphäre bremste ihn allmählich, bis er schließlich zerfiel. In neun Sekunden legte er eine Lichtbahn von 170 Kilometern zurück. Er wurde auch von Experten wahrgenommen, fotografiert und mit Kameras erfasst. Anhand der Aufnahmen konnten Astronomen das vermutliche Einschlaggebiet errechnen und mit der Suche nach den Fragmenten beginnen. Kurz vor Weihnachten gab es einen ersten Erfolg. Der aufgespürte Brocken wog sechs Gramm und lag auf einem Feld bei Nové Město na Moravě. Ein zweites Bruchstück wurde an diesem Dienstag auf einem Feld bei Vatín, etwa zehn Meter von dem errechneten Einschlagort, vom Astronomen Tomáš Henych gefunden. Der Stein wiegt 41 Gramm und seine Größe entspricht einer Walnuss:

Meteorit von Vatín (Foto: ČT24)Meteorit von Vatín (Foto: ČT24) „Er hat eine aerodynamische Form und ist von der Luft, durch die er flog, abgeschliffen. Er hat eine schwarze Schale, die entstanden ist, weil er sich beim Flug durch die Atmosphäre auf sehr hohe Temperaturen aufgeheizt hat.“

Gleich nach dem ersten Fund begann ein Team vom Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Ondřejov mit der genauen Untersuchung. Leiter des Forscherteams ist Pavel Spurný:

Pavel Spurný (Foto: Packa, Wikimedia CC BY-SA 2.5)Pavel Spurný (Foto: Packa, Wikimedia CC BY-SA 2.5) „Eine der Hauptaufgaben der Astronomen ist es, die Flugbahn des Himmelskörpers zu bestimmen, vor dem Moment, ind dem er mit der Erde zusammengestoßen ist. In diesem Fall ist uns das ziemlich genau gelungen.“

Vor anderthalb Jahren war der Meteorid noch 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Die Forscher konnten mit Hilfe der aufgenommenen Daten herleiten, welche Flugbahn der Himmelskörper vor Millionen von Jahren genommen hat. Pavel Spurný:

„Eigentlich berührt er die Unendlichkeit, sowohl hinsichtlich der Entfernung als auch der Zeit. In diesem Fall handelt es sich um einen Meteoriten, den man als Chondrit bezeichnet. Er ist so alt wie unser Sonnensystem. Das Material hat sich nicht verwandelt. Es ist 4,56 Milliarden Jahre alt.“

Meteorit (Foto: ČT24)Meteorit (Foto: ČT24) Am Ende konnten Spurný und sein Team den weltweit 23. Boliden mit einer bekannten Herkunft bestätigen. Von diesen Meteoriten wurden vier in Tschechien gefunden, der erste 1959 bei Příbram in Mittelböhmen. Im aktuellen Fall vermuten Experten, dass noch mehrere Tausend Stücke des Meteorits in dem Gebiet im Kreis Vysočina verstreut liegen. Weil die Fläche 30 Kilometer lang und vier Kilometer breit ist, könnte sich die Suche aber noch in die Länge ziehen. Das größte Stück soll einen Durchmesser von etwa zehn Zentimetern haben.