WANDERSERIE: Spaziergang durch pittoreskes Stadtviertel Střešovice

Wie gut kennen Sie die Tschechische Republik? Die Dauertouristen unter Ihnen, die sich für Land und Leute interessieren standen mit Sicherheit bereits vor einem Großteil der Sehenswürdigkeiten hierzulande. Doch Tschechien hat noch viele andere und weniger bekannte Kleinode zu bieten. Auf speziellen Wandertouren oder Spaziergängen wollen wir Ihnen einige davon in loser Folge näherbringen. Den Anfang der Serie macht ein Spaziergang durch das Prager Stadtviertel Střešovice.

Restaurant und Hotel Hormeda (Foto: Dana Martinová)Restaurant und Hotel Hormeda (Foto: Dana Martinová) „Der altehrwürdige Stadtteil Střešovice hat noch viele pittoreske Züge, weil er kaum mit Neubauten durchzogen ist. Er ist unweit des Stadtzentrums auf einem Hügel entstanden, mit kleinen, schönen Häusern, die an das goldene Gässchen auf der Prager Burg erinnern. Střešovice war früher eine Arbeiterkolonie, die im 19. Jahrhundert entstanden ist. Unseren Spaziergang durch das Stadtviertel beginnen wir an der Bushaltestelle Kajetánka, die wir mit der Linie 180 erreichen.“

Wenn Sie von der Innenstadt aus zur Haltestelle Kajetánka gelangen, bleiben Sie auf dieser Seite der Hauptstraße und gehen in Richtung der Häuser, die sich vom Tal an vor ihnen auftürmen. Nach kurzer Strecke biegen Sie in die Straße Na Zástřelu ein.

„Nach 70 bis 80 Meter Aufstieg in dieser Straße sehen wir bereits das erste wunderschöne Mietshaus im Jugendstil. Es ist das Haus Nummer 422/15, in dem sich heute das Restaurant und Hotel Hormeda befindet. Optisch ist es wirklich eine Augenweide.“

Wenige Meter weiter kreuzen wir die Straße Na Pětynce. Von hier aus kann man linkerhand einen Abstecher bis zur Straße Radimova machen. Dort öffnet sich ein Platz mit einem grünen Eckhaus. In diesem Haus wurde einst eine Folge der beliebten Krimiserie „Hříšní lidé města pražského“ (deutsche Fassung: Alte Kriminalfälle) aus dem Altprager Milieu gedreht. An einer Ecke des Hauses ist auch noch die Halterung für eine Straßenlaterne zu erkennen. Zurück an der Kreuzung Na Zástřelu / Na Pětynce steigen wir dann die dortigen Treppen hinauf.

Gässchen im Stadtviertel Střešovice (Foto: Dana Martinová)Gässchen im Stadtviertel Střešovice (Foto: Dana Martinová) „Nach dem Aufstieg befinden wir uns in der Straße Ve Střešovičkách. Hier haben wir einen wunderschönen Ausblick auf weitere Stadtteile von Prag: auf den Laurenziberg (tschechisch: Hügel Petřín) mit seinem charakteristischen Aussichtsturm, und auf den Strahov-Berg, wo der tschechische Fußballverband seinen Sitz hat. Der Aussichtsturm ist eine kleine Kopie des Pariser Eiffelturms, erbaut zur Prager Jubiläumsausstellung 1891, und auf dem Strahov sind die Flutlichtmasten der Stadien zu sehen.“

Von hier aus können wir nun weiter über die Treppe oder parallel dazu durch die malerische Gasse K Bateriím noch ein Stückchen höher steigen. Oben auf dem Hügel sind wir nun im Herzen des Stadtviertels Střešovice, wo fast alle Straßen „U baterie“ heißen, dafür aber nummeriert sind. Der Grund dafür liegt in der Geschichte:

Foto: Dana MartinováFoto: Dana Martinová „Die Straßen mit dem militärischen Namen U baterie verweisen auf die Ereignisse des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1757, als von hier aus die Truppen der Preußischen Armee mit ihren Kanonen auf den Hradschin mit der Burg und auf den heutigen Stadtteil Strahov geschossen haben. Und zwar, weil sie gegen die Streitmacht von Maria Theresia kämpften.“

Wir steigen wieder hinab zur Straße Ve Střešovičkách und biegen links ein in den mit alten Pflastersteinen überzogenen Weg.

„Nachdem wir vielleicht 100 Meter leicht bergab gelaufen sind, verbreitert sich die Straße ein wenig, und an der Weggabelung zur Gasse Na Kocourkách steht das älteste Haus der gesamten Siedlung. Es trägt die Nummer 6/36 und ist ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert. Vordem waren hier Weinberge.“

Wir setzen unseren Weg nun über die Gasse Na Kocourkách fort.

„Nachdem wir in dieses malerische Gässchen eingetaucht sind, stoßen wir schon nach zehn Metern auf einen kleinen wunderschönen Platz mit pittoresken Häuschen, die ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammen. Hier offenbart sich ein Eindruck, wie die Menschen seinerzeit gelebt haben. Man könnte aber auch denken, man befindet sich in einer Kopie des Goldenen Gässchens auf der Prager Burg – mit dem Vorteil, dass man hier nichts bezahlen muss.“

Wenn wir das Gässchen passiert haben, gelangen wir rechterhand zurück auf die Straße Ve Střešovičkách, und von dort weiter bergab – vorbei an einem Glockentürmchen – bis auf die Straße Na Pětynce.

WANDERSERIE: Spaziergang durch Prag-Střešovice

Ausgangspunkt: Bushaltestelle Kajetánka (Linie 180, am besten ab Metrostation Dejvická, Linie A)
Zielort: Park Kajetánka (nahe der Bushaltestelle)
Dauer: zirka eine Stunde
Schwierigkeit: normal, beim Treppensteigen sind max. 100 Meter Höhenunterschied zu überwinden

„Wenn Sie in der Straße Na Pětynce nach links und rechts schauen, dann atmen sie Geschichte ein. Sie sehen über 100-jährige Häuser in dem für die damalige Zeit typischen Jugendstil, und zwar in seiner geometrischen Variante. Diese Häuserzeilen sind noch in ihrer Gänze erhalten und zum Teil auch sehr gut saniert.“

Wir verlassen nun den städtischen Teil des Viertels Střešovice und steigen die Treppen hinab zu einem Park.

„Rechterhand auf den Grünflächen sind einige Skulpturen aufgestellt worden, um dem Park ein wenig mehr Flair zu geben. Es ist ein wunderschöner Platz zum Verweilen. Und alle, die jetzt schon ein wenig hungrig oder durstig sind, treffen hier auch auf ein Gartenrestaurant mitten im Park, gleich neben einem Teich.“

Durch das dem Restaurant gegenüberliegende Tor gelangen wir wieder hinaus zur Hauptstraße, von der aus Sie erneut mit der Buslinie 180 den Heimweg antreten.