Wanderserie: Sendemast und heimliche Gottesdienste – Berg Javořice

Der Jaborschützberg / Javořice ist mit 837 Metern Meereshöhe der höchste Gipfel der Böhmisch-Mährischen Höhe. Von weiter Ferne sticht ein hoher Sendemast auf der rundlichen mit Nadelbäumen bewaldeten Erhöhung heraus. Folgen Sie uns nun bei der Gipfelbesteigung.

Dorf Světlá (Foto: Markéta Kachlíková)Dorf Světlá (Foto: Markéta Kachlíková) Die Wanderung startet in dem Dorf Světlá am Fuße des Jaborschützbergs, der im Tschechischen als Javořice bezeichnet wird. Das höchstgelegene Dorf unter dem Gipfel befindet sich in einer Höhe von etwa 700 Metern, der Höhenunterschied des Rundgangs ist also nicht sehr groß. Man folgt dem grünen Wegzeichen, von einer asphaltierten Straße biegt man zunächst auf eine Wiese ab und geht Richtung des Waldes, der den Berg bedeckt.

Wandert man etwa zwei Kilometer weit auf einem breiten Waldweg bergauf, kommt man zum „Gottesbrunnen“ (Studánka Páně). Es wird überliefert, dass sich an diesem Ort im 17. und 18. Jahrhundert heimlich Protestanten versammelt haben, die in den böhmischen Ländern in der Zeit der Gegenreformation verfolgt wurden. Einer Sage nach seien sie einmal bei ihrem heimlichen Gottesdienst von Soldaten überrascht worden. Der Geistliche soll den Abendmahlkelch ins Wasser geworfen haben, damit dieser den Verfolgern nicht in die Hände falle. Der Sage zufolge gab es in dieser Region viele heimliche Zentren der Protestanten. Dies galt bis 1781, als Kaiser Josef II. durch sein Toleranzpatent die Religionsausübung der protestantischen Kirchen wieder erlaubte. Den Waldbrunnen schützt heute ein kleines rundes Gebäude mit einem Holzdach, dessen Spitze eine eiserne Standarte mit der Abbildung des Kelchs schmückt.

Aussicht vom Javořice (Foto: Markéta Kachlíková)Aussicht vom Javořice (Foto: Markéta Kachlíková) Auf einer kleinen asphaltierten Straße erreicht man bald den höchsten Punkt der Wanderung. Es ist der Jaborschützberg, mit 837 Metern gleichzeitig der höchste Gipfel der Böhmisch-Mährischen Höhe. Dort steht eine 166 Meter hohe Sendeanlage für UKW-Rundfunk und digitales Fernsehen. Sie wurde 1989 erbaut, der erste Sendemast mit einer Höhe von 55 Metern ging aber bereits 1961 auf dem Javořice in Betrieb. Aufgrund der Grenznähe zu Niederösterreich sind die UKW-Programme des Senders auch in vielen Teilen des nördlichen Waldviertels in guter Qualität zu empfangen. Das Gebäude auf dem Gipfel hat leider keine Gastwirtschaft, sondern gehört dem Betreiber des Senders. Eine Raststätte fehlt also, aber zumindest einmal pro Jahr wird hier oben heißer Tee serviert. Am Silvestertag findet die traditionelle Javořice-Besteigung statt. Sie ist eine sehr populäre Veranstaltung, zu der sich viele Menschen versammeln.

WANDERSERIE: Aufstieg zum höchsten Gipfel der Böhmisch-Mährischen Höhe (Rundgang)
Ausgangspunkt: Gemeinde Světlá
Ziel: Gemeinde Světlá
Dauer: 1 Stunde und 30 Minuten
Schwierigkeit: mittelschwer, bergauf und bergab, meist auf breiten Wanderwegen

Beim Abstieg über den südlichen Berghang bietet sich mehrmals ein schöner Blick auf die umliegende Landschaft. Bei gutem Wetter sieht man sogar die Ausläufer der Alpen in Österreich. Auf einer Wiese zwischen Berggipfel und dem Dorf Světlá trifft man auf ein Denkmal, das 2013 errichtet wurde. Es erinnert an die Ankunft des heiligen Kyrill und des heiligen Method in Großmähren im Jahre 863. Die Säulen auf den beiden Seiten symbolisieren die beiden Brüder und Slawenapostel. Außerdem stehen Inschriften mit Zitaten aus der Bibel und weitere Symbole auf einer Granittafel, sie sind in altslawischer Kirchensprache, auf Griechisch und auf Tschechisch ausgeführt. Das Denkmal steht direkt an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren. Eine Sitzbank bietet die Möglichkeit, sich auszuruhen und die Aussicht auf die Umgebung zu genießen.

Das letzte Stück führt bergab über eine Weide wieder ins Dorf Světlá. Der gesamte Rundgang ist etwa fünf Kilometer lang.