Tagesecho Wahlkampf verschärft sich: Fausthieb gegen Sobotka, böse Rempler in Wort und Bild
In drei Wochen wird in Tschechien gewählt. Die heiße Phase des Wahlkampfs hat begonnen, die verbalen Attacken der politischen Akteure nehmen an Schärfe zu. Aber auch einige handgreifliche Ausfälle. Jüngstes Beispiel: Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Brno / Brünn schlägt ein Gast dem Vizechef der Sozialdemokraten, Bohuslav Sobotka, die Faust ins Gesicht. Droht der Wahlkampf jetzt zu verrohen?
Das Wichtigste vorweg: Bohuslav Sobotka wurde nach der Attacke mit starken Kopfschmerzen in ein Krankenhaus eingeliefert, ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Der Täter, ein 48-jähriger stark angetrunkener Mann, wurde gleich nach dem Fausthieb festgenommen. Er werde in einem Eilverfahren verurteilt, so Innenminister Martin Pecina.
Bohuslav Sobotka (Foto: www.bohuslavsobotka.cz)
Auf ihren Wahlkampfmeetings vor der letzten Europawahl wurden die
Sozialdemokraten immer wieder massiv mit Eiern beworfen. Im August 2009
haben vier junge Randalierer den damaligen Bürgerdemokratenchef Topolánek
mit Steinen beworfen. Und nun die Faustattacke gegen Sobotka. Ist das
Ausdruck einer zunehmenden Aggressivität gegen Politiker? Der Soziologe
Petr Soukup:
Jiří Paroubek (Foto: ČTK)
„Es handelt sich wirklich nur um einzelne, spontane Aktionen von Leuten,
die unzufrieden sind mit der politischen Situation im Land oder auch ganz
konkret mit einer politischen Partei.“
Am häufigsten wird die sozialdemokratische Partei (ČSSD) Opfer der Attacken von meist jungen Parteigegnern. Bei einer Wahlkampfveranstaltung am Dienstag im böhmischen Slaný wurde sogar ein an Parteichef Paroubek adressiertes Transparent gezeigt mit dem Schriftzug: „Ich heiße Paroubek und bin schon bald der erste tschechische Präsident, der erschossen wird“.
Petr Soukup (Foto: www.ct24.cz)
Die Sozialdemokraten stecken jedoch nicht nur ein, sondern teilen auch
kräftig aus. So ließen sie in einer Zeitungsbeilage die Parteichefs der
politischen Rechten in blutbeschmierten Schürzen und einer Axt in der Hand
abbilden. Darüber stand: „Die Schlächter des Gesundheitswesens“.
Soziologe Petr Soukup meint, einen Gutteil des aggressiven Wahlkampftons
hätten die Sozialdemokraten eingeführt:
Karel Schwarzenberg (Foto: Kristýna Maková)
„Eines dieser Phänomene sind seit langem die programmatischen Losungen
der Sozialdemokraten, die relativ scharfzüngig formuliert sind. Andere
Parteien pflegen da einen wesentlich moderateren Umgangston. Das zweite
Phänomen, das ich sehen würde, ist Parteichef Jiří Paroubek selbst. Er
wird oft wahrgenommen als eine Person, der ein derber Umgangston nicht
fremd ist.“
Nichtsdestotrotz, der Fausthieb auf Sobotka wurde von allen Parteien scharf verurteilt. Karel Schwarzenberg, der Vorsitzende der Partei Top 09, aber zeigte sich auch nach diesem Vorfall noch relativ gelassen:
„Jawohl, das war eine feige Tat. Wenn ich das aber mit dem Wahlkampf in anderen Ländern vergleiche, dann haben wir Gott sei Dank eine ruhigere politische Szene.“







