Tagesecho Wachtelkönig oder Skipiste: Soll das Altvatergebirge Nationalpark werden?

09-05-2011 16:29 | Till Janzer

Insgesamt vier Nationalparks bestehen bisher in Tschechien. Es gibt indes Initiativen, um noch weitere geschützte Gebiete des Landes aufzuwerten. Zum Beispiel die Gegend um die Burg Křivoklát in Mittelböhmen, für die noch der ehemalige Umweltminister Bursík von den Grünen geworben hatte. In den letzten Monaten sind wiederum Stimmen laut geworden, die im Altvatergebirge die Einrichtung eines Nationalparks fordern. Die Reihen der Befürworter wachsen, neben Prominenten können sich auch immer mehr Wirtschaftsvertreter für den Gedanken erwärmen. Kritiker warnen hingegen vor Problemen mit dem Borkenkäfer infolge des höheren Naturschutzes.

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AltvatergebirgeAltvatergebirge Stundenlang lässt der Wachtelkönig manchmal seine knarrende Stimme erklingen. In Deutschland steht dieser unscheinbare Vogel auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Im Altvatergebirge ist er noch zu Hause. Das Gebirge in Nordwestmähren mit fast der Höhe des Schwarzwaldes beherbergt aber nicht nur seltene Vögel, sondern ist noch viel mehr seiner Flora wegen so wertvoll. Das wissen nicht nur die Naturschützer, sondern eigentlich alle in der Gegend. Der Leiter des Kurbades Lázně Dolní Lipová, Radim Hatlapatka, ist einer der Befürworter des Nationalparks und erläutert, was besonders geschützte werden sollte:

Wachtelkönig (Foto: Ziegentom, Creative Commons 3.0)Wachtelkönig (Foto: Ziegentom, Creative Commons 3.0) „Die so genannten Hochgebirgsbereiche, die wegen ihrer Einzigartigkeit fast schon dazu auffordern. Die Gipfellagen sind im europäischen Vergleich außergewöhnlich wegen nur dort vorkommenden Pflanzen und der Tundra-artigen Natur.“

Hatlapatka gehört auch zu den Unterzeichnern einer Petition, die zur Schaffung des Nationalparks aufruft. Bisher besteht ein Landschaftsschutzgebiet im Altvatergebirge. Geht es nach den Unterzeichnern der Petition, dann sollte ein Viertel dieses Gebietes den höchstmöglichen Schutz erhalten. Mittlerweile haben über 15.000 Menschen die Petition unterschrieben. Und die Initiatoren überreichten sie vergangene Woche dann Umweltminister Tomáš Chalupa, der auf Besuch im Altvatergebirge war. Chalupa sagte allerdings, er könne nichts versprechen:

Tomáš Chalupa (Foto: ČTK)Tomáš Chalupa (Foto: ČTK) „Wir sind am Anfang eines Wegs, der zu einem Ziel führt, das ich im Moment noch nicht definieren kann. Ich wünsche mir sehr, dass das Ziel in einem Konsens formuliert wird. Der Nationalpark kann nicht ohne Unterstützung der Öffentlichkeit und der Anrainergemeinden entstehen.“

Umfragen haben ergeben, dass 70 Prozent der Bewohner in den Gemeinden des Altvatergebirges die Ausrufung des Nationalparks unterstützen. Doch einen Konsens, den gibt es nicht. Förster fürchten eine Zunahme des Borkenkäfers wie im Böhmerwald, wenn sie nicht mehr wie gewohnt den Schädling bekämpfen können. Auch 13 Bürgermeister der Gegend lehnen den Nationalpark ab. So zum Beispiel Ondřej Holub, Bürgermeister des Wintersportortes Malá Morávka:

Malá Morávka (Foto: Ladin, CC BY-SA 3.0 Unported)Malá Morávka (Foto: Ladin, CC BY-SA 3.0 Unported) „Ich als Vertreter einer Gemeinde, die vom Tourismus abhängig ist, habe wirklich Befürchtungen, dass sich mit der Ausrufung eines Nationalparks die Bedingungen verschärfen. Die Gegend um den Berg Altvater ist das höchst gelegene Skigebiet in ganz Tschechien, mit den besten Schneebedingungen. Davon zehrt nicht nur Malá Morávka, sondern die ganze Gegend.“

Auf der anderen Seite hat der Nationalpark Altvatergebirge mittlerweile eine Reihe von prominenten Fürsprechern wie den Fotografen Jindřich Štreit oder Star-Schauspieler Miroslav Donutil. Und Tourismusverbände, die zuvor der Sache kritisch gegenüberstanden, schlagen sich mittlerweile auf die Seite der Befürworter. Der Sprecher des Verbandes der tschechischen Reiseagenturen, Tomio Okamura:

Tomio Okamura (Foto: Tschechisches Fernsehen)Tomio Okamura (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Wir sind der Ansicht, dass man die Natur nicht schützt, indem man sie konserviert, sondern indem man sie auf kultivierte Art der Öffentlichkeit zugänglich macht.“

Genau das könne durch den Nationalpark erreicht werden, so Okamura. Die Befürworter wollen in den nächsten Tagen nun auch Parlaments-Abgeordnete ansprechen. In jedem Fall steht man aber noch am Anfang eines Prozesses. Drei Jahre könnte es bis zur Entstehung des Nationalparks dauern, heißt es aus dem Umweltministerium.

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