Tagesecho „Vyfasovat kvér“ – Tschechisch-Unterricht im Österreichischen Bundesheer

07-06-2010 14:09 | Daniel Kortschak

Seit über 250 Jahren ist Tschechisch Unterrichtsgegenstand an Österreichs Militärakademien. Darüber hat Josef Ernst, Oberst im Österreichischen Bundesheer und studierter Slawist, ein Buch geschrieben. Im Radio-Prag-Gespräch erläutert er auch, welche Spuren das Deutsche in der tschechischen Militärsprache hinterlassen hat.

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Herr Oberst, es klingt vielleicht ein wenig überraschend, aber Tschechisch wird schon sehr lange an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt gelehrt. Wie lange denn genau?

„Seit der Gründung der Theresianischen Militärakademie im Jahr 1752. Seit dieser Zeit war Tschechisch immer im Fächerkanon vertreten und das hat sich bis heute nur geringfügig geändert.“

Josef Ernst (Foto: Petr Buček, Österreichisches Kulturforum)Josef Ernst (Foto: Petr Buček, Österreichisches Kulturforum) Tschechisch wird also auch heute noch unterrichtet. Das klingt noch ein wenig mehr überraschend, denn in der Monarchie hat Tschechisch in der Armee klarer Weise eine wichtige Rolle gespielt. Aber ist denn die tschechische Sprache auch heute noch von Bedeutung im Österreichischen Bundesheer?

„Ja, doch. Gerade aus aktuellem Anlass etwa: Unsere Soldaten üben zurzeit gerade auf dem Truppenübungsplatz Vyškov. Dieser Übungsplatz ist europaweit einzigartig, darum üben dort eben auch unsere Soldaten.“

Österreich ist zwar kein Nato-Mitglied, dennoch hat sich gerade im Rahmen der Allianz und bei internationalen Einsätzen Englisch als „lingua franca“ durchgesetzt. Macht es denn heute überhaupt noch Sinn, im Österreichischen Bundesheer Tschechisch zu unterrichten?

Josef Ernst (ganz rechts). Foto: Petr Buček, Österreichisches KulturforumJosef Ernst (ganz rechts). Foto: Petr Buček, Österreichisches Kulturforum „Ja, vollkommen. Denn auch wenn Englisch international als Arbeitssprache verwendet wird, so ist es doch gerade auf der unteren Arbeitsebene notwendig, bei diesen bilateralen Kontakten die Landessprache des Nachbarn zu sprechen.“

Sie haben jetzt ein Buch geschrieben über die Geschichte des Tschechischunterrichtes an der Theresianischen Militärakademie und ganz allgemein im Österreichischen Bundesheer…

Josef Ernst (rechts). Foto: Petr Buček, Österreichisches KulturforumJosef Ernst (rechts). Foto: Petr Buček, Österreichisches Kulturforum „Das war eine sehr spannende Sache. Ich hatte im Zuge dieser Forschungsarbeit auch die Möglichkeit, in Prag am militärhistorischen Institut zu forschen. Auch am Strahov-Kloster gibt es eine wunderbare Bibliothek, wo es Spaß macht zu forschen. Und natürlich habe ich auch am Kriegsarchiv in Wien recherchiert, wo es zu diesem Thema sehr wertvolle Unterlagen gibt.“

Im Tschechischen gibt es eine Reihe von Ausdrücken, die aus der österreichischen Umgangssprache kommen, etwa im Eisenbahnwesen. Wie sieht es im Militärjargon aus, gab es da auch so einen fruchtbaren Austausch zwischen den beiden Sprachen?

Foto: Petr Buček, Österreichisches KulturforumFoto: Petr Buček, Österreichisches Kulturforum „Der Austausch zwischen diesen beiden Sprachen hat insbesondere in der Monarchie stattgefunden, in den gemischten Regimentern. Ich habe mich damit auch sprachwissenschaftlich näher auseinandergesetzt. Bis heute haben in der Umgangssprache in der tschechischen Armee etliche deutsche Ausdrücke überlebt. Nennen wir zum Beispiel ‚kvér’, also ‚Gewehr’ nur anders geschrieben, das häufig anstatt des tschechischen Wortes ‚puška’ verwendet wird. Ein anderer Ausdruck wäre zum Beispiel ‚vyfasovat’, das Ausfassen von Ausrüstungsgegenständen.

 

Josef Ernst, Die Geschichte des Tschechischunterrichts und der tschechischen Militärfachsprache im österreichischen Militär, Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie: Wien 2009

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