Tagesecho Vor dem Daviscup-Finale: Tschechien ist gegen Spanien nur Außenseiter
Für die tschechischen Tennisfans ist es das Event des (noch jungen) Jahrtausends: Von Freitag bis Sonntag steigt in Barcelona das Daviscup-Finale. Das tschechische Team trifft auf die favorisierten Spanier. Bei Spielern, Trainern und Anhängern steigen Nervosität und Vorfreude.
Rafael Nadal (Foto: ČTK)
Auf dem Papier scheint alles klar zu sein, und auch die meisten Experten
sind sich einig: Spanien wird gewinnen. Zu deutlich scheint die Übermacht
des mit den Top-10-Spielern Rafael Nadal und Fernando Verdasco gespickten
spanischen Teams. Allerdings: Im laufenden Daviscup-Wettbewerb besiegten
die Tschechen mit Frankreich und Argentinien schon zweimal vermeintlich
stärkere Gegner. Verstecken muss sich die tschechische Mannschaft
jedenfalls nicht. Mit Radek Štěpánek und Tomáš Berdych, immerhin
Nummer 12 beziehungsweise 20 in der Weltrangliste, stehen auch in ihren
Reihen zwei Weltklassespieler.
Tomáš Berdych (Foto: ČTK)
Die Jungs seien fit, und nach der anstrengenden Saison sei die
Vorbereitung auf das Finale bisher gut verlaufen, sagt Teamkapitän
Jaroslav Navrátil, der sich einen besonderen Trainingscoup ausgedacht hat:
Für Barcelona hat er den 21-jährigen Dušan Lojda ins Daviscup-Team
nominiert. Lojda steht zwar in der Weltrangliste nur auf Platz 212. Er ist
aber wie Nadal und Verdasco Linkshänder und soll Štěpánek und Berdych
auf den Stil der spanischen Cracks einstimmen.
Diese standen noch in der vergangenen Woche beim ATP-Mastersturnier in London auf dem Platz und haben dort nicht ihre beste Leistung gezeigt. Ein Vorteil für das tschechische Team? Kapitän Navrátil ist skeptisch:
Jaroslav Navrátil und Tomáš Berdych beim Training (Foto: ČTK)
„Dort spielen die acht weltbesten Tennisspieler, die Matches sind
wirklich schwer, also würde ich die Ergebnisse von Nadal und Verdasco
nicht überbewerten. Ich glaube auch nicht, dass sie müde sein werden.
Aber sie haben weniger Zeit, sich vom harten Belag auf den Sandplatz in
Barcelona umzustellen. Der Belag könnte eine Rolle spielen.“
Radek Štěpánek (Foto: ČTK)
Aber auch darauf wollen die Tschechen sich nicht verlassen, gelten die
Spanier doch als ausgewiesene Sandplatz-Spezialisten. In der katalanischen
Metropole werden sie zudem von 15.000 frenetischen Fans unterstützt.
Sicher, räumt Navrátil ein, die Atmosphäre in Barcelona werde stürmisch
sein. Aber seine Spieler seien Profis und hätten schon öfter in solchen
Hexenkesseln gespielt. Navrátil freut sich jedenfalls auf eine tolle und
würdige Kulisse.
Mit der Außenseiterrolle kommen die Tschechen gut klar. Das schmälert allerdings nicht ihre Hoffnung auf einen Triumph. Zum letzten Mal gewannen sie den Daviscup 1980, damals noch mit dem legendären Ivan Lendl im Team der Tschechoslowakei. Falls die Tschechen den Erfolg wiederholen, hat der eigentlich als Gentleman bekannte Tomáš Berdych bereits angekündigt, man würde dann trinken, und zwar viel und lange.








