Tagesecho Von Josef Váchal inspiriert: „Bad für die Seele“ in Litomyšl
Die ostböhmische Stadt Litomyšl / Leitomischl ist eine der tschechischen Unesco-Städte. Das dortige Renaissanceschloss steht seit 1999 auf der Weltkulturerbeliste. Neben zahlreichen wertvollen Baudenkmälern hat die Stadt jedoch noch mehr zu bieten. Sie zog schon immer Künstler und Literaten an, die dort ihre Spuren hinterlassen haben. An die Tradition einer Stadt der Musen wollen die Bewohner von Litomyšl anknüpfen. Am kommenden Wochenende eröffnet die Stadt im übertragenen Sinn ihre erste Kursaison. Von nun an soll Litomyšl als „Lázně ducha“ – also als „Bad für die Seele“ – bekannt werden.
Litomyšl
Litomyšl kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die bis in das 10.
Jahrhundert zurückreicht. Bekannt geworden ist die Stadt als Geburtsort
des Komponisten Bedřich Smetana. Nach ihm ist das internationale
Musikfestival benannt, das in diesem Jahr bereits zum 54. Mal veranstaltet
wird. Im 19. Jahrhundert war Litomyšl ein bedeutendes Zentrum der
tschechischen „nationalen Wiedergeburt“. Auf die Idee, Litomyšl zur
Kurstadt zu erheben, kam vor einigen Jahren der ehemalige Bürgermeister
Miroslav Brýdl. Er ist ein großer Bewunderer des tschechischen
Schriftstellers und exzentrischen Künstlers Josef Váchal, der Litomyšl
einmal als eine Kurstadt bezeichnet hat. Miroslav Brýdl:
Josef Váchal
„Váchal bezeichnete seine Schilderung der Stadt als eine fromme
Botschaft. Er schrieb, das altehrwürdige Litomyšl sei eine besondere
Kultur- und Kurstadt, wo Zahnschmerzen mit Erfolg kuriert werden. Aber das
dortige Bad werde, so der Literat, nur von den Einheimischen aufgesucht,
und das Wasser trinke dort niemand. Es würden andere, viel bessere
Getränke ausgeschenkt, so Váchal. Wir haben uns damals im Stadtrat
gesagt, dass Litomyšl doch tatsächlich ein Kurort sein könnte.“
Seitdem sind aber mehr als zehn Jahre vergangen. Die Idee ist jedoch nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn in der Zwischenzeit keine Heilquelle in Litomyšl gefunden wurde. Marie Venclová arbeitet im Portmoneum, dem Museum von Josef Váchal. Sie hat mit einigen Mitarbeitern die Idee einer virtuellen Kurstadt in die Tat umgesetzt. Litomyšl hält sie für einen Ort, an dem man vor allem geistige Kräfte schöpfen kann.
J. Váchal: Litomyšl - „Bad für die Seele“
„Litomyšl hat einen Zauber, der auf alle Besucher wirkt. Das kommt wohl
davon, dass die Stadt sehr gut erhalten ist und eine reiche Geschichte hat.
Sie ist mit der Kirche der böhmischen Brüder verbunden, zudem spielte sie
eine große Rolle in der Zeit der nationalen Wiedergeburt. In der Stadt
wurde eine der ersten Druckereien im Land gegründet. Dies sind auch
Gründe, warum die Bewohner auf ihre Stadt stolz sind. Die Bewohner setzten
sich auch dafür ein, dass im Unterschied zu vielen anderen tschechischen
Städten hier kein hässliches Kaufhaus im Zentrum erbaut wurde. Wichtig
ist, dass die historische Stadt aber kein Freilichtmuseum, sondern ein
lebendiger Ort ist.“
Kurzeitung
Und so soll auch die Idee der Kurstadt ohne Heilquelle mit Leben gefüllt
werden: Marie Venclová zufolge wird an diesem Wochenende eine der
Hauptstraßen von Litomyšl in eine Kurpromenade verwandelt, wo musiziert
und Theater gespielt wird. Den Besuchern wird empfohlen, ein historisches
Kostüm aus dem 19. Jahrhundert anzuziehen und einen kleinen Sonnenschirm
oder einen Spazierstock mitzunehmen. Verteilt werden soll eine Kurzeitung,
die über die Saisoneröffnung informiert. Und es wird auch ein spezieller
Stadtplan herausgegeben, auf dem sozusagen die Kuranlagen verzeichnet sind:
Galerien, Konzertsäle und Kneipen.









