Vom Ärztekittel in den Tarnanzug

Ebola, Biowaffen und Terror. Nun haben Armee, Polizei und Mediziner gemeinsam den Ernstfall geprobt.

Armeekrankenhaus Těchonín (Foto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen Verteidigungsministeriums)Armeekrankenhaus Těchonín (Foto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen Verteidigungsministeriums) Es ist ein bisschen wie in dem Katastrophenstreifen „Outbreak – Lautlose Killer“ von Wolfgang Petersen: mit Folien verhangene Quarantäne-Räume, pfeifendes medizinisches Gerät und überall Menschen in Schutzanzügen. Einer von ihnen ist der Arzt Ondřej Kašpírek:

„Wir haben beispielsweise Blut abnehmen müssen, und zwar mit drei Paar Handschuhe an den Händen. Man kann sich aber trotzdem gut bewegen.“

Und auch Lada Ferkálová beschreibt die Arbeitsbedingungen im Armeekrankenhaus Těchonín, in dem die erste Übung einer neuen Reserveeinheit von Militärärzten stattgefunden hat:

„Hier kommt man dann raus aus dem verseuchten Umfeld in die Dekontaminationskammer. Dort wird man mit Peroxyessigsäure desinfiziert.“

Josef Bečvář (Mitte). Foto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen VerteidigungsministeriumsJosef Bečvář (Mitte). Foto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen Verteidigungsministeriums Die Anlage in Těchonín im Adlergebirge ist nicht zufällig gewählt. Seit der Jahrtausendwende besteht dort nämlich ein Zentrum der tschechischen Armee für Seuchenforschung. Schwerpunkt ist dabei die Versorgung der Bevölkerung bei tödlichen Epidemien, also beispielsweise Cholera, Typhus oder Ebola, ebenso wie der Kampf gegen biologische Kampfstoffe wie Anthrax. Die dort ausgebildeten Mediziner sollen später sekundenschnell reagieren können, ob nun bei Notfällen im Inland oder bei Einsätzen der Nato.

Seit dem Sommer dieses Jahres werden dazu vor allem Jungärzte angeworben. Das Interesse sei überraschend groß, wie Generalstabschefs Josef Bečvář erläutert:

„Die Einheit besteht zwar erst seit wenigen Monaten, aber schon jetzt haben wir fast 90 der geplanten 135 Stellen besetzt.“

Larisa Solichová (links). Foto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen VerteidigungsministeriumsLarisa Solichová (links). Foto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen Verteidigungsministeriums Bei der Übung geht alles Schlag auf Schlag, nach einer bestimmten Zeit müssen die Ärzte durchwechseln. Was das Wichtigste dabei ist, erläutert die Medizinerin Larisa Solichová:

„Auch bei einem akuten Problem steht der Schutz des Personals an erster Stelle. Es muss vor allem mit Bedacht und Verstand gehandelt werden.“

Doch nicht nur die Armee setzt auf verstärkte Zusammenarbeit mit Ärzten. Am Mittwoch fand in der Medizinischen Fakultät der Prager Karlsuniversität eine Übung der Polizei statt. Dabei stürmten schwerbewaffnete Terroristen einen Hörsaal der Hochschule:

Die Polizei will so ihre Einsätze besser mit Rettungskräften koordinieren, um möglichst schnell Leben retten zu können. Bei solchen Übungen könne man viel voneinander lernen, meint auch Aleksi Šedo. Er ist Dekan der Fakultät für Medizin:

Foto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen VerteidigungsministeriumsFoto: Jana Deckerová, Archiv des tschechischen Verteidigungsministeriums „Die Polizisten haben natürlich nur begrenzte Kenntnisse von Medizin, wir wissen wiederum kaum etwas über die Polizeiarbeit. Da wir in der heutigen Zeit leider immer enger zusammenarbeiten müssen, war das Training sehr nützlich für beide Seiten.“