Tagesecho Violinistin Tanja Becker-Bender: Ich liebe ganz besonders Janáček
Mit ihrem Gespür für den feinen Klang hat sie am vergangenen Donnerstag das Publikum in Český Krumlov / Krumau verzaubert: die deutsche Violinvirtuosin Tanja Becker-Bender. Sie spielte beim dortigen internationalen Musikfestival die 24 Caprices von Niccolo Paganini. Ihr Vortrag war virtuos und von unglaublicher Leichtigkeit, der Beifall im historischen Maskensaal des Krumauer Schlosses wollte nicht enden. Die Violinistin, die auch Musikpädagogin ist, fand lobende Worte für die südböhmische Festivalstadt.
Tanja Becker-Bender spielte beim internationalen Musikfestival in Český Krumlov / Krumau
„Es ist mein erster Besuch in Český Krumlov, aber ich war schon öfters
in Tschechien und habe eine besondere Beziehung zu dem Land. Deshalb war es
heute für mich ein wichtiges Ereignis. Meine Großmutter kam aus
Tschechien, und sie ist diejenige, die Musik in die Familie gebracht hat.
Sie kam über Wien nach Deutschland und durfte Geige lernen und war dann
Konzertmeisterin in Mannheim. Als ich klein war, habe ich noch
Geigenunterricht bei ihr gehabt. Von den Paganini-Capricen, die ich heute
gespielt habe, habe ich eine Notenausgabe, die von meiner Großmutter
komplett bezeichnet ist. Das ist unglaublich. Sie hat es damals alles
studiert, und ich konnte teilweise das, was sie gemacht hat, verwenden. Das
hat mich besonders gefreut, ihre Aufführung hier, in ihrem Land spielen zu
dürfen.“
Violinistin Tanja Becker-Bender
Sie haben schon sehr früh auch als Musikpädagogin gearbeitet, gibt es
Unterschiede zwischen dem Virtuosen- und dem musikpädagogischen Bereich?
„Für mich ist das Leben, Geige zu spielen. Das Selbstzuspielen ist das Schönste, was man tun kann, und gleichzeitig in Kontakt mit Menschen zu sein, auf welchem Weg auch immer. Es ist der Kontakt mit dem Publikum, es ist der Kontakt mit Menschen, mit denen man bei Kammermusik zusammenspielt oder auch ist es der Kontakt mit den Studenten. Das ist alles Kommunikation.“
Auf einer Ihrer CD findet man auch Antonín Dvořák. Spielen Sie auch Werke von anderen tschechischen Komponisten, eventuell von jemandem von der Moderne?
„Ich liebe ganz besonders Janáček. Ich habe sehr oft die Sonate und
auch einige kurze Stücke von ihm gespielt. Ich warte darauf, das
Violinkonzert zu spielen, das leider nicht so oft aufgeführt wird. Ich
nehme jede Gelegenheit wahr, die Opern von ihm zu sehen, egal wo auf der
Welt. Für neue Musik bin ich sehr offen und bin sehr gespannt,
tschechische neue Musik zu entdecken. Ich habe auch viel Martinů gespielt
und liebe seine Musik sehr, gerade jetzt ist übrigens das Martinů-Jahr.
Aber ich bin sehr neugierig, Neueres zu entdecken.“
Haben Sie schon mal auch Martinůs Geburtsort Polička besucht?
„Nein, da steht mir die Entdeckung noch bevor. Da gibt es sehr viel zu entdecken, glaube ich.“
War es Ihr Wunsch, hier in Krumau Paganini zu spielen? Wie wurde das Konzertprogramm zusammengestellt?
„Das war ein Wunsch von mir, Paganini zu spielen, weil ich diese Musik sehr mag. Es sind 24 Juwelen, 24 kostbare Stücke für mich. Jedes hat einen ganz anderen Charakter. Ich habe die 24 Capricen gerade auf CD aufgenommen. Nach einer Aufnahme ist es immer sehr aufregende, die Stücke wieder zu spielen. Ich war neugierig darauf und bin sehr froh, dass es hier, an einem historischen so besonderen Ort, möglich war.“
Das internationale Musikfestival in Krumau findet noch bis zum 22. August statt.








