Tagesecho Vertreibung die Zweite - wie rechts außen um Aufmerksamkeit kämpft
Der 8. Mai - in Tschechien ein Feiertag, in Erinnerung an den Jahrestag des Kriegsendes. Während Präsident Vaclav Klaus und Spitzenvertreter der Politik den Opfern des Krieges gedachten, inszenierte die ultrarechte Nationalpartei ein Spektakel der eigenen Art.
Foto: CTK
"Stoppt die Begünstigung von Minderheiten", "Wir wollen
keine Sudetendeutschen in Prag" und "Die Vertreibung war
richtig" - solche und ähnliche Parolen riefen etwa zwei Dutzend
Anhänger der rechtsextremen Nationalpartei / Narodni Strana am Dienstag
beim Marsch durch die Prager Innenstadt. Ziel des Umzuges: Das Kontaktbüro
der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Der Protest richte sich unter anderem
gegen Deutsche, die in Tschechien Immobilien und Grundstücke kaufen, so der
Vizevorsitzende der Partei, Radoslav Las:
"Wir meinen, dass auf tschechischem Boden auch tschechische Landwirte, tschechische Kleinbauern und tschechische Forstwirte wirtschaften sollten. Die Aktivitäten dieser Leute gehen ganz klar in eine falsche Richtung."
Medienwirksamer Höhepunkt der Demonstration: Die symbolische Abschiebung von Landsmannschafts-Chef Bernd Posselt, pantomimisch inszeniert als zweite Vertreibung. Zwei Parteianhänger führen einen mit Hakenkreuzen beschmierten, gefesselten Mann ab, über den Kopf hat er einen Karton gestülpt, darauf das Foto von Posselt.
"Wir bieten jedermann an, dorthin zu gehen wo er sich besser fühlt. Und wenn es den Neonazis der Landsmannschaft bei ihnen Zuhause besser gefällt, dann sollen sie wegziehen. Hier haben sie nichts zu suchen."
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In den Reden wurden daneben unter anderem Ex-Präsident Vaclav Havel und
Außenminister Karel Schwarzenberg, aber auch Landwirtschaftsminister Petr
Gandalovic für ihre Haltung zu den Sudetendeutschen angegriffen, Als
Oberbürgermeister von Usti nad Labem hatte Gandalovic vor zwei Jahren ein
Massaker an Sudetendeutschen bedauert, dass kurz nach Kriegsende dort
stattgefunden hatte.
Auf dem Weg zum Mittagessen geriet der slowakische Intellektuelle Fedor Gal zufällig in das Spektakel und hatte wenig Verständnis dafür übrig:
"Kämpfen die denn gegen alle? Ich bin eine dreifache Minderheit, ein Slowake, ein Jude und ich lebe in Böhmen und bin ein Intellektueller. Die hier sind vor allem Dummköpfe, was nichts Besonderes ist. Ich hoffe allerdings, dass sie keine Waffen in die Hand bekommen. Und ich befürchte, dass sich die gleichgültige Mehrheit hinter dem Wort Toleranz verstecken wird. Aber so etwas gegenüber darf man nicht tolerant sein."
Immerhin: zumindest bei den Wahlen haben die Tschechen bislang keine
Toleranz gegen die dumpfen Parolen der Narodni strana gezeigt. Trotz
lautstarkem Auftreten ist die Partei politisch eine bedeutungslose
Splittergruppe.








