Versöhnung als Erfolg: Seehofer verabschiedet sich

Horst Seehofer tritt ab. Er hinterlässt ausgezeichnete bayerisch-tschechische Beziehungen.

Horst Seehofer (Foto: Michael Lucan, CC BY-SA 3.0 DE)Horst Seehofer (Foto: Michael Lucan, CC BY-SA 3.0 DE) Mit ihm herrschte Sonnenschein wie nie zuvor zwischen München und Prag. Nun tauscht CSU-Chef Horst Seehofer die Münchner Staatskanzlei mit dem Innenministerium in Berlin. Zurück bleibt ein außerordentlich gutes bayerisch-tschechisches Verhältnis. Das betonte der nun schon ehemalige Ministerpräsident unter anderem in seiner Rücktrittserklärung, Zitat:

„Wir haben aus einem kalten Verhältnis zu Tschechien für alle Zukunft eine Ära der gegenseitigen Wertschätzung und Freundschaft gemacht. Das wird für die nachfolgenden Generationen bleiben. Ich danke dem Hohen Haus (bayerischer Landtag, Anm. d. Red.) und allen Sudetendeutschen für diesen gemeinsamen Weg.“

Tatsächlich dürfte Horst Seehofer als Versöhner in die deutsch-tschechischen Geschichtsbücher eingehen. Denn das Verhältnis war lange angespannt, vor allem wegen der Sudetendeutschen. Schließlich gilt die CSU als der wichtigste politische Partner der Vertriebenen in Deutschland. Angefangen hatte das Tauwetter zwischen den beiden Nachbarn 2010, damals fuhr der gebürtige Ingolstädter als erster bayerischer Ministerpräsident zu einem offiziellen Besuch nach Prag. Dort sagte er damals:

Sudetendeutsche Tage (Foto: Emkaer, CC BY-SA 3.0)Sudetendeutsche Tage (Foto: Emkaer, CC BY-SA 3.0) „Der erste offizielle Besuch eines bayerischen Ministerpräsidenten in Prag ist ohne Zweifel ein besonderes Ereignis. Dieser Besuch ist richtig und notwendig. Sie wissen, dass es Gründe gibt, warum ein solcher Besuch nicht schon längst stattgefunden hat. Auch darüber haben wir heute gesprochen. Aber wir sind uns einig, dass wir den Blick gemeinsam nach vorne in die Zukunft richten wollen.“

Es folgten zahlreiche weitere Visiten Seehofers an der Moldau, aber auch Besuche tschechischer Regierungschefs in Bayern. Ebenso reisten hohe Regierungsvertreter aus Prag zu den Sudetendeutschen Tagen nach Nürnberg, was in deren Heimat nicht immer positiv aufgenommen wurde.

Empfangen wurde Seehofer 2010 noch vom bürgerdemokratischen Premier Petr Nečas. Aber auch mit dem späteren Ministerpräsidenten Bohuslav Sobotka von den Sozialdemokraten verstand sich Seehofer gut, nicht nur wegen ihrer vergleichbar ablehnenden Haltung in der Flüchtlingskrise. Gerade in Sobotkas Amtszeit fiel auch die Eröffnung der bayerischen Repräsentanz in der tschechischen Hauptstadt:

Karel IV.Karel IV. „Ich denke, jetzt ist der richtige Moment zur Eröffnung der bayerischen Vertretung, denn unsere Beziehungen haben sich von der offiziellen auf eine sachliche und freundschaftliche Ebene verschoben. Wir treffen uns mittlerweile häufig und beschäftigen uns dabei mit konkreten Problemen und Herausforderungen. Dabei sprechen wir offen miteinander. Und vielleicht meine ich jetzt nicht nur mich, wenn ich sage, dass wir uns gerne sehen.“

Als weiterer Meilenstein in den guten Beziehungen zwischen Prag und München galt die gemeinsame Landesausstellung zum 700. Geburtstag Karls IV., die erst in Prag und dann in Nürnberg zu sehen war:

„Ich bin stolz, heute sagen zu können: Bayern und Tschechen sind wieder Freunde im Herzen Europas. Dieses Glück unserer Gegenwart ist aber zugleich Auftrag und Verpflichtung für die Zukunft. Wir wollen die Kontakte zwischen unseren Ländern weiter vertiefen. Denn diese Freundschaft kann nicht vom Staat verordnet werden. Sie muss von den Menschen selbst gelebt werden. Von jeder Generation aufs Neue.“

Doch es gab nicht nur Symbolpolitik in der Amtszeit Seehofers. Vor allem knüpfte man immer engere wirtschaftliche Beziehungen, auch wenn einige Kernanliegen beider Seiten nicht umgesetzt werden konnten. So beispielsweise eine schnellere Zugverbindung zwischen Prag und München, beziehungsweise Nürnberg. Vielleicht klappt das ja unter dem neuen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der am Freitag ins Amt gewählt werden soll. Besonders bleibt aber zu hoffen, dass der Wechsel in der Münchner Staatskanzlei der neuen Liebe zwischen Bayern und Tschechien keinen Abbruch tut.