Tagesecho Verkehrsarbeiter streiken für die Beibehaltung sozialer Vergünstigungen
Der 1. März wird in Tschechien für viele Berufstätige und Pendler vermutlich zur Nervenprobe. Für kommenden Montag haben nämlich die Gewerkschaften einen fünfstündigen Streik der öffentlichen Verkehrsbetriebe angekündigt. Von vier Uhr bis neun Uhr morgens sollen die meisten Züge, Busse und vor allem der öffentliche Nahverkehr in den Großstädten stillstehen. Die Gewerkschaften wollen damit eine Überarbeitung des neuen Mehrwertsteuergesetzes erzwingen.
In Tschechien sind die Löhne für Angestellte des öffentlichen Dienstes
vergleichsweise gering. Einige soziale Vergünstigungen sorgen da für
einen gewissen Ausgleich. Zu den Vergünstigungen zählen landesweit die
Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen über den jeweiligen Arbeitgeber oder
im Falle von Lok-, Bus- und Straßenbahnfahrern preisgünstigere Fahrkarten
für Familienangehörige. Um den Vergünstigungseffekt zu erreichen, zahlt
der Arbeitnehmer einen gewissen Teil des Gegenwertes zu. Seit Januar dieses
Jahres aber werden auch diese Vergünstigungen über das
Mehrwertsteuergesetz höher besteuert. Dies sei ein Schlag ins Kontor,
finden die Angestellten der Verkehrsbetriebe. Sie wollen eine Rücknahme
der Regelung und verweisen auf eine Absprache mit Premier Fischer. Das
unterstrich der Vorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft, Jindřich Hlas:
„Beim Treffen der Sozialpartner am 2. Februar hat uns der Premier
Unterstützung zugesagt, doch nichts ist passiert, denn im Parlament wird
nicht konstruktiv gearbeitet. Wir Gewerkschafter verstehen da keinen Spaß
mehr, und das werden wir den Politikern jetzt zeigen.“
In die gleiche Kerbe schlägt auch der Vorsitzende der Eisenbahner-Gewerkschaften, Jaroslav Pejša:
„Uns genügen keine Versprechen mehr, sondern nur noch Garantien. Schon dreimal wurde unser Problem in die Tagesordnung einer Sitzung des Abgeordnetenhauses aufgenommen, doch kein einziges Mal wurde es auch behandelt. Die Gesetze, die nicht bis zum 21. März verabschiedet werden, haben dann aber keine Chance mehr, in dieser Legislaturperiode noch in Kraft zu treten. Und danach könnten sie unter den Tisch fallen.“
Die Angestellten der öffentlichen Verkehrsbetriebe wollen eine Rücknahme
des neuen Mehrwertsteuergesetzes aber so schnell als möglich. Premier Jan
Fischer hingegen kritisierte das Streikvorhaben. Er versicherte, dass eine
Änderung der Besteuerung der sozialen Vergünstigungen einer der
wichtigsten Punkte sei, die die Regierung in die Märzsitzung des
Abgeordnetenhauses einbringen werde. Verkehrsminister Gustáv Slamečka
wiederum betonte, dass er selbst keine Möglichkeit mehr sehe, den Streik
noch abzuwenden. Er kenne das Problem nur allzu gut, denn sehr oft habe er
mit den Gewerkschaftern verhandelt. Am Zuge seien jetzt die Abgeordneten,
so der Minister.
Martin Dvořák
Vom Streik der öffentlichen Verkehrsarbeiter betroffen ist vor allem der
Berufsverkehr. Besonders in Prag ahnen die Berufstätigen nichts Gutes,
wenn sie an kommenden Montag denken. Bis zum Mittwochnachmittag war noch
offen, ob sich neben den Bus- und Straßenbahnfahrern auch die Lokführer
der Metrozüge am Streik beteiligen werden. Der Direktor der Prager
Verkehrsbetriebe, Martin Dvořák, sagte aber:
„Ich hoffe fest, dass der Streik wie vor zwei Jahren abläuft. Damals haben die Gewerkschafter der Verkehrsbetriebe nicht zugelassen, den Verkehr in einer Weise lahm zu legen, dass die Fahrgäste getroffen wurden.“






