Vergiftungsskandal: Polizei entdeckt Abfüllanlage für gepanschten Alkohol

Die Vergiftungsserie durch gepanschten Alkohol mit 18 Toten (Stand: Freitagmittag) hat ganz Tschechien aufgeschreckt. Die Polizei sucht unter Hochdruck nach Spuren zu den Tätern, die giftiges Methanol in Rum, Wodka und anderen Branntwein gemischt haben. Am Donnerstag entdeckten Polizisten ein Lager und eine geheime Abfüllanlage.

Foto: ČTKFoto: ČTK Die Polizei ist allen Erkenntnissen nach auf der richtigen Fährte. In einer Garage am Rand der ostmährischen Stadt Zlín hat sie eine Abfüllanlage für Alkohol entdeckt. Dort fanden die Beamten auch 500 Flaschen mit Fusel und gefälschte Steuerbanderolen von billigen tschechischen Alkoholmarken. Den Inhalt der Flaschen ließ die Polizei im Labor auf Methanol analysieren. Am Donnerstagabend trat Ermittlungsleiter Václav Kučera vor die Presse und bestätigte:

„Ja, wir haben Methanol in einigen Flaschen nachweisen können. Wir werden nun den Methanolanteil genauer analysieren, um so die mögliche Beziehung zu den Vergiftungsfällen an anderen Orten des Landes zu prüfen.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Die Garage gehört einem 51-jährigen Mann, der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzt. Den Alkohol hat er dort nicht selbst gebrannt, sondern wohl nur wie in einem Chemielabor gemischt. Ob und wie bei dem Mischvorgang dann Methanol in den Trinkalkohol geriet, das ist weiterhin Teil der Ermittlungen.

Den bisherigen Erkenntnissen nach soll der gepanschte Alkohol aus der Garage nur einige hundert Meter entfernt in einem kleinen Lebensmittelladen verkauft worden sein. Mindestens eine Frau hatte in dem Laden Pseudo-Wodka gekauft, davon getrunken und starb danach. In Zlín gab es in den vergangenen Tagen noch einen weiteren Todesfall durch gepanschten Alkohol, und neun Menschen liegen derzeit mit schweren Methanol-Vergiftungen in Krankenhäusern. In diesen und allen weiteren Fällen im Land prüft die Polizei derzeit, ob der Fusel aus der Garage die Ursache war. Tote gab es jedenfalls auch in anderen Gegenden Mährens sowie in Příbram in Mittelböhmen.

Foto: ČTKFoto: ČTK Eines haben die Fälle gemeinsam: Der gepanschte Alkohol stammte aus dem Verkauf an Imbissbuden, an offenen Ständen oder in kleinen Lebensmittelgeschäften. Seit Mittwoch darf zumindest an Imbissbuden und Ständen vorerst kein Branntwein oder Rum mehr verkauft werden. Und das scheint im Zusammenspiel mit der Medienberichterstattung zu wirken. Am Freitag war bis zum Mittag kein weiterer Todesfall mehr gemeldet worden.

Auf der anderen Seite erhält Tschechien ein Spezial-Medikament für die Behandlung von Methanol-Vergiftungen. Gesundheitsminister Leoš Heger:

Leoš Heger, foto: ČTKLeoš Heger, foto: ČTK „Es wirkt wie die Gabe von reinem Ethanol und kann auch in schweren Fällen eingesetzt werden, wenn der Patient bereits bewusstlos ist. Wir haben aus Norwegen nun kostenlos 30 Dosen erhalten, zum Testen. Der Nachteil ist, dass das Medikament ansonsten 200.000 Kronen je Dosis kostet.“

Der reine Ethanol, den die tschechischen Ärzte bisher verabreichen, soll den Stoffwechsel im Körper blockieren. Dadurch wird die gefährliche Umwandlung des Methanols zu ätzender Ameisensäure verhindert. Viele Menschen sind indes erst sehr spät in ärztliche Behandlung gekommen, denn die Symptome für die Vergiftung ähneln anfangs denen eines normalen Katers mit Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit. Deswegen drohen vielen Patienten, die überleben, nun schwere gesundheitliche Folgen.