Tagesecho Vergessene Juwelen in der Landschaft

24-08-2009 16:45 | Martina Schneibergová

„Vergessene Juwelen in der Landschaft“ - so heißt eine Ausstellung, die seit Kurzem im Prager Nostitz-Palais zu sehen ist. Gemeint sind zum Beispiel die unzähligen Sühnekreuze am Wegesrand. Der Kommunismus hat diesen kleinen Baudenkmälern jedoch schwer zugesetzt. Die Ausstellung soll sie jetzt ins Bewusstsein zurückholen.

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Glockentürmchen, kleine Kapellen, Martersäulen, Sühnekreuze, Pestsäulen, Gnadenbilder, Grenzsteine: Diese kleinen Baudenkmäler gehören zur Kulturlandschaft Tschechiens. Noch, denn viele von ihnen sind in den letzten 60 Jahren verschwunden. In den Kellerräumen des Nostitz-Palais kann man jetzt großformatige Fotos der böhmischen und mährischen Landschaft bewundern, die von den kleinen, oft vergessenen Juwelen geschmückt ist. Die kleinen Baudenkmäler tauchen im Denkmalschutzgesetz nicht auf, und so gehören sie zu dem am meisten gefährdeten Kulturerbe. Sie haben nicht nur kunsthistorischen Wert, sondern sind Teil der Landschaft geworden. Und sie seien oft Zeugen eines menschlichen Schicksals wie zum Beispiel die Sühnekreuze, sagt der stellvertretende Kultusminister Jaromír Talíř:

„Ich halte es für wichtig, dass diese Ausstellung nicht nur an diese kleinen architektonischen Denkmäler erinnert, sondern die Rolle der Bürgerinitiativen würdigt, die sich um deren Instandsetzung kümmern.“

Hauptinitiatorin der Ausstellung ist die Historikerin Naděžda Kalousová von der Bürgervereinigung Pro Bohemia:

„Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, was für schöne kleine Sehenswürdigkeiten es bei ihnen in der Nähe gibt. Das haben wir in den letzten Jahren immer wieder festgestellt. Und wenn sie nicht restauriert werden, dann verschwinden sie für immer.“

Viele dieser Baudenkmäler sind Opfer der barbarischen Industrialisierung und Kollektivierung in den 50er Jahren geworden. Zum Verfall der Denkmäler trug zudem die Tatsache bei, dass sie niemandem gehörten und oft ideologisch unerwünscht waren. Viele seien, so Kalousová, verschwunden, weil sich die Menschen nicht für sie interessierten. Zur Rettung der vergessenen Juwelen in der Landschaft soll die jetzige Ausstellung beitragen. Sie ist bis zum 30. September im Nostitz-Palais auf der Kleinseite zu sehen. Anlässlich der Ausstellung wurde auch ein Büchlein herausgegeben mit Texten in Tschechisch und Deutsch.

Foto: Autorin

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