Tagesecho Verfall und Bedrückung: Tschechische Regisseurin filmt in Nordkorea

05-03-2009 16:17 | Martina Schneibergová

Riesengroße Betonmonumente des Kommunismus, zwischen denen graue Menschen in grauen Kleidern schleichen. Mehrspurstraßen, auf denen kein Auto fährt. In ihrem neuesten Dokumentarfilm führt die junge tschechische Regisseurin Linda Jablonská den Zuschauer in das Land, das international am stärksten isoliert ist: Nordkorea. Die Filmemacherin kann vom Land nicht viel zeigen, aber eben diese Tatsache sagt schon viel. "Vítejte v KLDR!" zu Deutsch Willkommen in der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik! So heißt der Film, der seit einigen Tagen in den tschechischen Kinos läuft.

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Das Lied über Nordkoreas Führer Kim Jong Il haben die neugierigen Teilnehmer der Reise nach Nordkorea bestimmt mehrmals gehört. Eines der tschechischen Reisebüros bietet in seinem Katalog einen Ausflug ins Unbekannte an – die Reise nach Nordkorea. Regisseurin Jablonská schloss sich der Gruppe tschechischer Touristen an, die voriges Jahr für sechs Tage nach Nordkorea reiste. Aus diesem Land, in dem es verboten ist, mit großen Kameras zu filmen, hat sie dennoch mehrere Filmaufnahmen mitgebracht. Mit einer kleinen Filmkamera ist ihr das gelungen. Linda Jablonská (Foto: www.aerofilms.cz)Linda Jablonská (Foto: www.aerofilms.cz)

„Nordkorea befindet sich faktisch wie juristisch im Kriegszustand, das heißt, dass wir keine üblichen Touristen sind. Sie wissen eigentlich besser als wir, was wir machen sollen“, sagt der tschechische Reisebegleiter zu Beginn des Films von Linda Jablonská, als er die Reisegruppe im Bus aufklärt. Die Touristen mussten akzeptieren, dass sie eine Reihe von Anordnungen einzuhalten haben. Vor allem die, dass sich keiner von der Gruppe entfernen darf.

Das Programm für die Touristengruppe wurde von der nordkoreanischen Seite auf die Minute genau geplant und vorbereitet. Drei nordkoreanische Begleiter waren ständig dabei und sorgten für die Einhaltung des Programms. Dazu gehörte beispielsweise das mehrfache Verbeugen vor den monumentalen Kim Jong Il-Statuen, ein Vortrag über den Imperialismus der USA sowie ein Treffen mit Studenten, die jeder Frage ausgewichen sind, außer den Fragen zum Wetter. Die Touristen erlebten daher viel Absurdes; eben Dinge, wie sie für die Potemkinschen Regime typisch sind. Linda Jablonská:

„Ich habe nirgendwo in der Welt so ein Gefühl des Verfalls, der Bedrückung gehabt. Es hat längere Zeit gedauert, mich davon zu befreien. Es ist jedoch lächerlich, sich darüber nach sechs Tagen beschweren, wenn die Leute dort in diesen Bedingungen ihr ganzes Leben verbringen müssen.“

Ein nicht weniger wichtiger Bestandteil des Films ist die Darstellung der Motivation und des Verhaltens der Teilnehmer der Reise. Linda Jablonská entschied sich für den Besuch in Nordkorea, nachdem sie voriges Jahr in Prag einem Flüchtling aus Nordkorea begegnet war. Seinen Worten zufolge könnte seinen Landsleuten das ständige mediale Interesse helfen, sagt Jablonská.

„Ich finde, es ist wichtig, ständig darauf aufmerksam zu machen, dass es dieses Regime gibt. Für die Welt, in der wir leben, ist der Film zudem ein Bericht darüber, wie wir sind. Er fordert dazu auf, darüber nachzudenken, ob es moralisch in Ordnung ist, in solche Länder auf Urlaub zu reisen. Dies ist für mich das wichtige Thema des Films.“

Fotos:www.vitejtevkldr.cz

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