Tagesecho Verdienstmedaille für Ordenspriester und politischen Häftling Jan Zemanek
Unter den Persönlichkeiten, die am Sonntag auf der Prager Burg von Präsident Vaclav Klaus ausgezeichnet wurden, war auch der Ordenspriester Jan Zemanek. Für seine Verdienste um den Staat erhielt er vom Präsidenten eine Verdienstmedaille. Der heute 82-jährige Redemptorist wurde während des kommunistischen Regimes zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Seine einzige Schuld bestand darin, dass er Priester war.
Jan Zemanek (Foto: Autorin)
Die Verfolgung durch das kommunistische Regime begann für den Priester
schon am 14. April 1950. In der Nacht vom 13. auf 14. April 1950 wurde die
vom kommunistischen Geheimdienst gründlich vorbereitete so genannte
"Aktion K" gestartet, deren Ziel es war, die Ordensgemeinschaften
zu liquidieren. Während einer einzigen Nacht wurden mehr als 900 Angehörige
verschiedener Orden verhaftet und interniert und 76 Klöster von der
Staatsmacht besetzt. Jan Zemanek wurde damals direkt vom Priesterseminar
ins Internierungslager gebracht. Wie viele andere Intellektuelle verbrachte
Jan Zemanek danach im Rahmen der so genannten Technischen Hilfsbataillons
(PTP) einige Jahre im Arbeitslager:
"Dort wollte man uns durch Schulungen wahrscheinlich auf den richtigen Weg bringen. Diese Schulungen haben uns natürlich nichts gesagt, denn wir waren eine Gruppe von Akademikern und die Vortragenden konnten kaum lesen. Sie kannten sich außerdem weder in ihrer eigenen kommunistischen Ideologie, noch in der christlichen Lehre aus. Da wir eine Gruppe von Gleichgesinnten waren und uns gegenseitig unterstützt haben, konnten wir die schwierigen Verhältnisse leichter überleben, als diejenigen, die im Gefängnis auf sich allein angewiesen waren."
Präsident Vaclav Klaus (Foto: CTK)
Die Freiheit konnte Jan Zemanek jedoch nicht lange genießen. Wenige Jahre
nach seiner Freilassung wurde er in einem Schauprozess erneut verurteilt.
Er wurde beschuldigt, versucht zu haben, die Ordensgemeinschaften, die es
in der Tschechoslowakei vor 1948 gegeben hatte, zu erneuern. Das Urteil
lautete zehn Jahre Freiheitsentzug. Im Gefängnis musste er diesmal
viereinhalb Jahre verbringen. Nach all den Jahren in kommunistischen
Konzentrationslagern und Gefängnissen sagt Pater Zemanek, er fühle
keinerlei Bitterkeit. Anderen seien schlimmer als ihm ergangen. Er fügt
hinzu:
"Diejenigen, die in einem freien Staat gelebt haben, können es nicht verstehen, wie so was möglich war. Manchmal war die Wirklichkeit jedoch viel schlimmer als das, was man beschreiben möchte. Ich will nicht wegen der Vergangenheit jammern, sondern versuche, in der Gegenwart zu helfen. Die Vergangenheit ist hinter uns, ich habe es überlebt, warum soll ich mich darüber beklagen, das nutzt niemandem."
Nach der Wende von 1989 beteiligte sich Pater Zemanek an der Wiederbelebung des Redemptoristenordens in Tschechien. Er hat mehrere Jahre als Seelsorger in Gefängnissen gewirkt.






