Tagesecho Verdienstmedaille für Ordenspriester und politischen Häftling Jan Zemanek

29-10-2007 16:17 | Martina Schneibergová

Unter den Persönlichkeiten, die am Sonntag auf der Prager Burg von Präsident Vaclav Klaus ausgezeichnet wurden, war auch der Ordenspriester Jan Zemanek. Für seine Verdienste um den Staat erhielt er vom Präsidenten eine Verdienstmedaille. Der heute 82-jährige Redemptorist wurde während des kommunistischen Regimes zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Seine einzige Schuld bestand darin, dass er Priester war.

Download: MP3

Jan Zemanek (Foto: Autorin)Jan Zemanek (Foto: Autorin) Die Verfolgung durch das kommunistische Regime begann für den Priester schon am 14. April 1950. In der Nacht vom 13. auf 14. April 1950 wurde die vom kommunistischen Geheimdienst gründlich vorbereitete so genannte "Aktion K" gestartet, deren Ziel es war, die Ordensgemeinschaften zu liquidieren. Während einer einzigen Nacht wurden mehr als 900 Angehörige verschiedener Orden verhaftet und interniert und 76 Klöster von der Staatsmacht besetzt. Jan Zemanek wurde damals direkt vom Priesterseminar ins Internierungslager gebracht. Wie viele andere Intellektuelle verbrachte Jan Zemanek danach im Rahmen der so genannten Technischen Hilfsbataillons (PTP) einige Jahre im Arbeitslager:

"Dort wollte man uns durch Schulungen wahrscheinlich auf den richtigen Weg bringen. Diese Schulungen haben uns natürlich nichts gesagt, denn wir waren eine Gruppe von Akademikern und die Vortragenden konnten kaum lesen. Sie kannten sich außerdem weder in ihrer eigenen kommunistischen Ideologie, noch in der christlichen Lehre aus. Da wir eine Gruppe von Gleichgesinnten waren und uns gegenseitig unterstützt haben, konnten wir die schwierigen Verhältnisse leichter überleben, als diejenigen, die im Gefängnis auf sich allein angewiesen waren."

Präsident Vaclav Klaus (Foto: CTK)Präsident Vaclav Klaus (Foto: CTK) Die Freiheit konnte Jan Zemanek jedoch nicht lange genießen. Wenige Jahre nach seiner Freilassung wurde er in einem Schauprozess erneut verurteilt. Er wurde beschuldigt, versucht zu haben, die Ordensgemeinschaften, die es in der Tschechoslowakei vor 1948 gegeben hatte, zu erneuern. Das Urteil lautete zehn Jahre Freiheitsentzug. Im Gefängnis musste er diesmal viereinhalb Jahre verbringen. Nach all den Jahren in kommunistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen sagt Pater Zemanek, er fühle keinerlei Bitterkeit. Anderen seien schlimmer als ihm ergangen. Er fügt hinzu:

"Diejenigen, die in einem freien Staat gelebt haben, können es nicht verstehen, wie so was möglich war. Manchmal war die Wirklichkeit jedoch viel schlimmer als das, was man beschreiben möchte. Ich will nicht wegen der Vergangenheit jammern, sondern versuche, in der Gegenwart zu helfen. Die Vergangenheit ist hinter uns, ich habe es überlebt, warum soll ich mich darüber beklagen, das nutzt niemandem."

Nach der Wende von 1989 beteiligte sich Pater Zemanek an der Wiederbelebung des Redemptoristenordens in Tschechien. Er hat mehrere Jahre als Seelsorger in Gefängnissen gewirkt.

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Offizielle Feierlichkeiten zum Staatsfeiertag nach festem Szenario

Jitka Mládková

Der 28. Oktober ist im Kalender als Staatsfeiertag vermerkt, der auf die Gründung der inzwischen nicht mehr existierenden Tschechoslowakei...mehr...

Neonazi-Aufmarsch zum 10. November: "Das ist eine Provokation"

Till Janzer

Vergangene Woche haben wir bereits zweimal über den geplanten Aufmarsch von Neonazis im ehemaligen jüdischen Viertel von Prag am 10....mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch