Tagesecho Verdienste um die deutsche Einheit: Václav Havel nimmt den Point Alpha Preis entgegen

01-10-2008 15:40 | Christian Rühmkorf

Am 30. September ging es feierlich zu in der deutschen Botschaft in Prag. Angereist war auch der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, aber nur als Laudator. Im Rampenlicht stand der Schriftsteller und frühere tschechische Präsident Václav Havel. Er bekam vom Kuratorium Deutsche Einheit den Point Alpha Preis verliehen für seine Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas. Dieser Tag war für die Preisverleihung bewusst gewählt.

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Foto: Gerald SchubertFoto: Gerald Schubert „Der 29. und der 30. September, zwei Tage, die aufeinander folgen. 1938 – ein Tag der Hoffnungslosigkeit. 1989 – ein Tag der Hoffnung, hier in Prag“, so Laudator Hans-Dietrich Genscher am Dienstag in der deutschen Botschaft in Prag.

Es war kein Zufall, dass der Schriftsteller und frühere tschechische Präsident Václav Havel ausgerechnet am 30. September den Point Alpha Preis für seine Verdienste um die deutsche und die europäische Einheit entgegennahm. In der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938, wurde das Münchner Abkommen unterzeichnet. Es sprach dem Deutschen Reich das Sudetengebiet zu. Statt Frieden folgte die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs. Derselbe Tag, allerdings im Jahre 1989, war wiederum ein Hoffnungstag für Europa. Den 4000 DDR-Flüchtlingen in der Prager Botschaft der Bundesrepublik wurde die Ausreise in den Westen bewilligt. Der Eiserne Vorhang begann zu bröckeln. Damals überbrachte Außenminister Hans-Dietrich Genscher die frohe Botschaft.

„Ich bin zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...“

- Einer der berühmtesten Halbsätze der Geschichte. In seiner Laudation machte Genscher klar, dass dieses Ereignis ohne einen Václav Havel und seinen Kampf für Freiheit nicht stattgefunden hätte:

Václav Havel (Foto: Gerald Schubert)Václav Havel (Foto: Gerald Schubert) „Ich will es ganz einfach ausdrücken, Herr Präsident: Ohne Sie, ohne Ihre Mitstreiter, ohne Ihr Werk hätte ich hier am 30. September nicht auf dem Balkon stehen können.“

„Havel gab“, so Genscher weiter, „ein leuchtendes Beispiel für die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte. Er stand für die Kraft des Geistes, für die Stärke der Freiheitsidee. Er gab ein Beispiel für Mut, für Überzeugungstreue - und was wir nie vergessen dürfen – für Opferbereitschaft.“

Havel antwortete in gewohnter Bescheidenheit:

„Dieser Preis gilt auch allen anderen, die sich für bürgerliches Engagement entschieden haben und in einen friedlichen aber riskanten Kampf für die menschliche Würde und Freiheit gegangen sind.“

Die deutsche Einheit war für Václav Havel ein unabdinbarer Schritt auf dem Weg zu einer europäischen Einigung:

„Wir haben in unserer oppositionellen, in unserer Dissidenten-Sphäre schon in den 70er und 80er Jahren betont, dass es keine freiheitliche europäische Einheit geben werde, wenn es zu keiner Wiedervereinigung Deutschlands komme.“

Der Point Alpha Preis – benannt nach einem früheren amerikanischen Grenzpunkt zwischen Hessen und Thüringen – war 2005 bereits George Bush senior, Michael Gorbatschow und Helmut Kohl verliehen worden. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

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