Tagesecho Vaclav Havel verabschiedete sich von den Bürgern

03-02-2003 | Martina Schneibergová

Seit Montag ist die Tschechische Republik ohne Staatspräsidenten. Nach fast 13 Jahren ist Präsident Vaclav Havel am Sonntag aus dem Amt geschieden. Auch an seinem letzten Tag als Präsident hatte er ein anspruchsvolles Programm. Martina Schneibergova fasst zusammen.

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Präsidentenfahne wurde gestrichen (Foto: CTK)Präsidentenfahne wurde gestrichen (Foto: CTK) Nachdem die Turmuhr auf der Prager Burg Mitternacht geschlagen hatte, erklangen die Fanfaren und die Nationalhymne und die Präsidentenfahne wurde gestrichen. Neben mehreren Pragern und Mitarbeitern der Präsidialkanzlei hat auch der in diesem Augenblick bereits ehemalige Staatspräsident Vaclav Havel die Zeremonie beobachtet.

Vaclav Havel nahm Abschied von den tschechischen Soldaten (Foto: CTK)Vaclav Havel nahm Abschied von den tschechischen Soldaten (Foto: CTK) Am letzten Tag im Amt legte Präsident Havel mit seiner Frau Dagmar Kränze u. a. am Denkmal für die Opfer des kommunistischen Regimes im Stadtteil Motol und an der Grabstätte politischer Gefangenen im Stadtteil Dablice nieder. Am Sonntagnachmittag übergab der Präsident seine Vollmachten an Premier Vladimir Spidla und an den Abgeordnetenchef Lubomir Zaoralek. Vaclav Havel nahm dann offiziell Abschied von den tschechischen Soldaten, deren Oberbefehlshaber er als Präsident war. Anlässlich der Zeremonie hatten sich trotz großer Kälte zahlreiche Menschen im Innenhof der Prager Burg versammelt. Sie verabschiedeten den Präsidenten mit lang andauerndem Applaus und "Es lebe Havel"-Rufen. Präsident Havel besuchte die St. Veit-Kathedrale, wo er Blumen am Grab des Kardinals Frantisek Tomasek niederlegte. In der St. Wenzelkapelle brachte er den Wunsch zum Ausdruck, dass das Land einen guten Präsidenten bekommt.

Fernsehrede (Foto: CTK)Fernsehrede (Foto: CTK) In einer Fernsehrede verabschiedete sich Vaclav Havel am Sonntagabend von den Bürgern. Er erinnerte zunächst daran, dass er zu Beginn seiner Amtszeit davon überzeugt war, dass er das Präsidentenamt nur für einige Monate lang - bis zu den ersten freien Parlamentswahlen - bekleiden werde. Dem sei jedoch nicht so gewesen. Havel sagte, er betrachte es als ein "Geschenk des Schicksals", Präsident gewesen sein zu dürfen, für das er "ewig dankbar sein" werde, betonte er. Es sei einfach - so Havel - alle Bürgerinstitutionen und Beziehungen, die über Jahrzehnte entstanden seien, aufzuheben, alles zu verstaatlichen und das Leben des Landes einem einzigen politischen Zentrum unterzuordnen. Es sei sehr nach Jahrzehnte lang dauernden "Zeitlosigkeit" das alles wieder zusammenzustellen, betonte Havel.

Vaclav Havel, seine Ehefrau und Kardinal Vlk (Foto: CTK)Vaclav Havel, seine Ehefrau und Kardinal Vlk (Foto: CTK) "Die Geduld, mit der sich unsere Gesellschaft allen Anforderungen dieser dramatischen Zeit stellte, die Ansprüche, deren Ausmaß kaum jemand von uns in den hektischen Revolutionstagen ahnen konnte - dies alles verdient große Bewunderung."

Der Präsident dankte danach in einer Fernsehansprache den tschechischen Bürgern für ihr Vertrauen und ihre Sympathie, ohne die er "keine Sekunde im Amt hätte sein können". Er bat alle, die er enttäuscht habe, um Entschuldigung. Er habe Entscheidungen stets "nach bestem Wissen und Gewissen gefällt," erklärte er. Vaclav Havel sprach in seiner Rede auch die Frage seines Nachfolgers an:

Vaclav Havel und seine Frau Dagmar (Foto: CTK)Vaclav Havel und seine Frau Dagmar (Foto: CTK) "Bislang ist es dem Parlament der Tschechischen Republik nicht gelungen, meinen Nachfolger im Amt des Präsidenten zu wählen. Dies ist zwar unangenehm, aber noch keine Katastrophe. Die Präsidentenvollmachten gehen vorübergehend in die Hände des Premiers und des Abgeordnetenchefs über - also in die Hände zweier verantwortlicher Menschen. Ich glaube, dass es früher oder später gelingt, einen Präsidenten zu wählen."

Der Präsident bemerkte weiter: "Die Zeit, die jetzt kommt, wird vielleicht zeigen, in wieweit wir ein vollwertiger Bestandteil der demokratischen Welt sind."

Havel schloss mit den Worten: "Liebe Freunde, ich verabschiede mich von Euch als Präsident, aber bleibe als Mitbürger unter Euch."

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