Tagesecho US-Anwalt Fagan fordert 10 Milliarden wegen historischer Anleihen aus Karlsbad
Die Stadt Karlsbad wird derzeit von der Geschichte eingeholt. 1924 hatte der bekannte Kurort in Westböhmen Anleihen ausgegeben. Nun hat sich der amerikanische Anwalt Ed Fagan an Karlsbad sowie das tschechische Finanzministerium gewandt und fordert im Namen seiner Klienten 10 Milliarden Kronen (400 Millionen Euro) für die Schuldscheine. Stadt und Ministerium halten die Ansprüche für verjährt, doch Fagan beteuert gegenüber Radio Prag, dass diese Ansicht falsch sei.
Karlsbader Anleihen (Foto: DOKUMENTAČNÍ a. s.)
Ed Fagan ist bekannt für seine weltweiten Schadenersetzklagen. 1988
vertrat er den Jüdischen Weltkongress im Verfahren um von den Nazis
geraubtes jüdisches Vermögen bei Schweizer Banken, später Holocaustopfer
bei ihren Klagen gegen Deutschland und Österreich. Derzeit sieht sich
Deutschland erneut einem Verfahren gegenüber – diesmal wegen
Staatsanleihen aus der Weimarer Republik. Um Vergleichbares geht es im
tschechischen Fall. Die Stadt Karlsbad hatte 1924 Obligationen ausgegeben,
um nach dem Ersten Weltkrieg Schulden zurückzahlen und neu investieren zu
können. Insgesamt 1,5 Millionen US-Dollar lieh sich die Stadt auf diese
Weise.
Ed Fagan
Die Anleihen seien weiterhin fällig, sagt Fagan. Der Anwalt wandte sich
im Oktober zunächst an das Karlsbader Rathaus. Gegenüber Radio Prag
bestätigte Fagan:
„Es gibt ein paar ganz einfache Prinzipien. Es handelt sich um Sicherheiten, um Schulden, und dabei gilt: Bis die Schuld beglichen ist oder die Anleihe aufgehoben wurde, existiert sie und muss gezahlt werden.“
Da die Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit herausgegeben wurden, haben sich mittlerweile Zinsen und Strafgebühren angesammelt. Die Forderungssumme beläuft sich heute angeblich auf 10 Milliarden tschechische Kronen. Als Fagan deswegen in Karlsbad vorsprechen wollte, wurde er von Oberbürgermeister Petr Kulhánek an den tschechischen Staat verwiesen. Denn der damalige tschechoslowakische Staat hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Garantien für die Obligationen übernommen. Im Finanzministerium hält man die Dinge indes für längst geregelt:
Petr Kulhánek
„Wir sind zum Schluss gekommen, dass die Ansprüche durch die Anleihen
schon einige Jahrzehnte erloschen sind, und die ganze Sache durch ein
internationales Abkommen abgeschlossen wurde, das die USA in den 80er
Jahren unterschrieben hat“, so Ministeriumssprecher Ondřej Jakob.
1984 wurde dieses Übereinkommen des tschechoslowakischen Staates mit den USA unterzeichnet. Doch laut Fagan hat es entscheidende Fehler:
„Das Problem ist, es wurden nicht alle Anleihen ausbezahlt, und es wurde kein Verfahren festgelegt, wie die Inhaber ihre Ansprüche geltend machen konnten. Damals wurden nur 2,5 Prozent Anzahlung auf die Schuldansprüche gezahlt. Die Behörden in der Tschechischen Republik verstehen wohl traurigerweise nicht, worum es geht. Es handelt sich nicht um ein oder zwei Anleihen, sondern wahrscheinlich um etwa Tausend oder mehr, und das nur aus Karlsbad.“
Fagan verweist zudem auf weitere alte Forderungen aus tschechischen
Staatsanleihen und Anleihen der Stadt Prag. Für all diese Forderungen
strebt der US-Anwalt derzeit noch eine außergerichtliche Einigung an. Da
aber die tschechischen Behörden bisher nicht kooperiert haben, droht eine
Klage vor einem Gericht. Allerdings nicht in Tschechien, wie Fagan betont:
„Warum, in Gottes Namen, sollte ich in der Tschechischen Republik klagen? Das ist nicht nötig. Die Anleihen wurden in den USA herausgegeben, und dort würde ich auch klagen.“






