Tagesecho Urenkel von Karl I. zu Besuch in Brandýs nad Labem: Mein Herz ist böhmisch
Die Seligsprechung von Kaiser Karl I. hat in Tschechien im Unterschied zu Österreich für keinerlei Kontroversen gesorgt. Eine Woche nach der Seligsprechung wurde in der mittelböhmischen Stadt Brandýs nad Labem/Brandeis an der Elbe, wo Karl I. ein Schloss besaß, ein Fest veranstaltet, bei dem des letzten böhmischen Königs gedacht wurde. Martina Schneibergova war dabei.
Kaiser Karl I.
Diejenigen, die die Seligsprechung negativ sehen, hatten offensichtlich
nicht das Bedürfnis, ihre Meinung zu präsentieren, meinte der Sprecher der
Tschechischen Bischofskonferenz, Daniel Herman, im Zusammenhang mit den
Reaktionen der tschechischen Medien. Der Historiker Jan Galandauer
zitierte in der Tageszeitung Mladá fronta Dnes den französischen
Schriftsteller Anatol France, der 1918 sagte:
Jan Galandauer
" Kaiser Karl wollte den Frieden. Er war der einzige anständige Mann,
der während des Krieges eine verantwortliche Position vertrat, man hörte
ihm jedoch nicht zu."
Galandauer sagt, in die böhmische Geschichte sei der König positiv eingegangen:
Messe in der Kirche in Brandýs nad Labem (Foto: Martina Schneibergova)
"Einige erinnerten sich an ihn eher im Guten, weil er 1917 eine
Amnestie für die damals verurteilten tschechischen Hochverräter verkündete
- etwa die späteren Politiker Karel Kramár, Alois Rasín und andere. Dies
war im Interesse von Karls Politik, denn er versuchte, die Völker
irgendwie zu versöhnen."
Gedenktafel in der Kirche in Brandýs nad Labem (Foto: Martina Schneibergova)
In der Kirche in Brandýs nad Labem wurde eine Gedenktafel für den selig
gesprochenen Karl I. installiert. Nach dem Gottesdienst, an dem u. a. auch
einige Angehörige der Familie Habsburg teilnahmen, lud der Bürgermeister
der Stadt zu einem Empfang in das Schloss ein, das einst Karl I. gehörte.
Zu seiner Beziehung zur Stadt Brandýs, wo sein Urgroßvater angeblich die
glücklichsten Jahre seines Lebens verbrachte, sagte der Urenkel von Karl
I., Johannes, gegenüber Radio Prag:
Johannes, Urenkel von Karl I. (Foto: Martina Schneibergova)
"Erstens allgemein zu Tschechen: Die Beziehung ist sehr stark, ich
bin seit zehn Jahren schon öfters hierher gekommen und habe auch ein
bisschen tschechisch gelernt, Die Beziehung zu Brandeis ist deswegen so
stark, weil hier mein Urgroßvater gelebt hat, aber wir schon gesagt wurde
- sehr glücklich gelebt hat, dass habe ich in seinen Schriften selbst
gelesen, dass es ihm hier sehr gut gefallen hat und dass er hier viele
Freunde gehabt hat. Deswegen hat Brandeis für uns eine besondere
Bedeutung, also für die ganze Familie. Der Empfang hier ist wirklich
fantastisch und unglaublich freundlich gewesen. Die Messe war sehr schön,
die Musik auch, ich habe viele Leute gesehen, mit vielen habe ich
gesprochen, es war auch historisch bereichernd, weil das Schloss Brandeis
reich an historischen Gegenständen ist. Ich habe wirklich gespürt, dass
insbesondere in Tschechien so zu sagen Freundschaft zu unserer Familie
besteht."
Messe in der Kirche in Brandýs nad Labem (Foto: Martina Schneibergova)
"Sie sprechen ganz gut tschechisch, was waren die Beweggründe dafür,
dass Sie tschechisch lernten?"
"Der Grund hängt eigentlich nicht so sehr mit der Familie zusammen, sondern er ist eher persönlich. Unsere kleine Familie - meine sieben Geschwister, mein Vater, meine Mutter und ich - waren schon öfters hier und ich habe mich so zu sagen in Tschechien ein bisschen verliebt. Ich fühle mich so: ´Já jsem ceského srdce.´ /Ich habe ein böhmisches Herz./ Deswegen hat mir mein Vater angeboten, ich sollte doch tschechisch lernen. Ich habe gesagt, das ist eine wahnsinnig gute Idee - uns so bin ich drauf gekommen."







