„Und das nächste Mal Feuer“

Den Sturm in Europa und der Welt im Blick behalten: Start des Prague Writers Festival.

Adonis (Foto: Archiv des Festivals)Adonis (Foto: Archiv des Festivals) Robert Menasse, Adonis, Kirill Medvedev: Dies sind nur drei von vielen Autoren, die ab Freitag in Prag ihre Werke vorstellen und über brennende Fragen aus Politik und Gesellschaft diskutieren werden. Das Motto des diesjährigen Prague Writers Festival ist in diesem Jahr „A příště už oheň“ / „Und das nächste Mal Feuer“. Was es damit auf sich hat, erklärt Vojtěch Landa. Er ist Mitorganisator und Pressesprecher des Festivals:

„Das Hauptthema beziehungsweise Motto mag auf den ersten Blick etwas bedrohlich erscheinen. Wir wollten damit aber reflektieren, dass wir uns gesellschaftlich derzeit vielen Stürmen ausgesetzt sehen. Das mag in den USA mit den Rassenunruhen der Fall sein, oder aber in Europa beispielsweise mit Katalonien. Es geht um aktuelle Themen – die revolutionären Orkane in der Welt.“

Michael March (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Michael March (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) Der Top-Gast beim Prague Writers Festival ist in diesem Jahr der österreichische Schriftsteller Robert Menasse. Warum haben sich die Veranstalter gerade für den diesjährigen Träger des Deutschen Buchpreises entschieden? Vojtěch Landa:

„Festival-Leiter Michael March bemüht sich jedes Jahr, Autoren nach Prag zu bringen, die hierzulande noch nicht so bekannt sind. Auch wenn einige Bücher von Robert Menasse bereits ins Tschechische übersetzt wurden, ist die Wahl diesmal auf ihn gefallen. Er gilt derzeit als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Literatur in Europa.“

Menasse soll vor allem als positive Stimme für Europa auftreten. Als Gegengewicht zur eurokritischen Stimmung also. Der gebürtige Wiener wird beim diesjährigen Festival aber nicht nur einmal zu hören sein:

„Robert Menasse wird das erste Mal am Samstag im tschechischen Senat lesen, gemeinsam mit der US-Autorin Affinity Konar. Weiter diskutiert er am Montag mit Kirill Medvedev und Wesley Lowery unter dem Motto ‚Und das nächste Mal Feuer‘ im Agneskloster. Abschließend wird Menasse am Dienstag unter anderem mit Außenminister Lubomír Zaorálek ebenfalls im Agneskloster über Europa debattieren, diesmal unter dem Schlagwort ‚Et tu, EU‘.“

Passend zum Motto wird nicht nur die Zukunft der EU ein Thema beim diesjährigen Jahrgang des Festivals sein. Auch Schriftsteller aus islamischen Ländern bekommen diesmal viel Raum:

„Eine der Diskussionen in diesem Jahr ist die sogenannte ‚Islamische Frage‘, die eigentlich das derzeitige Top-Thema in den Medien weltweit ist. Interessant war für uns nicht nur die Perspektive europäischer Islam-Kritiker gegen deren europäische Opposition in dieser Frage. Wir wollten auch kritische Stimmen von Autoren aus den betreffenden Ländern einholen. Ein solcher intellektueller Zugang zur Islam-Kritik macht mehr Sinn, als heimischen teils auch extremen Islam-Gegnern eine Bühne zu bieten. Sie haben nämlich einen sehr oberflächlichen Blick auf diese Religion.“

Gast zu dem Thema ist deshalb der sehr säkulare syrische Dichter und ewige Nobelpreis-Favorit Adonis. Zu hören sind aber auch Mohammed Achaari aus Marokko oder Ayşe Kulin aus der Türkei.

Über Gesellschaft und Politik werden diesmal jedoch nicht nur Literaten sprechen. Das Festival bietet auch zwei Filme zu kontroversen Themen. Der eine ist der US-Streifen „The Good German“ über die Anfänge des Kalten Krieges. Der andere wiederum ist der Dokumentarfilm „I’m not your Negro“ über den afro-amerikanischen Schriftsteller James Baldwin und die Rassenkonflikte in den USA. Doch auch zu diesem Thema werden sich Autoren äußern, unter anderem die US-Amerikaner Wesley Lawery, Maria Golia oder der Inder Inderjit Badhwar.