Über Prag erzählen: Lydia Steinbacher neue Stipendiatin des Literaturhauses

Sie schreibt Lyrik sowie Prosa: Die österreichische Nachwuchsautorin Lydia Steinbacher veröffentlichte 2014 ihren ersten Gedichtband „silex“ beim niederösterreichischen Berger-Verlag. Die Dichterin lebt und arbeitet in Wien, ist aber oft auf Reisen. Zurzeit ist sie gerade in Prag als Stipendiatin des Prager Literaturhauses. Am Dienstag stellte sich Steinbacher dort vor und präsentierte eine Auswahl ihrer Gedichte und Kurzgeschichten. Die Lyrik stammte aus ihrem aktuellen Gedichtband „Im Grunde sind wir sehr verschieden“, der im April dieses Jahres im Innsbrucker Limbus Verlag erschienen ist. Radio Prag hat nach der Lesung mit der jungen Schriftstellerin gesprochen.

Lydia Steinbacher (Foto: Archiv von Lydia Steinbacher)Lydia Steinbacher (Foto: Archiv von Lydia Steinbacher) Frau Steinbacher, Sie sind seit Anfang Juli als Stipendiatin des Prager Literaturhauses in Prag. Ist es Ihr erster längerer Aufenthalt in der tschechischen Hauptstadt?

„Es ist mein erster längerer Aufenthalt in Prag. Ich war davor schon zweimal in dieser Stadt, die wirklich sehr schön ist, hatte aber nicht die Zeit – es waren insgesamt drei Tage –, sie näher kennenzulernen. Jetzt, wo ich so lange da sein kann, dachte ich am Anfang, ich kaufe mir ein Monatsticket für die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber ich brauche es gar nicht, ich gehe alles zu Fuß ab. Ich war stundenlang spazieren. So lernt man eine Stadt am besten kennen.“

Hat Sie hier in Prag etwas sehr überrascht? Hatten Sie bestimmte Vorstellungen von der Stadt?

Laurenziberg (Foto: Štěpánka Budková)Laurenziberg (Foto: Štěpánka Budková) „Überrascht hat mich, dass die Wege auf den Laurenziberg alle so steil sind. Ich wollte nämlich dort laufen gehen, aber irgendwie bin ich sehr schnell an meine körperlichen Grenzen gekommen. Ansonsten ist es schon so wie in meiner Erinnerung, aber jetzt im Sommer und in dieser schönen Wohnung wirkt es alles noch fast viel kitschiger. Wenn ich aus dem Fenster schaue und sofort die Moldau sehe und die vergnügten Touristen, die mit ihren Tretbooten herumschippern – alle nur in kleinen Kreisen – dann hat das etwas Zierliches, Liebliches. Das ist sehr schön.“

Sie hatten jetzt eine Lesung Ihrer Lyrik und Prosa, wobei auch Ihre Prosa sehr poetisch geschrieben ist. Wie haben Sie die Auswahl von Texten für die Lesung getroffen?

„Die Sachen, die ich hier gelesen habe, habe ich ein bisschen ausgewählt nach Motiven. Ich wollte, dass sich bestimmte Motive in der Prosa und in den Gedichten wiederholen, damit man, wenn man ganz genau zuhört, vielleicht auch merkt, wie sich ein Motiv in der Prosa niederschlägt und wie es in der Lyrik vorkommt. Das fand ich ganz interessant.“

Tschechische Lyriker haben heutzutage große Probleme, dass ihre Gedichte überhaupt erscheinen. Wie ist Ihre Erfahrung aus Österreich?

„Wahrscheinlich vergleichbar schwierig. Das ist wirklich ein großes Problem für Lyriker. Manche Verlage scheuen sich einfach davor, Lyrik zu publizieren, nicht nur, weil sie denken, es verkaufe sich nicht, sondern auch dass sich kein Lektor dafür zuständig und kompetent fühlt, ein Gedichtmanuskript überhaupt zu bewerten – ob es jetzt gut oder schlecht ist. Das sei eine schwierige Frage, wie ich von vielen Verlagen und Lektoren gehört habe.“

Schreibt sich Lyrik oder Prosa einfacher? Fühlen Sie sich stärker oder sicherer in den Gedichten oder in den Prosatexten, wenn man das so sagen kann?

Prager Literaturhaus (Foto: Archiv des Prager Literaturhauses)Prager Literaturhaus (Foto: Archiv des Prager Literaturhauses) „Mein Motto für den Prag-Aufenthalt ist eigentlich: Ich möchte Kurzgeschichten schreiben. Ich plane, einen Erzählband herauszugeben. Ich konzentriere mich jetzt wirklich auf Kurzgeschichten, aber zwischendurch entwickeln sich trotzdem Gedichte. Da kann ich nichts dagegen machen. Das muss ich auf einem anderen Blatt Papier oder in einem anderen Ordner notieren, um das nicht zu vergessen. Es schreibt sich weder Prosa noch Lyrik einfacher. Das hängt aber auch damit zusammen, welche Ansprüche man an seinen Text stellt. Ich plane, den Erzählband hoffentlich in dem Verlag herauszugeben, bei dem ich jetzt bin. Das ist aber noch nicht ganz fertig abgesprochen. Ich notiere also Ideen, aber nicht nur Ideen. Auch Kurzgeschichten habe ich schon geschrieben, die eindeutige Bilder von Prag enthalten und vielleicht auch von der Wohnung, in der ich mich aufhalte.“

Sind das Beobachtungen, Begegnungen mit bestimmten Menschen oder Eindrücke?

„Es ist alles von dem, was Sie gesagt haben. Es sind Begegnungen mit Menschen, aber auch nur kurze Beobachtungen. Tiefgründig habe ich jetzt hier keinen kennengelernt. Ich bin auch ein bisschen schüchtern, da tut man sich nicht so leicht. Aber es gibt auch einfach Bilder aus der Stadt und Beobachtungen von einzelnen Menschen.“