Tagesecho Turnier in Brünn entfacht erneut Eishockey-Fieber für Tschechiens Team
Zu Ostern war es auch in Tschechien zumeist sonnig und warm. Am heißesten aber war es in der Messestadt Brno / Brünn, wo sich über 30.000 Tschechen regelrecht anstecken ließen – vom Eishockeyfieber. Aus gutem Grund, denn eine Woche vor dem Beginn der Weltmeisterschaft in der Slowakei gab die tschechische Eishockey-Nationalmannschaft in der hiesigen Rondo-Halle ihre Visitenkarte ab. Und eine eindrucksvolle dazu, denn mit zwei Siegen und einer Niederlage gewannen die Gastgeber die Czech Hockey Games und tankten so viel Selbstvertrauen für ihr großes Ziel, die Verteidigung des WM-Titels.
Foto: ČTK
„Jágr am Puck – und Tor!“ Dieser Aufschrei war bei den Czech Hockey
Games, dem abschließenden Turnier der Euro-Hockey-Tour, gleich zweimal zu
vernehmen. Jaromír Jágr ist das große Idol der Tschechen, denn neben dem
langjährigen Ausnahmetorhüter Dominik Hašek gibt es keinen Zweiten aus
ihrer Mitte, der in der berühmtesten Eishockey-Liga der Welt, der NHL,
für soviel Furore gesorgt hat. Jágr war von 1995 bis 2006 einer der
stärksten rechten Flügelspieler der NHL und er wurde dafür mit
zahlreichen individuellen Trophäen dekoriert. Für die Tschechen aber ist
Jágr vor allem ein internationales Aushängeschild und ein Erfolgsgarant.
Das hat der bereits 39-Jährige auch in Brünn ein weiteres Mal unter
Beweis gestellt. Mit zwei Toren und vier Assists war er der beste Scorer
und Angreifers des Turniers. Für die jüngeren Spieler in der Mannschaft
ist Jágr zudem eine Leitfigur, an der man sich aufrichten kann.
Jaromír Jágr (Foto: ČTK)
„Das Team beginnt sich langsam zu finden, denn dazu braucht es immer
etwas Zeit. Wir sind eine tolle Truppe, aber Jaromír Jágr sticht noch
heraus. Er spielte schon stark gegen Finnland und heute hat er seine Klasse
erneut bestätigt. Ich muss jedoch sagen, dass die ganze Mannschaft für
den Sieg gearbeitet hat, und das war super“, sagte Jungnationalspieler
Jakub Nakládal nach dem 6:3-Sieg der Tschechen gegen Russland.
Dank dieses Erfolges hatten die Schützlinge von Head Coach Alois Hadamczik den Turniergewinn schon nach der zweiten Begegnung am Samstag in der Tasche. Zum Auftakt war ihnen am Gründonnerstag ein 2:1-Sieg über Finnland gelungen. Großen Anteil daran hatte Torhüter Ondřej Pavelec, für den aber in erster Linie das Teamwork zählt:
„Jedes Spiel, das man gewinnt, ist gut für das Selbstvertrauen. Ich hoffe aber, dass unsere Leistung noch weiter nach oben geht und die Sicherheit in unserem Spiel noch größer wird.“
Foto: ČTK
In der zweiten Partie gegen Russland konnten Jágr & Co. den
Aufwärtstrend wie bereits erwähnt fortsetzen, im abschließenden Match
gegen Schweden allerdings unterlag Tschechien mit 2:4. In dieser Begegnung
hatte Trainer Hadamczik auch den sonstigen Reservisten eine Chance gegeben,
bei einigen Stammspielern indes machte sich der vorherige
Kräfteverschleiß bemerkbar. Unter dem Strich aber überwog das Positive
und ganz oben auf der Habenseite stand der größte Rückhalt der
tschechischen Mannschaft – das Publikum. Auch Jan Marek, einer von den 16
Cracks im Kader, die im Vorjahr das WM-Finale in Köln gewannen, konnte
sich nicht erinnern, im eigenen Land schon einmal enthusiastischer gefeiert
worden zu sein als beim Turnier in Brünn:
Foto: ČTK
„Vor solch einem Publikum spielt man nicht jeden Tag. Ich ziehe vor den
Fans in Brünn den Hut, denn soviel Begeisterung habe ich noch nicht
erlebt. Deshalb habe ich jede Spielminute hier genossen. Die Brünner
Zuschauer waren einfach phantastisch.“
Nun hoffen die tschechischen Eishockeyspieler natürlich, dass die Welle
der Begeisterung von Brünn ins nur 130 Kilometer entfernt gelegene
Bratislava hinüberschwappt. Die Hoffnung ist berechtigt, denn die Spiele
der tschechischen Mannschaft in der Vorrunde gegen Lettland, Dänemark und
Finnland sind bereits ausverkauft. Man darf sich also schon jetzt darauf
einstellen, dass es von diesem Samstag an für zwei Wochen in Tschechien
kein wichtigeres Thema gibt als Eishockey. Und je nachdem wie sich Jágr
& Co. schlagen werden, wird es hierzulande auch wieder mehr oder
weniger zu feiern geben.








