Tagesecho Tschechische Wissenschaftler erhalten Zugang zu amerikanischen Spitzentechnologien

14-06-2010 14:59 | Patrick Gschwend

Die Obama-Administration hatte den Plänen der Bush-Regierung für ein Raktetenabwehrsystem in Mitteleuropa eine Absage erteilt. Geplant waren ein Radar in Tschechien und Abwehrraketen in Polen. Nach langen Vertragsverhandlungen schauten die Tschechen am Ende in die Röhre. Als Ausgleich sollten jedoch tschechische Wissenschaftler Zugang zu amerikanischen Forschungsprojekten erhalten. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Tschechien und den USA wurde am vergangenen Donnerstag besiegelt.

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Martin Barták (Foto: Kristýna Maková)Martin Barták (Foto: Kristýna Maková) Der Vertrag, den Noch-Verteidigungsminister Martin Barták und sein US-amerikanischer Amtskollege Robert Gates am Donnerstag in Brüssel unterschrieben haben, garantiert Tschechien nicht einen Dollar. Aber er öffnet die Türen zu amerikanischen Spitzentechnologien. Tschechische Wissenschaftler können sich nämlich künftig um die Teilnahme an amerikanischen Forschungsprojekten bewerben, und für sie werden dabei die gleichen Bedingungen gelten wie für ihre amerikanischen Kollegen.

„Der Vertrag eröffnet uns eine riesige Skala von Möglichkeiten, nicht nur im Bereich der militärischen Forschung. Wenn wir das Zeug dazu haben, können wir uns praktisch um alles bewerben“, sagt Verteidigungsminister Barták und betont, dass dies nicht nur für öffentliche Forschungseinrichtungen sondern auch für Privatfirmen gilt. Tschechien gehört damit zu dem erlauchten Kreis von nur zehn Ländern, denen die Vereinigten Staaten den Zugang zu ihren wissenschaftlichen Projekten gewähren.

Flugzeug für DARPA ohne Flugzeugführer (Foto: DARPA)Flugzeug für DARPA ohne Flugzeugführer (Foto: DARPA) Ob und wie erfolgreich tschechische Forscher bei ihren Bewerbungen in den USA sein werden steht auf einem anderen Blatt. Barták hält die tschechische Wissenschaft aber durchaus für konkurrenzfähig. Vladimír Mařík, der Leiter des Lehrstuhls für Kybernetik an der Technischen Universität Prag, sieht Tschechien vor allem in der Informatik, der Kybernetik, in der Laser- und Biotechnologie sowie in der Optoelektronik und Radiotechnik gut aufgestellt. Auch im Bereich der chemischen und atomaren Sicherheit räumt er seinen tschechischen Kollegen gute Chancen auf erfolgreiche Bewerbungen ein. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den USA werde das technologische Potenzial Tschechiens insgesamt heben, glaubt Mařík:

Vladimír MaříkVladimír Mařík „Das wird positive Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben. Denn: Wenn die Industrie das höhere Niveau unserer wissenschaftlichen Forschung nutzt, wird das für Tschechien einen Wettbewerbsvorteil bringen.“

Verteidigungsminister Barták kommentiert den Abschluss des Vertrages daher geradezu euphorisch:

„Dieser Vertrag mit den USA ist einzigartig und der größte Erfolg für die Tschechische Republik in der letzten Zeit. Er ermöglicht uns zu zeigen, was in uns steckt.“

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