Tagesecho Tschechische Sportler im Wechselbad der Gefühle: Medaille - Verletzung - Fauxpas
Bei den Olympischen Winterspielen in Turin hat mittlerweile die zweite und abschließende Wettkampfwoche begonnen. Für die Vertreter der tschechischen Mannschaft aber haben besonders die vergangenen Tage alle Höhen und Tiefen bereitgehalten, die man als Sportler erleben kann - den Gewinn einer Olympiamedaille, ein übles Foul mit Verletzungsfolge und einen amateurhaften Fehler ersten Ranges, der viele Hoffnungen zunichte machte. Wer und was sich hinter diesen "Episoden" verbirgt, das verrät Ihnen Lothar Martin.
Lukas Bauer (Foto: CTK)
Lukas Bauer gehört seit mehreren Jahren zur Weltspitze im Skilanglauf der
Herren. Drei Weltcuprennen konnte der 28-jährige Egerländer bisher in
seiner Karriere gewinnen, doch noch nie eine Medaille bei einer Olympiade
oder einer Weltmeisterschaft. Bis zum vergangenen Freitag. Da gelang dem
sympathischen Athleten aus Bozi Dar / Gottesgab im böhmischen Erzgebirge
nämlich sein bis dato größter Wurf: der zweite Platz im Wettbewerb über 15
km im klassischen Stil. Einzig dem alten und neuen Olympiasieger Andrus
Veerpalu aus Estland musste sich Bauer knapp geschlagen geben. Seiner
Freude über die eben errungene Silbermedaille aber tat das keinen Abbruch.
Im Gegenteil, Bauer teilte sie mit Menschen, die sowohl hinter ihm
als auch hilfreich an seiner Seite stehen:
"Einige, nein ich würde sogar sagen viele Emotionen haben in mir die tollen Zuschauer hier im Stadion entfacht. Ihnen gebührt mein großer Dank, ebenso wie den Leuten meines Serviceteams. Ich denke, ohne sie wäre das Rennen für mich heute wesentlich schwerer gewesen."
Kvetoslav Zalcik (Foto: CTK)
Mit gut gewachsten Skiern stürmte Lukas Bauer schon zwei Tage später, im
Wettbewerb der 4 x 10 km Staffel, erneut an die Spitze des Feldes. Doch
bei der Übergabe der Führung an den Teamgefährten Jiri Magal war erst die
Hälfte des Rennens absolviert. Auch Magal hielt die tschechische Staffel
als Drittplatzierter bei seiner Ablösung noch auf Medaillenkurs,
Schlussläufer Dusan Kozisek aber brach völlig ein, so dass am Ende nur ein
neunter Platz zu Buche stand. Dabei sollte Ersatzmann Kozisek eigentlich
gar nicht laufen, sondern der auf den Wettkampf vorbereitete Milan Sperl.
Ein amateurhafter Fehler des Funktionärs
Kvetoslav Zalcik aber verhinderte Sperls Olympiastart und womöglich auch
eine Medaille. Zalcik hatte nämlich die Rollen von Kozisek und Sperl im
Wettkampf-Meldeformular vertauscht, so dass
Kozisek ran und Sperl zuschauen musste. Auch Langlauftrainer Miroslav
Petrasek war entsetzt und erwiderte zerknirscht:
"Mit Kvetoslav habe ich heute früh gesprochen, aber das war nicht druckreif."
Jaromir Jagr (Foto: CTK)
Das Entsetzen stand am Samstag aber auch den tschechischen
Eishockeyspielern ins Gesicht geschrieben. Und zwar in der 28. Minute
ihrer Begegnung mit dem finnischen Team, als Suomis Raubein Jarkko Ruuttu
den tschechischen Topstar Jaromir Jagr mit einem brutalen Foul an die
Bande rammte. Regungslos, mit einer blutenden Kopfwunde blieb Jagr
sekundenlang liegen, ehe die Wunde in der Kabine mit neun Stichen vernäht
wurde. Da Jagr im Bemühen, die Scheibe zu sichern, seinen Widersacher
nicht sehen konnte, war es ein Foul der ganz hinterhältigen Art und hätte
eigentlich - legt man den olympischen Eid der Sportler zugrunde - den
Ausschluss Ruuttus von der Olympiade nach sich ziehen müssen. So
jedenfalls sieht es auch der tschechische Verteidiger Pavel Kubina:
"Solche Fouls sollten hart bestraft werden und eine lange Sperre nach sich ziehen. Und solch ein Spieler hat bei einer Olympiade auch nichts zu suchen, denn das war ein Foul, bei dem er die Verletzung seines Kontrahenten billigend in Kauf genommen hat."
Jaromir Jagr konnte zum Glück einen Tag später schon wieder spielen und
dazu beitragen, dass sich Tschechien nach dem 4:1-Sieg über Gastgeber
Italien für das Viertelfinale des Olympiaturniers qualifiziert hat.





