Tagesecho Tschechische Politszene durch ernsthafte Affäre erschüttert: Mord am ranghohen Polizisten geplant
Nur wenige Stunden nachdem die Minderheitsregierung des Bürgerdemokraten (ODS) Mirek Topolanek am Mittwoch Präsident Vaclav Klaus offiziell ihren Rücktritt kundgegeben hatte, erschütterte ein neuer Skandal die einheimische Politszene. Aus den kürzlich eingeleiteten Ermittlungen zur Korruption eines ehemaligen ranghohen Staatsbeamten und seiner zwei Komplizen hat sich unerwartet ein Ernstfall entpuppt: Nämlich der Verdacht auf einen geplanten Mord!
Die Initialzündung der Affäre war vom privaten TV-Sender Nova gekommen.
Einem Mitarbeiter ist es gelungen, sich in eine Betrügergang
einzuschleichen und deren Machenschaften monatelang zu beobachten. Dabei
entstand eine Dokumentation, die der Nova-Informator mit einer versteckten
Kamera gedreht haben soll. Am Mittwoch hat der TV-Sender die erste
Reportage von den insgesamt 20 Stunden Bildmaterial ausgestrahlt. Soweit
so gut, an Skandale bzw. Finanzaffären hat man sich hierzulande beinahe
gewöhnt.
Zdenek Dolezel (Foto: CTK)
Der jüngste Skandal ist aber in Bezug auf die drei Hauptakteure und deren
Vorhaben wieder einmal doch etwas Besonderes. Das Trio soll zwar der
Bürgermeister der Gemeinde Budisov, Ladislav Peta, geleitet haben, jedoch
im engen Zusammenwirken mit dem Beamten des Landwirtschaftsministeriums
Miloslav Rehulka und dem ehemaligen Leiter des Sekretariats der
sozialdemokratischen Ex-Premiers Stanislav Gross und Jiri Paroubek -
Zdenek Dolezel.
Und gerade Dolezels Name sorgt in diesem Zusammenhang für großes Aufsehen, weil er schon einmal vor mehr als einem Jahr mit einer anderen bisher noch nicht aufgedeckten Korruptionsaffäre verbunden wurde. Diesmal geht es allerdings nicht wie bei Dolezels Soloaktion nur um ein paar Millionen Kronen Bestechungsgeld, die er gegen das Versprechen verlangt hatte, bei der Entscheidung des Kabinetts über ein milliardenschweres Privatisierungsprojekt eines staatlichen Unternehmens als "Fürsprecher" zu helfen.
Ex-Premier Stanislav Gross (Foto: CTK)
Alle drei Männer sollen versucht haben, viele Millionen Euro aus den
Subventionstöpfen der EU zu erschleichen. Um Spuren zu beseitigen, sollen
sie auch zwei Morde geplant haben. Nach der Veröffentlichung der Fakten
ließen die Reaktionen verschiedener Spitzenpolitiker bzw.
Ex-Spitzenpolitiker nicht lange auf sich warten. Der sozialdemokratische
Parteichef und Ex-Premier Jiri Paroubek distanzierte sich nachdrücklich
von Zdenek Dolezel und verwies u.a. darauf, ihn von seinem Amtsvorgänger
Stanislav Gross in der Funktion des Sekretariatsleiters sozusagen
"geerbt" zu haben. In das Regierungsamt kam Dolezel aus dem
Innenministerium. Der Innenminister hieß damals Stanislav Gross. Dieser
erinnert sich heute:
"Im Innenministerium bin ich nicht allzu oft mit ihm in Kontakt
gekommen. Im Regierungsamt, insofern ich seine Arbeit verfolgen konnte,
hatte ich das Gefühl, dass sich Dolezel durch solide Leistungen
auszeichnete. Was er aber jetzt leistet, das ist unglaublich! Für mich
hörte der Mann vor anderthalb Jahren auf zu existieren. Dafür, was er
schon
damals angestellt hatte, gibt es keinen Pardon."





