Tschechische Parteien nominierten Spitzenkandidaten für die Wahlen zum Europäischen Parlament

Die tschechischen Parteien haben dieser Tage die Namen ihrer Spitzenkandidaten für die Wahlen zum europäischen Parlament bekannt gegeben. Einen ersten Blick auf das für Tschechien einmalige Ereignis wirft nun Dagmar Keberlova.

Europäische Parlament im Strasbourg (Foto: Europäische Kommission)Europäische Parlament im Strasbourg (Foto: Europäische Kommission) Gleich zwei große Ereignisse warten auf die Tschechen im kommenden Frühjahr. Zuerst wird ihr Land am 1. Mai der Europäischen Union beitreten, und gleich einige Wochen darauf werden sie ihre Vertreter im Europäischen Parlament wählen. Schwer abzuschätzen wie sie dies erleben werden. Die Umfragen dieser Tage zeigen eine sinkende Lust bei den Tschechen, sich an den Europawahlen zu beteiligen. Ein Meinungsforschungsinstitut schätzt, dass nur etwa 35% aller Wahlberechtigten zu den Wahlurnen gehen würden. Auch die tschechischen Parteien machen sich langsam startbereit. Bereits alle Parlamentsparteien einigten sich auf ihren Spitzenkandidaten, mit dem sie ins Wettrennen um die 24 Sitze im Europäischen Parlament einsteigen wollen. An diesem werden sich auch zwei nicht im Parlament vertretene Parteien beteiligen, die Chancen auf Erfolg zu haben glauben. Wann der Wahlkampf beginnen wird und wie er aussehen wird, dies fragte ich den Politologen Ivo Slosarcik vom Institut für europäische Politik in Prag:

"Schon die Namen der Politiker, die die jeweiligen Parteien für die Wahlen nominieren, sind ein Teil der Wahlkampagne. Beispielsweise die Bürgerdemokraten haben als Spitzenkandidaten einen Politiker mit einer klaren europäischen Profilierung nominiert, der eine bedeutende Erfahrung mit der europäischen Integration hat. Die klassische Kampagne wird zunächst zum Teil mit den Feierlichkeiten und Debatten anlässlich des EU-Beitritts verbunden sein. In den Wochen, die dann den Beitritt noch von den Wahlen trennen, wird es zur Intensivierung der Kampagne mit Plakaten und ähnlichem kommen."

Vieles hängt auch vom Geld ab, meint Ivo Slosarcik weiter. Es werde darauf ankommen, wie viel Geld die Parteien für die Wahlen in ein lokal entferntes Organ wie das Europäische Parlament investieren wollen, und wie viel sie lieber für Senats-, Kommunal- oder Abgeordnetenhauswahlen sparen möchten.