Tagesecho Tschechische Literatur bei der Buchmesse Leipzig – Aushängeschild ist Michal Ajvaz

17-03-2011 15:59 | Till Janzer

In Leipzig ist die Buchmesse eröffnet worden. Die Veranstalter melden mehr Aussteller, mehr Fläche und ein größeres Literaturprogramm. Zu den 36 Ländern, die sich in der Stadt noch bis zum Sonntag präsentieren, gehört auch die Tschechische Republik, und das mit einem eigenen Stand und mehreren Auftritten von Schriftstellern. Jana Chalupová ist verantwortlich für die Gestaltung des tschechischen Auftritts auf der Buchmesse und hält sich natürlich derzeit schon in Leipzig auf – ein Interview.

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Buchmesse in LeipzigBuchmesse in Leipzig Frau Chalupová, die Buchmesse in Leipzig hat begonnen. Sie soll größer sein als in den vergangenen Jahren. Die Veranstalter sprechen von mehr Fläche und einem umfangreicheren Literaturprogramm. Gilt das auch für die tschechische Präsentation in diesem Jahr, ist sie auch größer?

„Die tschechische Präsentation ist in der Größe vergleichbar mit den vergangenen Jahren. Das tschechische Kulturministerium ´exportiert´ im Prinzip vier Autoren. Ergänzt wird dies von weiteren Schriftstellern, die über das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren kommen sowie vom einem weiteren Autor, der über die Städtepartnerschaft von Brünn mit Leipzig eingeladen wurde.“

Michal AjvazMichal Ajvaz Vier Autoren stellen sich also unmittelbar im Rahmen des tschechischen Literaturprogramms vor. Meinen Informationen nach sind das Michal Ajvaz, Stanislav Komárek, David Jan Novotný und Jaroslav Pížl. Warum fiel die Wahl auf diese vier?

„Ja, diese Informationen stimmen. Nach Leipzig laden wir Autoren ein, bei denen ein besonderes Interesse an einer Übersetzung ins Deutsche besteht. Das bezieht sich vor allem auf Michal Ajvaz. Er ist derzeit einer der besten tschechischen Schriftsteller und wurde überhaupt noch nicht ins Deutsche übersetzt, obwohl seine Übersetzungen ins Englische sehr erfolgreich sind. Bei Amazon besteht großes Interesse an seinen Romanen in Englisch. Er ist für uns dieses Jahr das heißeste Eisen im Feuer und wir würden ihn gerne deutschen Verlagen anbieten. Der zweite Autor dieser Art ist David Jan Novotný, dessen Roman ´Sidra Noach´ im vergangenen Jahr erschienen ist. Das Buch handelt vom Hochwasser in Prag im Jahr 2002 und ist von den Kritikern gelobt worden. Deswegen wollen wir es auch dem deutschen Publikum vorstellen. Der dritte Autor ist Jaroslav Pížl, der ebenfalls mit einem neuen Roman kommt, ´Adrenalin´ heißt er. Pížl hat vor fünf oder sechs Jahren bei der Buchmesse in Leipzig bereits den Roman ´Der Büchersammler´ vorgestellt. Vom vierten Schriftsteller, Stanislav Komárek, wurde das neueste Buch ´Das schwarze Häuschen´ bereits ins Deutsche übersetzt. Dem Publikum in Leipzig wollen wir mit seinem Auftritt mitteilen, dass das Buch nun neu in den Bücherregalen steht und also auch auf Deutsch zu haben ist.“

David Jan Novotný: ´Sidra Noach´David Jan Novotný: ´Sidra Noach´ Tschechien ist regelmäßig Gast bei der Leipziger Buchmesse. Welche Bedeutung hat diese Messe für die Präsentation tschechischer Literatur?

„Sie ist einfach sehr wichtig. Das Kulturministerium schickt jedes Jahr eine Reihe von Autoren hierher, weil es davon ausgeht, dass Leipzig für den deutschen Buchmarkt die größte Bedeutung hat und wichtiger ist als die Frankfurter Buchmesse. Zudem haben tschechische Bücher in Leipzig einfach ihr Publikum. An unserem Stand stellen wir deswegen auch einen Querschnitt der tschechischen Buchproduktion vor. Das beginnt bei Kinderbüchern und geht über Comics, Fachliteratur und selbstverständlich Belletristik, bis hin zu Übersetzungen tschechischer Literatur. Darunter sind Werke, die in früheren Jahren auch in deutscher Übersetzung erschienen sind wie zum Beispiel in der Reihe ´Tschechische Bibliothek´. Zudem präsentieren wir mit einer Ausstellung die schönsten tschechischen Bücher. Diese Bücher wurden vom Kulturministerium wegen ihrer schönen Aufmachung und Illustrationen ausgezeichnet. Zudem wollen wir auf den 110. Geburtstag des Dichters Jaroslav Seifert aufmerksam machen. Er ist ja bisher unser einziger Literatur-Nobelpreisträger und wir können stolz auf ihn sein.“

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