Tagesecho Tschechische Forscher nähren Hoffnung für bessere Anti-Krebs-Präparate
Die häufigste Methode bei der Behandlung der Krebserkrankung ist die Chemotherapie. Weil aber bei dieser Behandlungsmethode in der Regel toxische Stoffe zur Wirkung kommen, fühlen sich die Patienten nach jeder Sitzung zumeist kraftlos und übel. Nun aber können sie hoffen, dass zukünftig bei einer solchen Chemotherapie mildere Stoffe verwendet werden, die eine den Körper weit mehr schonende Behandlung ermöglichen. Diese Hoffnung nähren besonders auch tschechische Wissenschaftler, die gleich an zwei Erfolg versprechenden Forschungen beteiligt sind.
Illustrationsfoto
Tschechische und spanische Wissenschaftler haben ein Präparat entwickelt,
das ganz neue Möglichkeiten zur Behandlung von Geschwulsterkrankungen
schafft. Der Leiter des Forschungsteams im Mikrobiologischen Institut der
tschechischen Akademie der Wissenschaften, Professor Vladimír Křen, über
die Zusammensetzung des Präparats:
„Das Präparat, das wir jetzt entwickelt haben, basiert auf der Kombination der Struktur von Silibinin und der Struktur der Geschwulst hemmenden Stoffe aus dem grünen Tee. Diese Stoffe haben de facto keine toxischen Eigenschaften.“
Krebszellen
Übrigens, Silibinin ist die am stärksten pharmakologisch aktive Substanz
des Stoffkomplexes Silymarin, der aus den Früchten der Mariendistel
gewonnen wird. Die sonst wenig beachtete Mariendistel und grüner Tee sind
es also, die Krebspatienten in Zukunft zu einer schonenden, weil ungiftigen
Behandlung einer Geschwulsterkrankung verhelfen sollen. Professor Křen
erklärt, was das neue Präparat bewirken soll:
„Es ist imstande, kleine Tumore schon im Keim zu ersticken und somit zu beseitigen. Aber es ist ebenso in der Lage, das Wachstum größerer Tumore zu stoppen.“
Das sei möglich, weil das Präparat die im Blut transportierte Nährstoffzufuhr zum jeweiligen Tumor stoppe und die Geschwulst sich so nicht mehr vergrößern könne, ergänzt Křen. Der Wermutstropfen im Becher der Vorfreude allerdings ist der: Die Forschungen an dem neuen Anti-Krebs-Stoff sind noch längst nicht abgeschlossen, und bevor das entsprechende Medikament in die Apotheke kommt, können durchaus noch bis zu zehn Jahre vergehen.
Professor Viktor Brabec
Das trifft auch die zweite Entdeckung zu, an der Wissenschaftler des
Biophysikalischen Instituts der Akademie der Wissenschaften in Brno /
Brünn maßgeblich beteiligt sind. Ihre Entdeckung, die sie in
Zusammenarbeit mit Experten der britischen Warwick Universität gemacht
haben, besteht darin, dass sie andere Stoffe als das derzeit bei der
Chemotherapie verwendete Platin erfolgreich getestet haben. Ganz konkret
sei es eine Kombination aus Eisen und Zink, die das Platin eines Tages bei
den Zytostatika ablösen soll. Dank dieser Kombination blieben die
unerwünschten Nebenwirkungen nach einer Chemotherapie nahezu aus, hieß
es. Derzeit aber erforschen die Wissenschaftler in Brünn noch weitere
Stoffe und für die Einführung ihres Präparats in die Medizin bräuchten
sie nun vor allem Hilfe von außen, betont Professor Viktor Brabec:
„Wir sind Wissenschaftler, die an der Akademie der Wissenschaften
Grundlagenforschung betreiben, aber wir sind keine Pharmakologen. Daher
warten wir jetzt darauf, ob uns nicht das eine oder andere Institut aus
Großbritannien oder Tschechien, das Forschungen zur Anwendung bringt,
weiterhelfen kann.“






