Tagesecho Tschechische Bahnen sagen Schmuddel-Waggons den Kampf an
Früher präsentierten sie sich in düsterem Dunkelgrün, seit knapp 20 Jahren zeigen sie sich in etwas freundlicherem Grün-Weiß. Doch in ihrem Inneren hat sich seit Jahrzehnten so gut wie nichts verändert. Die Rede ist von den Schnellzugwagen der Tschechischen Bahnen (ČD). Mehrere Hundert dieser Wagen, die der Vereinigte Schienenfahrzeugbau der DDR in den 1960er-Jahren entwickelt hat, sind bis heute auf den tschechischen Gleisen unterwegs. Nicht unbedingt zur Freude der Fahrgäste. Für mehrere Milliarden Kronen sollen die heruntergekommenen Waggons nun renoviert werden.
Während in anderen Ländern seit Jahren moderne Hochgeschwindigkeitszüge
durchs Land rauschen, befördern die Tschechischen Bahnen (ČD) ihre Kunden
in muffigen Abteilen. Acht kunstlederbezogene Sitzplätze, undichte
Fenster, flackernde Neonbeleuchtung. Dazu eine schlechte Heizung und
Toiletten, deren Zustand oft die Grenze des Zumutbaren überschreitet. Das
ist der zweifelhafte Komfort, den heute die meisten tschechischen
Schnellzüge bieten. Dies wollen die Tschechischen Bahnen nun ändern,
verspricht ČD-Generaldirektor Petr Žaluda:
„Wir tauschen die Sitzbezüge und die Bodenbeläge aus, bauen neue Toiletten ein und setzen die Heizung instand. Auch die Fenster werden abgedichtet. Das sind Dinge, die die Fahrgäste auf den ersten Blick wahrnehmen.“
Rund 250 Waggons sollen in den kommenden beiden Jahren modernisiert
werden. Einige erhalten für den Einsatz in Eurocity-Zügen auch eine
Klimaanlage und umweltfreundliche WCs. 21 Speisewagen aus DDR-Produktion
Petr Žaluda
werden zu Wagen erster Klasse mit Buffetabteil. Die ersten Prototypen sind
in dieser Woche in Prag präsentiert worden.
„Wir haben verschiedene Firmen eingeladen, ihre Konzepte zu präsentieren. Jedes Unternehmen hat einen Wagen nach unseren Vorgaben modernisiert und dabei auch eigene Ideen einfließen lassen. Wir präsentieren die Waggons jetzt der Öffentlichkeit und fragen die Fahrgäste um ihre Meinung. Anhand dieser Erfahrungen werden wir dann die Modernisierung der einzelnen Wagentypen in Auftrag geben.“
In Zusammenarbeit mit den Landkreisen wollen die Tschechischen Bahnen auch weitere neue Züge für den Regionalverkehr kaufen. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2014 umgerechnet rund 615 Millionen Euro investiert werden. Auch in neue Züge für den Fernverkehr, so ČD-Generaldirektor Petr Žaluda gegenüber Radio Prag:
„Wir wollen zum Beispiel Wagengarnituren vom Typ ‚Railjet’ kaufen.
In Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bundesbahnen denken wir an die
Anschaffung von bis zu 16 dieser modernen Züge.“
Wann die seit zwei Jahren in Österreich eingesetzten modernen Zugsgarnituren auch auf Tschechiens Schienen auftauchen werden, ist aber noch unklar. Noch laufen die Gespräche mit den Österreichischen Bundesbahnen und auch die Finanzierung muss erst gesichert werden.








