Tagesecho Tschechiens Autohersteller schließen 2015 als neues Rekordjahr ab

08-01-2016 14:49 | Lothar Martin

Euro-Krise, Grexit, Flüchtlingskrise – das waren die markantesten Schlagwörter des Jahres 2015. Die tschechische Autoindustrie dagegen braucht das Wort „Krise“ nicht einmal ansatzweise in den Mund zu nehmen. Im Gegenteil: Das Jahr 2015 war für die drei Pkw-Hersteller des Landes – Škoda, TPCA und Hyundai – erneut ein Rekordjahr, sowohl in der Produktion als auch beim Absatz.

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Foto: CC BY-SA 3.0Foto: CC BY-SA 3.0 Die Top-Firma in Tschechien ist ohne Zweifel Škoda Auto. Der Pkw-Hersteller aus Mladá Boleslav / Jungbunzlau gehört zum VW-Konzern, der wegen des Emissionsskandals im vergangenen Jahr arg in Misskredit geraten ist. Auch Škoda musste daher befürchten, aufgrund des Diesel-Gates Verluste hinzunehmen. Doch das ist nicht der Fall. Nach Bekanntwerden des Skandals war die Produktion der Autobauer aus Mittelböhmen zwar kurzfristig ins Stocken geraten, doch das Jahr 2015 schlossen sie letztlich noch mit einem Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Und auf dem tschechischen Binnenmarkt hat Škoda mit fast 74.000 verkauften Neuwagen sogar ein nahezu sensationelles Ergebnis erzielt. Es liegt um 27 Prozent über dem Absatz des Jahres 2014. Der Sekretär des Verbandes der Auto-Importeure, Pavel Tunkl, erklärt dazu:

Pavel Tunkl (Foto: ČT24)Pavel Tunkl (Foto: ČT24) „Dies bedeutet, dass Škoda vom VW-Skandal eigentlich nicht berührt wurde. Und wenn Sie auf die Modellreihen schauen, stellen Sie fest: Auch die Dieselmodelle verkaufen sich weiter gut.“

Das trifft erst recht auf die beiden anderen Pkw-Produzenten im Land, die Firma TPCA in Kolín und die Hyundai-Tochter in Nošovice zu. Beide Unternehmen haben im vergangenen Jahr kräftig zugelegt. Das TPCA-Werk, in dem Kleinwagen von Toyota, Peugeot und Citroën hergestellt werden, erhöhte seine Produktion im Jahresvergleich um 8 Prozent, der europäische Hyundai-Ableger in Nordmähren verzeichnete sogar einen Zuwachs von 11,3 Prozent. Noch mehr ins Auge fällt indes, dass alle drei Autohersteller den tschechischen Binnenmarkt kräftig belebt haben. Mit dem Verkauf von 230.857 Fahrzeugen haben sie erstmals die 200.000er-Marke geknackt und dabei einen Zuwachs von 20 Prozent zum Jahr 2014 erzielt. Die renommierte Beratungsfirma KPMG hat zur Entwicklung auf den Automärkten eine neue Studie erstellt. Jan Linhart zu den Rekordwerten auf dem tschechischen Markt sowie den Aussichten für 2016:

Jan Linhart (Foto: ČT24)Jan Linhart (Foto: ČT24) „Es stellt sich die Frage: Woher kommt der rapide Zuwachs? Wir nehmen an, das ist auf das starke Wachstum der tschechischen Wirtschaft zurückzuführen. Das bedeutet, die Einwohner und somit auch Kunden dieses Landes haben wieder mehr Zutrauen in ihren Verbrauch und erfüllen sich Kaufwünsche, die sie in den vergangenen Jahren zurückgestellt haben. Daraus lässt sich ableiten, dass der Markt voraussichtlich auch in diesem Jahr wachsen wird.“

Allerdings nicht in dem Maße, wie es im letzten Jahr der Fall war, warnt der Chef der Automobil-Expertengruppe PwC, Jiří Zouhar, vor allzu hohen Erwartungen:

Foto: Archiv Škoda AutoFoto: Archiv Škoda Auto „Der Zuwachs wird nicht ganz so groß sein wie im Jahr 2015. Unsere Prognose für das Jahr 2016 lautet, dass er sich um die 15 Prozent bewegen wird.“

Ein noch erfreulicher Aspekt als die guten Aussichten für die tschechische Pkw-Industrie sind indes die Verlautbarungen der Autohersteller, aus dem VW-Skandal die richtigen Lehren ziehen zu wollen. So scheint allmählich ein Umdenken in Sachen Antrieb zu beginnen. Jan Linhart von der Firma KMPG:

Foto: YouTubeFoto: YouTube „Bei unserer vorjährigen Umfrage unter den Autoproduzenten konnten wir feststellen, dass sie ihr größtes Augenmerk auf die weitere Entwicklung von Benzin- und Dieselmotoren mit einem möglichst niedrigen Kraftstoffverbrauch legen. Sie wollten diese Technologie also beibehalten. In diesem Jahr aber hat sich diese Ansicht grundlegend geändert. Nun wollen die Autohersteller verstärkt in Hybrid- und E-Motoren investieren sowie nach weiteren alternativen Technologien forschen.“

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