Tagesecho Tschechien mit 25-köpfiger Delegation beim Klimagipfel in Kopenhagen
Am Montag hat in Kopenhagen der UN-Klimagipfel begonnen. Dort beraten 192 Staaten der Welt über ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Klimaprotokoll. Tschechien hat ebenfalls eine Delegation entsandt, obwohl der schwedische Premier als EU-Ratspräsident auch Hauptverhandlungsführer für Tschechien ist.
Pavel Zámyslický (Foto: www.iisd.ca)
In den Kopenhagener Klimagipfel werden große Erwartungen gesetzt. Während
im Kyoto-Protokoll noch bedeutende Industriestaaten wie die USA fehlten und
die großen Schwellenländer zu keinerlei klimapolitischen Zusagen bereit
waren, sollen nun endlich wirklich weltweite Vereinbarungen getroffen
werden. Pavel Zámyslický aus dem Umweltministerium in Prag leitet derzeit
die 25-köpfige tschechische Delegation in Kopenhagen:
„Ursprünglich sollte unmittelbar in Kopenhagen ein Nachfolge-Abkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll vorbereitet werden. Mittlerweile sind die Ziele nicht mehr so ambitioniert und der Nachfolge-Vertrag wird wahrscheinlich erst im kommenden Jahr zustande kommen. Hier in Kopenhagen geht es jetzt darum, dass sich die Politiker darüber klar werden, was Bestandteil des Vertrags sein wird.“
Foto: ČTK
Idealvorstellung ist laut Zámyslický, dass die Industriestaaten ihre
Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent gegenüber dem Wert von 1990
reduzieren und die großen Schwellenländer wie China und Indien sich
bereit erklären, klimapolitische Maßnahmen zu ergreifen. Eine heiße
Frage ist, mit wie viel Geld die Industriestaaten den Kampf gegen die
Folgen des Treibhauseffektes unterstützen werden. Die Europäische Union
hat hierzu noch keine Zusagen gemacht. Eine Mitschuld daran trage
Tschechien, sagt Karel Polanecký von der Umweltorganisation Hnutí Duha
(Bewegung Regenbogen):
„Die Tschechische Republik hat beim letzten Treffen der EU-Finanzminister zusammen mit weiteren Neumitgliedern den Vorschlag blockiert, der konkrete Summen enthielt für einen Fonds zum Kampf gegen den Treibhauseffekt. Tschechien hatte dabei allerdings nicht die Führungsrolle, sondern Polen.“
Karel Polanecký (Foto: ČTK)
In der tschechischen Regierung gibt es dabei keine eindeutige Meinung in
der Finanzierungsfrage. Eine Chance also für ein Überdenken, findet
Polanecký:
„Falls die Tschechische Republik als wichtiger Staat des östlichen Blocks in der EU sich von der polnischen Initiative distanzieren würde, dann wäre das ein gutes Signal. Vielleicht schlössen sich auch die Ungarn und die Slowaken an.“
Im Vorfeld des Klimagipfels war auch immer wieder der tschechische Staatspräsident Václav Klaus zu hören. Er wirft den Ökologen vor, mit der Warnung vor einer Klimakatastrophe Panikmache zu betreiben. In Kopenhagen hat Klaus indes kein Verhandlungsmandat für Tschechien, so der derzeitige Delegationsleiter Zámyslický:
Foto: ČTK
„Präsident Klaus gehört der Delegation nicht an. Falls er hier nach
Kopenhagen fährt, dann muss das privat sein. Kopf unserer Delegation ist
Premier Fischer. Seine Ankunft erwarten wir kommende Woche am Donnerstag
oder Freitag.“
Dann geht es in Kopenhagen nämlich in die Zielgeraden, das heißt die abschließende Verhandlungsrunde steht an.









