Tagesecho Tschechien ist für Westeuropäer nicht mehr so attraktiv
Nach Weihnachten und zu Neujahr wimmelt es in Tschechien von Touristen. Mit der Erweiterung des Schengen-Raums sind an der Grenze zwar die Autokolonnen verschwunden, in den Grenzgebieten jedoch nicht. Nach dem Heiligabend strömen die Urlauber vor allem aus Deutschland und den Niederlanden in die böhmischen Berge. In den kommenden Jahren könnten die Autokolonnen aber auch hier - und das zum großen Bedauern der tschechischen Hoteliers und Pistenbetreiber - verschwinden. Warum? Eine Frage an Tomio Okamura, den Sprecher der Assoziation der tschechischen Reisebüros.
Tomio Okamura (Foto: www.tomio.cz)
„In der Tschechischen Republik nimmt die Zahl der solventen
westeuropäischen Touristen in den letzten zwei Jahren ständig ab. Es ist
bisher nicht gelungen, diesen Trend zu stoppen. In Tschechien wurde zwar
dieses Jahr ein sehr geringer Zuwachs ausländischer Touristen registriert.
Das kommt aber dadurch, dass jetzt mehr Polen, Slowaken und Russen kommen.
Der Grund, warum Westeuropäer mittlerweile seltener Tschechien als
Urlaubsziel wählen, liegt vor allen Dingen am schlechten Niveau der
Dienstleistungen hierzulande. Die Touristen werden dadurch abgeschreckt,
erneut zum Urlaub nach Tschechien zu kommen“, so Tomio Okamura.
Ungefähr 150.000 ausländische Touristen haben diese Weihnachten in Tschechien verbracht, fast die Hälfte davon in Prag. Silvester lockt jedoch noch einmal mehr Menschen hierher. Die Experten von der Assoziation der tschechischen Reisebüros erwarten, dass circa 270.000 Touristen Neujahr in der Tschechischen Republik feiern werden. Das touristische Hauptziel Prag hat sich darauf bereits vorbereitet: Essen und Trinken wird gerade in dieser Zeit in jedem Restaurant wesentlich teurer. Erwartet wird eine Preiserhöhung von 20 Prozent.
Aber nicht nur die ausländischen Touristen, sondern auch die Tschechen packen am Jahresende ihre Koffer. Tomio Okamura:
„Ungefähr 170.000 Tschechen verbringen diese Zeit in den inländischen
Bergen und 85.000 im Ausland, genauer gesagt in den österreichischen
Alpen, wo die meisten tschechischen Winterurlauber hinfahren und wo die
Preisunterschiede nicht mehr so groß sind. In Tschechien gehören zu den
Lieblingsdestinationen das Isergebirge und vor allem das Riesengebirge. In
diesen beiden Gebieten macht fast die Hälfte aller tschechischen Touristen
ihren Urlaub.“
Tomio Okamura weist zudem auf einen neuen Trend auf dem tschechischen Markt hin:
„Wir registrieren eine wachsende Tendenz an Winterurlauben in der
Südsee. Wir haben ausgerechnet, dass dieses Jahr fast 100.000 tschechische
Bürger ihren Urlaub in der Weihnachtszeit in wärmeren Gefilden verbringen
werden. Das sind 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.“






