Tagesecho Tschechen "von außen" gesehen

14-06-2003 | Jitka Mládková

In den kommenden Tagen und Monaten werden sich ganz bestimmt zahlreiche Politiker, Politologen, Kommentatoren und viele andere vielleicht noch intensiver als bisher mit dem Thema "EU-Beitritt" auseinandersetzen. Dabei wird auch viel Selbstreflexion nützlich, ja sogar notwendig sein. Nützlich ist aber auch zu wissen, wie man uns von außen sieht. Um so einen Blick von Außen baten wir heute den Prager ARD-Auslandskorrespondenten Christoph Scheffer:

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Herr Scheffer, seit drei Jahren sind Sie ARD-Auslandskorrespondent in Tschechien und reisen, soviel ich weiß, kreuz und quer durch die böhmischen Landen. Was hat Sie bei der Verfolgung der Tschechen auf ihrem auf ihrem Wege in die EU beeindruckt - sowohl im positiven als auch im negativen Sinne?

"Ich glaube, man kann schon das bestätigen, was Erweiterungskommissar Günther Verheugen vergangene Woche gesagt hat, nämlich dass die Tschechen eigentlich einen Nobelpreis für Skeptizismus oder für Skepsis verdient hätten. Richtige Begeisterung für die EU. den Beitritt i die EU, die habe ich relativ selten getroffen, und ich denke, dass es im Prinzip eine sehr gesunde Haltung ist. denn so etwas Abstraktes wie die EU, das ist nicht etwas, was man wirklich lieben kan, wofür man sich begeistern kann. Eher schon für den Gedanken, dass Grenzen wegfallen, dass Europa zusammenwächst, auch das habe ich in Tschechien erlebt. Aber ich glaube, dass es eine ganze Reihe von Vorbehalten in Tschechien gibt, die zum Teil aber auch begründet sind."

Hierzulande wird viel über eine Rückkehr Tschechiens nach Europa geredet, viele Tschechen sind hingegen davon überzeugt, dass sie Europa nie verlassen haben. Wie sehen Sie persönlich die Tschechen?

" Dieser Ausdruck ´Rückkehr nach Europa´ ist ein Ausdruck von westlicher Arroganz. denn natürlich war die Tschechische Republik und früher die Tschechoslowakei immer im Herzen Europas. Dieses Land hat sich nie aus der Mitte des Kontinents nie weg bewegt, aber natürlich ist damit auch gemeint die Rückkehr in eine Völkerfamilie, die wieder zusammenwächst. Hinter diesem Ausdruck klingt für mich auch durch, dass der Eiserne Vorhang - die Grenz zwischen Ost und West - in vielen westlichen Köpfen noch existiert. Bei den Tschechen habe ich das weniger erlebt. Ich glaube, dass die Tschechen alle Möglichkeiten nutzen, um zu reisen, um Ausländer kennen zu lernen, um mit anderen Leuten anderer Kulturen Kontakte aufzunehmen. Von daher glaube ich, dass gerade die Möglichkeit noch unbeschwerter quer durch Europa zu reisen von den Tschechen sehr stark genutzt werden wird und dass es diesem Land etwas bringen wird, dass es vielleicht weniger provinziell wird, dass es sich mehr öffnet."

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