Tagesecho Tschechen jubeln über Handball-Sieg und bei tollem Biathlon-Weltcup
Auch am vergangenen Wochenende ging es in Tschechien wieder sehr sportlich zu. Bei guten Schneeverhältnissen lockten die Wintersportorte der Mittelgebirge Tausende Freizeitsportler zum Skilaufen an, im mährischen Nové Město na Moravě gab sich die Weltelite im Biathlon gleich an fünf Tagen ein Stelldichein. Die tschechischen Biathleten blieben bei den sechs Weltcup-Rennen zwar vieles schuldig, stark applaudiert wurde aber trotzdem im neuen Schmuckkästchen der Böhmisch-Mährischen Höhe. Erst recht gejubelt wurde hunderte Kilometer südlich im serbischen Niš, wo die tschechischen Handballer zum EM-Auftakt einen 27:24-Sieg über Deutschland feierten.
Silvio Heinevetter und Filip Jícha (Foto: ČTK)
„Das Entscheidende ist heute gewesen, dass jeder tschechischer Spieler
den Sieg um etwas mehr gewollt hat als die Akteure der deutschen
Mannschaft“, sagte Filip Jícha, der Welthandballer des Jahres 2010, am
Sonntag unmittelbar nach der tschechischen EM-Auftaktbegegnung mit
Deutschland. Und Jícha, der sonst für den THW Kiel in der deutschen
Bundesliga spielt, hatte auch persönlich allen Grund zu Zufriedenheit: Mit
sieben Toren war der gebürtige Pilsener der beste Werfer der Partie.
Jícha legte somit den Grundstein für den wichtigen Sieg. Der zweite dicke
Fels, den die Tschechen in der Brandung hatten, war ein weiterer
Bundesliga-Profi: Torhüter Petr Štochl. Der Schlussmann der Berliner
Füchse erwies sich besonders zu Beginn der zweiten Halbzeit, als die
Deutschen mächtig drückten, als starker Rückhalt seiner Mannschaft.
Foto: ČTK
„Mit einem Schlag waren die Deutschen von fünf Toren Rückstand bis auf
einen Treffer herangekommen, und das Spiel war wieder völlig offen. Für
uns sollte das eine Lehre sein, dass solche Durchhänger – auch wenn sie
in jedem Spiel vorkommen – möglichst kurz sein sollten“, wies der
35-jährige Torwart auf eine Schwachstelle im tschechischen Spiel hin.
Der slowakische Trainer Martin Lipták war dennoch von der Leistung seiner Schützlinge ziemlich angetan:
Martin Lipták (links). Foto: ČTK
„Während des Spiels sind wir nie in Rückstand geraten und haben auch
unsere schwächere Phase ganz gut überstanden. Danach standen wir in der
Abwehr wieder sicher, haben einige sehr gute Konter gefahren und den
Drei-Tore-Vorsprung gut über die Zeit gebracht.“
Mit Blickrichtung auf die noch freien Plätze für die Olympiaqualifikation war das 27:24 ein sehr wichtiger Sieg. Von den acht Kontrahenten, die sich um die noch zwei freien Plätze bewerben, muss Tschechien möglichst sieben hinter sich lassen – ein Konkurrent davon jedoch ist Deutschland.
Foto: ČTK
Sehr stimmungsvoll ging es am vergangenen Wochenende auch im mährischen
Nové Město na Moravě zu, wo der Weltcup der Biathleten vor insgesamt
45.000 Zuschauern ausgetragen wurde.
„Als sie die ersten beiden Biathlon-Rennen im Fernsehen verfolgt haben, sei der Funke übergesprungen. Da wollten sie auch live dabei sein und die tolle Atmosphäre hautnah erleben“, schilderte eine junge Tschechin den Beweggrund, weshalb sie und ihre Familie den Weg auf die Tribünen bei der Schießanlage gefunden hatten.
Jaroslav Soukup (Foto: ČTK)
Von der tollen Kulisse regelrecht beeindruckt war auch der Präsident der
Internationalen Biathlon-Union, Anders Besseberg. Er bescheinigte den
Gastgebern eine gelungene Generalprobe für die Biathlon-WM, die im
kommenden Jahr in Nové Město ausgetragen wird. Und bis dahin hofft auch
Männertrainer Ondřej Rybář, dass sich die tschechischen Biathleten –
die keine Top-Ten-Platzierung schafften – besser an die einzigartige
Atmosphäre gewöhnt haben:
„Für uns war es ein Riesenerlebnis. Ich denke, dass die Jungs noch lange davon zehren werden. Ich hatte erwartet, dass es ein mit vielen Deutschen gemischtes Publikum sein wird, doch zirka 90 Prozent der Fans waren Tschechen.“








