Tschechen erobern den Striezelmarkt

Die sächsischen Weihnachtsmärkte sind ein beliebtes Ausflugsziel für Tschechen. Aber sind sie gut auf die Nachbarn vorbereitet?

Pirnaer Canalettomarkt (Foto: YouTube Kanal des Pirna TV Lokalfernsehens)Pirnaer Canalettomarkt (Foto: YouTube Kanal des Pirna TV Lokalfernsehens) Glühwein, Weihnachtsstimmung und Kunst aus dem Erzgebirge – der Canalettomarkt in Pirna ist im Advent ein beliebtes Ziel für Ausflügler aus Tschechien. Die Stadt im Elbtal ist nämlich nicht weit von der Grenze entfernt, aus Prag ist man hier in gut einer Stunde. Auch Zita genehmigt sich an einem der Stände einen Punsch. Für sie haben die Märkte auf beiden Seiten des Schlagbaums ihren eigenen Zauber:

„Die Weihnachtsmärkte in Tschechien und Deutschland unterscheiden sich vor allem optisch. Besonders durch die jeweiligen regionalen Eigenheiten. Im Großen und Ganzen sind die Unterschiede nicht ganz so groß, es geht immer um Weihnachten. Und unsere Kulturen sind ja auch nicht so weit voneinander entfernt.“

Trdelník (Foto: MOs810, CC BY-SA 4.0)Trdelník (Foto: MOs810, CC BY-SA 4.0) Zita ist nicht zufällig in Pirna, ihr Mann stammt von hier. Er wiederum kann ihre Begeisterung für den Canalettomarkt nicht ganz nachvollziehen, wie sie erklärt:

„Mein deutscher Ehemann zum Beispiel mag die tschechischen Weihnachtsmärkte mehr. Für ihn sind sie ein bisschen exotisch. Ich mag die Märkte auf beiden Seiten gern, jeder hat so seine Besonderheiten.“

Die Besucher aus Tschechien sind mittlerweile von den sächsischen Weihnachtsmärkten nicht mehr wegzudenken, sie sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Vorweihnachtszeit geworden. Aber nicht nur das: mittlerweile kommen Händler von der anderen Seite der Grenze nach Pirna und bieten in den Buden ihre typischen Waren an. So duftet es auf dem Canalettomarkt etwa nach dem tschechischen Trdelník. Den bäckt David Svoboda an seinem Stand:

Dresdner Striezelmarkt (Foto: andreasmetallerreni, Pixabay / CC0)Dresdner Striezelmarkt (Foto: andreasmetallerreni, Pixabay / CC0) „Ich verkaufe hier zum ersten Mal, davor stand ich in Prag. Hier ist es sehr schön und die Atmosphäre ist einfach super.“

Nicht nur in Pirna rechnet man jedes Jahr schon fest mit Kunden aus Tschechien. Auch der größte Adventsmarkt in der Region, der Dresdner Striezelmarkt, bereitet sich seit einigen Jahren explizit auf Weihnachtsbegeisterte aus dem Nachbarland vor. Wie genau erklärt Sigrid Förster. Sie ist eine der Organisatorinnen des Striezelmarkts:

„Die tschechischen Besucher können sich vor allem im Internet informieren, die Dresdener Informations-Webseite gibt es nämlich auch auf Tschechisch. Da finden die Besucher eine Übersicht der Händler, aber auch wo man in der Nähe des Marktes parken kann. Außerdem haben wir einen Striezelmarkt-Flyer, der unter anderem auf Tschechisch verfügbar ist. Den bekommt man am Infostand.“

Dresdner Striezelmarkt (Foto: Veit Schagow on Foter.com / CC BY)Dresdner Striezelmarkt (Foto: Veit Schagow on Foter.com / CC BY) Wie viele Tschechen alljährlich auf den Dresdner Striezelmarkt pilgern, dazu gibt es laut Sigrid Förster keine genauen Zahlen. Nichtsdestotrotz scheint Tschechisch fast eine zweite Amtssprache in der Dresdner Weihnachtswelt zu sein. Doch können auch die Händler und das Personal des Striezelmarktes ein wenig Tschechisch?

„Auf jeden Fall kommt man mit Englisch gut über den Striezelmarkt, das sprechen die meisten Händler. Mit Tschechisch ist es etwas schwieriger, genauso wie mit Russisch oder Polnisch. An den besucherstarken Wochenenden haben wir hier aber auch Personal und Sicherheitskräfte aus den betreffenden Ländern. Die sprechen die jeweilige Sprache dann auf jeden Fall.“