Tschechen beteiligen sich seit 25 Jahren an Knochenmarkspenden

Bei schweren Formen der Blutarmut oder bei Leukämie hilft eine Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation. In Tschechien wurde dazu vor 25 Jahren die Stiftung für Knochenmarktransplantationen geschaffen.

Foto: Navy News Service, Chad McNeeley / Public DomainFoto: Navy News Service, Chad McNeeley / Public Domain „Ich habe die Diagnose, dass ich eine akute Leukämie habe, im Jahr 2011 nach den Ferien erhalten. Zur nachfolgenden Jahreswende war ich zur ersten Phase der Chemotherapie im Krankenhaus. Und bereits am 18. Januar habe ich das Transplantat bekommen.“

So schilderte Jakub Junek, ein 29-jähriger Geiger aus Tschechien, die Krankheitsgeschichte, die ihn vor rund sechs Jahren ereilt hat, gegenüber dem Inlandsender des Tschechischen Rundfunks. Um Menschen wie ihm helfen zu können, braucht man Spender für Knochenmark beziehungsweise Stammzellen. An der hämatologisch-onkologischen Abteilung der Fakultätsklinik in Plzeň / Pilsen wurde dazu vor 25 Jahren ein Register eingerichtet. Darin sind heute 75.000 Spender festgehalten, der etwas größere Teil davon sind Frauen. Für die Leiterin der Erfassungsstelle der tschechischen Knochenmarkspender, Jana Navrátilová, hat dies einen pragmatischen Grund:

Jana Navrátilová (Foto: Miroslav Šindelář, Archiv der tschechischen Armee)Jana Navrátilová (Foto: Miroslav Šindelář, Archiv der tschechischen Armee) „Das Alter, in dem sich Frauen in das Register eintragen lassen, deckt sich oft mit der Lebensphase, in der sie eine Familie gründen wollen oder bereits kleine Kinder haben. In dieser Zeit sind sie mental so eingestellt, einfach nur helfen zu wollen.“

Dazu ist anzumerken, dass das Alter für die Spender begrenzt ist. In Tschechien gibt es zwei unterschiedliche Marken. In der Uniklinik Pilsen ist die Grenze seit Einführung des Registers auf 35 Jahre festgelegt. Die zweite Einrichtung, in der hierzulande Knochenmarkspender registriert sind, ist das Institut für klinische und experimentelle Medizin (IKEM) in Prag. Hier wurde die Altersgrenze der Spender vor einiger Zeit auf 40 Jahre angehoben. Das Institut zählt derzeit 27.000 Spender.

Für 90 Prozent der Erkrankten hierzulande werde heute dank dem weltweiten Netz von Spenderregistern, das 31 Millionen Menschen zählt, ein Spender gefunden. Das sagte der Chefarzt der hämatologisch-onkologischen Abteilung der Fakultätsklinik in Pilsen, Pavel Jindra, neulich vor Journalisten in Prag. Wenn dank des Registers ein geeigneter Spender für intakte Stammzellen aus dem Knochenmark, dem Blut oder dem Nabelschnurblut gefunden wurde, dann müsse die jeweilige Transplantation indes sehr zügig durchgeführt werden, erläutert Jana Navrátilová:

Sammeln von Blutstammzellen (Foto: Ľubomír Smatana, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Sammeln von Blutstammzellen (Foto: Ľubomír Smatana, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Für das Sammeln von Blut-Stammzellen ist entscheidend, auf welche Weise sie vom Spender entnommen werden. Erfolgt die Entnahme mit einem Blutzell-Separator, müssen sie dem Patienten innerhalb von 48 Stunden zugeführt werden. Wird das Knochenmark indes direkt im OP-Saal entnommen, dann muss die Transplantation binnen 24 Stunden erfolgen. Wenn ein Transplantat also vom Spender bis zum Empfänger eine große Entfernung überbrücken muss, ist es mitunter schon nervenaufreibend, die jeweilige Zeit einzuhalten.“

In Tschechien erkranken jährlich etwa einhundert Menschen an Leukämie, bei rund 1000 Patienten wird eine Störung der Blutbildung diagnostiziert. Die Transplantation ist bei Erwachsenen in 60 bis 80 Prozent und bei Kindern in 70 bis 90 Prozent der Erkrankungsfälle erfolgreich.

Zu den erfolgreich Geheilten gehört der junge Geiger Jakub Junek. Nach seiner Transplantation vor fünfeinhalb Jahren habe er noch im Krankenhaus begonnen, wieder auf seiner Violine zu spielen, sagte Junek. Danach hätten sich bei ihm jedoch mehrfach Komplikationen eingestellt, die ihn auch zu musikalischen Pausen zwangen. Jetzt aber, nach über fünf Jahren, fühle er sich merklich wohler und denke, die Violine nicht mehr aus der Hand geben zu müssen, so Junek. Ein Fall von vielen, der dank Knochenmarkspendern einen guten Verlauf genommen hat. Und ein musikalisches Happyend obendrein.